Gut gewappnet: Die regenerativen Erzeugungsanlagen in der LVN-Region liefern heute – bilanziell gesehen – bereits rund 75 Prozent des gesamten Stromverbrauchs aller LVN-Netzkunden.

Gut gewappnet: Die regenerativen Erzeugungsanlagen in der LVN-Region liefern heute – bilanziell gesehen – bereits rund 75 Prozent des gesamten Stromverbrauchs aller LVN-Netzkunden.

Bild: © LVN/Timian Hopf

Im Fokus der Studie steht die Entwicklung und Versorgung der Elektromobilität im gesamten LVN-Netzgebiet – von Bayerisch-Schwaben bis zum Allgäu und Teilen Oberbayerns – in den kommenden zehn Jahren.

Die wichtigsten Ergebnisse: Bis zum Jahr 2030 werden in der Region im privaten, halb-öffentlichen und öffentlichen Bereich rund 190.000 zusätzliche Ladepunkte für Elektrofahrzeuge erwartet. Aktuell sind rund 1.300 Ladepunkte im LVN-Netzgebiet gemeldet; bereits installierte und noch nicht gemeldete Ladepunkte nicht inbegriffen.

Dr. Martin Uhrig, Assetmanager für Mittel- und Niedrigspannungsnetze bei LVN und Leiter der Prognosestudie

LVN

Die Ergebnisse der Studie

Die maximale Ladeleistung, die dann laut Prognose im Jahr 2030 gleichzeitig abgerufen wird, liegt demnach bei 475 Megawatt (MW). Das entspricht in etwa der elektrischen Leistung, die ein großes Gaskraftwerk bei Volllastbetrieb liefert.

Größtenteils sind demnach die Stromnetze in der Region bereits so gut ausgebaut, dass sie das erwartete Mehr an elektrischer Leistung zuverlässig liefern können. In einigen Hotspots besteht aber auch noch Ausbaubedarf. Besonders hohe Anforderungen stellt die künftige Ladeinfrastruktur an die Verteilnetze in urbanen Räumen.

 

Schätzung: 85 Prozent der neuen Ladepunkte in Garagen oder auf Privatgrundstücken

„Unser Verteilnetz ist bereits heute gut auf den weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur vorbereitet und auch der Ökostrom steht ausreichend zur Verfügung. Damit kann sich die Elektromobilität in Bayerisch-Schwaben zügig weiter entwickeln“, kommentierte dazu LEW-Vorstandsmitglied Markus Litpher.

Und Martin Uhrig, Assetmanager für Mittel- und Niedrigspannungsnetze bei LVN und Leiter der Prognosestudie ergänzt: „Wir sorgen dafür, dass die Ladestationen zuverlässig an das Netz angeschlossen werden können. Denn der Anteil der Elektrofahrzeuge wächst stark. Wir rechnen damit, dass über 85 Prozent der neuen Ladepunkte in Garagen oder auf Privatgrundstücken eingerichtet werden – zumal es für Hausbesitzer dafür inzwischen eine staatliche Förderung gibt. Hinzu kommen zahlreiche Ladepunkte, die in Tiefgaragen, Parkhäusern sowie auf Freiflächen von Bürogebäuden und Betrieben installiert werden. Wir gehen zudem davon aus, dass sich auch die öffentliche Ladeinfrastruktur im LVN-Netzgebiet vervielfachen wird.“

Annnahme: Bis 2030 sieben Millionen Stromer bundesweit

Ausgangspunkt der LVN-Studie ist die Annahme, dass Deutschland bei der Elektromobilität die Ziele der Bundesregierung erreicht. Demnach sollen bis zum Jahr 2030 deutschlandweit mindestens sieben Millionen Elektrofahrzeuge zugelassen sein. Um einschätzen zu können, wie sich diese bundesweite Entwicklung auf das LVN-Netzgebiet auswirkt, habe man zusätzliche und umfangreiche Analysen erstellen lassen.

Die E-Mobility Prognose "e-Prognosis" der Westenergie Netzservice bildet die Basis der Studie. Sie verknüpft eine Vielzahl an sozioökonomischen Daten von den Kommunen, von statistischen Ämtern und Marktforschungsinstituten.

Detailanalysen bis in die Gemeinden hinein

Die Prognosedaten habe man durch Fachleute von LVN und Westnetz ortsgenau zugeordnet, sodass die Werte für weitere Analysen genutzt werden können, teilte der Regionalversorger mit.

Anhand dieser Datenbasis könne man nun sehr detailliert prognostizieren, welche Anforderungen der erwartete Boom der Elektromobilität an die lokalen Netze stelle und entsprechende intelligente Ausbaukonzepte entwickeln.

Hotspots beim Ausbau der Ladeinfrastruktur

Besonders hohe Anforderungen müssendie Verteilnetze in den Städten erfüllen: Größter Hotspot ist der Ballungsraum Augsburg. Hier werden 2030 laut Prognose allein im Stadtgebiet rund 20.000 Ladepunkte im privaten, halb-öffentlichen und öffentlichen Bereich erwartet.

In den Nachbarstädten Neusäß, Friedberg und Königsbrunn werden es laut Prognose drei- bis fünftauend. Weitere Hotspots beim Ausbau der Ladeinfrastruktur sind die Städte Neu-Ulm und Kempten im Allgäu mit 5.000 und 5.500 Lademöglichkeiten bis 2030. Für Donauwörth, Landsberg am Lech, Memmingen und Kaufbeuren prognostiziert die Studie je Stadt zwischen 2.500 und 5.000 Ladepunkte.

Höchste Netzbelastung wird in den Abendstunden erwartet

Neben der Entwicklung der Ladeinfrastruktur zeige die LVN-Studie auch einen Ausblick, wann Fahrzeuge geladen und wie nachhaltig die Elektrofahrzeuge der Region in zehn Jahren unterwegs sein werden. So wird demnach die elektrische Leistung der Ladeinfrastruktur etwa 15 Prozent der regionalen Erzeugungsleistung aus erneuerbaren Quellen betragen.

„Die höchste zusätzliche Netzbelastung erwarten wir in den Abendstunden, wenn viele Elektrofahrzeuge am Abstellort zuhause ans Netz gehen. Die gleichzeitig abgerufene Ladeleistung berechnen wir für unser Netzgebiet dann auf maximal 475 MW", sagt Martin Uhrig, Assetmanager für Mittel- und Niedrigspannungsnetze bei LVN und Leiter der Prognosestudie.  Darauf sei das LEW-Netz bereits ausgelegt.

Ausbaubedarf auf den letzten Metern

Zusätzlichen Ausbaubedarf sehen man punktuell noch auf den letzten Metern des Verteilnetzes. Zum Beispiel, wenn entlang eines Straßenzuges bald besonders viele neue Elektromobilisten wohnen. "Auch deshalb investieren wir weiter in Ausbau und Modernisierung unserer Netzinfrastruktur. Pro Jahr in einem Umfang von rund 80 Millionen Euro. Die Netze entlasten könnten künftig auch intelligente Lademanagement-Systeme, die Lastspitzen kappen und für eine bessere Verteilung des Verbrauchs sorgen“, so Uhrig

In städtischen Gebieten wie Augsburg, Neu-Ulm, Kaufbeuren oder Landsberg am Lech ist der Anteil hingegen deutlich höher. Hier steht weniger Fläche für dezentrale Anlagen zur Verfügung und die Ladeinfrastruktur ist dichter. Für eine klimafreundliche Energieversorgung der E-Fahrzeuge sei es daher auch essentiell, dass die Stromverteilnetze künftig mehr erneuerbare Energie aus der Fläche in die Städte transportieren und in den Städten mehr erneuerbare Energien zur Verfügung stehen.

Mehr Energie aus Erneuerbaren für Städte

Dass die regenerativen Energien nicht ausreichen, macht den LVN keine Sorge: „Die regenerativen Erzeugungsanlagen in unserer Region liefern heute – bilanziell gesehen – bereits rund 75 Prozent des gesamten Stromverbrauchs aller LVN-Netzkunden", sagt Assetmanager Uhrig. Für 2030 rechne man bei den erneuerbaren Energien mit einer maximalen Einspeiseleistung von rund 3.100 MW.

Die erwartete Ladeleistung der Elektrofahrzeuge liegt nach Prognose bei 475 MW. Die Leistung der erneuerbaren Energien in der Region könne die benötigte Ladeleistung also decken. Wenn man den Energiebedarf in der Region anschaue, ergebe sich ein ähnliches Bild: 2030 erwarten wir in der Region einen Gesamtenergiebedarf von rund 16.000 Gigawattstunden. Zum Laden von E-Fahrzeugen würden davon nur rund 5,5 Prozent benötigt. (sg)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper