Die Strombörse Epex Spot arbeitet die Preisturbulenzen Ende Juni auf. (Symbolbild)

Die Strombörse Epex Spot arbeitet die Preisturbulenzen Ende Juni auf. (Symbolbild)

Bild: © Epex Spot

Mehr als zwei Wochen nach den Preis-Turbulenzen an der Strombörse Epex Spot ist die Ursache bekannt. Ein fehlerhaftes Upgrade hat das technische Problem im Auktionshandelssystem ETS ausgelöst. In der Folge sei das Handelssystem für die Epex-Kunden nicht mehr zugänglich gewesen, heißt es in einem Börsendokument des Unternehmens. Nach der Rückabwicklung des Upgrades habe das System dann zu langsam gearbeitet, um "einen effektiven Zugang zu gewährleisten".

"Ich verstehe, dass Ihr Vertrauen in die Märkte durchgerüttelt worden sein könnte", schrieb Börsenchef Ralph Danielski am Mittwoch in einem Brief an die Epex-Marktteilnehmer. Er drückte sein Bedauern aus. Den Marktteilnehmern werde zugehört und in naher Zukunft sollten konkrete Verbesserungen eingeführt werden, versprach er.

Nachbesserung bei Fristen

Zum einen will die Epex Spot ihre Kommunikation überprüfen. "Wie können wir klarer und prägnant sein, selbst in unsicheren Situationen mit begrenzter Sichtbarkeit, und zwar für alle beteiligten Akteure?", heißt es in dem Brief. Die schlechte Kommunikation der Börse über den Vorfall war vielfach kritisert worden.

Zudem sollen mögliche Notfallverfahren ausgearbeitet werden. Auch bei den Fristen für Day-Ahead-Auktionen soll nachgebessert werden. Dies betreffe vor allem die sogenannte Core-Region, die unter anderem Frankreich, Deutschland und Polen umfasst. So will die Epex Spot feststellen, ob die strengen Zeitvorgaben für Day-Ahead-Auktionen gelockert werden können, um weitere Marktentkopplungen zu verhindern.

Kopplung mit anderen Börsen

Danielski nannte die Auktionsfahrpläne und die dazu gehörigen Fristen in der Core-Region "besonders herausfordernd". Es sei davon auszugehen, dass die Komplexität im Marktdesign und der damit verbundenen Berechnungsprozesse weiter ansteige. Während für Mitteleuropa der Gebotsschluss in der Day-Ahead-Auktion im Regelfall bereits mittags ist, haben Bietende in der nordischen Region etwa noch bis 20 Uhr Zeit.

Am 25. Juni war es nach dem technischen Fehler zu einer Entkopplung der von der Epex Spot durchgeführten Auktion in Mittel- und Westeuropa von den üblichen Marktkopplungsabläufen mit anderen Kurzfristbörsen gekommen. Dadurch konnten die Epex-Auktionen in der Core-Region nicht mehr auf grenzüberschreitende Handelskapazitäten zugreifen.

Andere Preise bei Nord Pool und Exaa

Die Auswirkungen waren erheblich: Während Grundlast-Strom in Frankreich rund 3 Euro pro Megawattstunde (MWh) kostete, schnellte der Preis in Deutschland auf rund 492 Euro pro MWh hoch. Die Börsen Nord Pool und Exaa wiesen gleichzeitig in der gekoppelten Day-Ahead-Auktion einen Grundlastpreis von rund 103 Euro pro MWh für Deutschland aus.

Marktteilnehmer, die nicht auf andere Kurzfristbörsen, wie etwa Nord Pool, ausweichen konnten, mussten allerdings die hohen Preise an der Epex Spot bezahlen. Nach Recherchen der ZfK waren davon auch zahlreiche Stadtwerke betroffen. (jk)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper