Die Epex Spot ermöglicht nun auch in Polen Day-Ahead-Handel.

Die Epex Spot ermöglicht nun auch in Polen Day-Ahead-Handel.

Bild: © Arne Dedert/dpa

Auch Tage nach dem technischen Fehler bei der Strombörse Epex Spot, der zu Preisspitzen über 2000 Euro pro Megawattstunde (MWh) führte, hält die Aufarbeitung an. Zwar läuft der Day-Ahead-Markt inzwischen wieder normal, doch mittlerweile zeigt sich, welche Auswirkungen der Vorfall hatte. Auch für Energieversorger.

"Das hat sicherlich viele Stadtwerke betroffen, die an dem Tag Netto-Käufer waren“, sagt Alexander Teichert, Bereichsleiter Energiehandel bei den Stadtwerken Leipzig. Er geht davon aus, dass einige Unternehmen an dem Tag umlimitierte Gebote in die Day-Ahead-Auktion gegeben hatten, um ihre offenen Positionen zu schließen und auch zu den Höchstpreisen eingekauft haben.

Ausweichen auf andere Börsen

"Wer sich während der Preisspitzen am Day-Ahead-Markt eindecken musste, für den wurde es teuer", sagt auch Tobias Federico, Geschäftsführer von Energy Brainpool. Marktteilnehmer mit Zugang zu anderen Börsen, etwa der österreichischen Strombörse EXAA oder dem Epex-Konkurrenten Nord Pool, hätten auf diese alternativen Marktplätze ausweichen können, um sich dort mit Strom einzudecken.

Auch die Intra-Day-Auktionen wiesen zu jeder Zeit ein normales Preisniveau auf. "Wer allerdings auf die Day-Ahead-Auktion bei der Epex Spot angewiesen war, der hatte keine andere Wahl." Der Marktzugang zu anderen Börsenplätzen ist zudem mit zusätzlichen Kosten verbunden.

Nettokäufer haben Nachsehen

Für Marktteilnehmer war es schwer, sich für den Vorfall zu wappnen. "Im Normalfall hat man gute Preis-Prognosen und richtet sein Gebotsverhalten und die vorhandenen Erzeugerkapazitäten danach aus", führt Teichert von den Stadtwerken Leipzig aus. "Hier handelt es sich aber um eine Marktverzerrung vonseiten der EPEX, da die vorhandenen europäischen Grenzkapazitäten nicht berücksichtigt wurden und somit ein Auktionsergebnis entstanden ist, dass die physische Realität im europäischen Gesamtmarkt nicht widerspiegelt."

Die Auswirkungen waren dabei in jedem Land unterschiedlich. In Deutschland seien Nettokäufer schlechter gestellt worden, während Nettoverkäufer profitiert hätten. In Ländern mit überschüssigem Stromangebot wie in Frankreich sei es andersherum gewesen. In Deutschland kostete die MWh am Ende rund 492 Euro, in Frankreich waren es hingegen nur rund 3 Euro.

Vier Euro mehr

Die Preiskapriolen zwangen derweil auch die Anbieter von dynamischen Tarifen dazu, Stellung zu nehmen. Der Hamburger Energieversorger Rabot Charge beziffert die Mehrkosten wegen des Vorfalls für einen durchschnittlichen 3-Personen-Haushalt mit einem Vebrauch von 3500 kWh auf etwa vier Euro.

Anbieter wie Tibber oder Rabot Charge hatten ihre Kunden bereits am Montag über die Preisprognosen informiert. Zum anderen verschoben sie große Stromverbräuche wie das Laden von E-Autos automatisiert in Niedrigpreisphasen. "Nennenswerte Stromverbräuche sind damit von solchen Preisspitzen gar nicht erst betroffen", sagt Rabot-Charge-CEO Jan Rabe.

Stahlwerk schaltet ab

Für einige Gewerbe- und Industriekunden dürfte der Vorfall hingegen bittere Konsequenzen gehabt haben. Das "Handelsblatt" berichtete von einem Stahlwerk in Riesa bei Dresden, das die Produktion für einen Tag aussetzen musste.

Die Megawattstunde hätte ihn in der Spitze etwa zehnmal so viel gekostet wie gewöhnlich. Die Abschaltung sei für das Unternehmen beispiellos gewesen, hätte aber Schlimmeres verhindert. Es war von Fixkosten im sechsstelligen Bereich die Rede. Durch die hohen Preise wäre aber ein siebenstelliger Schaden entstanden, hätte sich das Stahlwerk für die Stromabnahme entschieden.

Korrekte Preisfindung

Offen ist weiterhin, ob der Fehler ein juristisches Nachspiel hat. Die Epex Spot verwies in einem Statement am Mittwoch darauf, dass die Preisfindung im Day-Ahead-Markt "korrekt gemäß Angebot und Nachfrage auf den Teilmärkten erfolgt" sei. Der Handel sei "entsprechend der Regeln für die derartige Markt-Kopplung" verlaufen.

Kritiker bemängeln vor allem die Kommunikation von Epex. Bei früheren Pannen seien Marktteilnehmer im Vorfeld informiert worden und hätten ihre Gebote noch anpassen können. Das sei diesmal nicht geschehen, hieß es von mehreren Händlern.

Tendenz für die Zukunft

Für Energy-Brainpool-Chef Federico zeigt der Vorfall, dass starke Preisschwankungen in Zukunft häufiger auftreten könnten. Etwa, wenn sich Deutschland im Jahr 2038 von den letzten Kohlekraftwerken verabschiedet. "Wenn wir in Zukunft immer weniger flexible Kraftwerke haben, könnten solche Preis-Spreads normal werden, je nach Verfügbarkeit von Speichern und Wasserstoff-Kraftwerken."

Die Ausschläge seien zwar besonders extrem ausgefallen, könnten aber in der Tendenz einen Ausblick auf die Zukunft geben. "Die Extrempreise am Dienstag haben sich an der PV-Produktionskurve orientiert, mit den höchsten Preisen morgens und abends. Dazwischen waren die Preise auf einem normalen Niveau", resümiert Federico. (jk)

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