Die Solar- und Speicherbranche in Deutschland steht an einem kritischen Punkt. Ausbauziele für erneuerbare Energien sind klar, doch regulatorische Unsicherheiten, steigende Netzanschlusskosten und physikalische Grenzen der Netze erschweren neue Projekte. Auf der E-World 2026 zeigten sich die Projektierer Pfalzwerke und Tauber Solar vorsichtig optimistisch – mit klaren Strategien, um weiterhin zu investieren und innovative Projekte umzusetzen.
"Wir fahren auf Sicht", beschreibt Alexander Häge, Bereichsleiter Strategie bei den Pfalzwerken, die aktuelle Lage. Max Lutz, Bereichsleiter Marktservices und Erzeugung, ergänzt: "Viele Business-Cases haben sich verändert. Der Wert einer Anlage liegt heute weniger in der kWh per se, sondern darin, wo und wann sie ins System eingespeist wird."
Die sogenannte Cowboy-Mentalität im Speichermarkt sowie unrealistisch hohe Grundstückspreise werden sich nicht halten.
Kaum noch Projekte ohne Speicher
Ein zentrales Wachstumsfeld ist der Einsatz von Batteriespeichern. Vor allem Projekte im Segment von 10 bis 20 Megawatt werden fast immer mit Speicher geplant. Auch Behind-the-Meter-Lösungen für Industrie- und Gewerbekunden gewinnen an Bedeutung: "Wir kennen die Verbrauchsprofile unserer Kunden und können Flexibilität dezentral ermöglichen", so Lutz.
Herausforderungen bleiben: Steigende Netzanschlusskosten, langwierige Genehmigungsverfahren und drohende zusätzliche Engpasszonen könnten Projekte verzögern oder verhindern. "Wir benötigen langfristig stabile regulatorische Rahmenbedingungen für Investitionssicherheit", betont Häge.
Zugleich erwartet das Unternehmen eine Marktbereinigung. "Die sogenannte Cowboy-Mentalität im Speichermarkt sowie unrealistisch hohe Grundstückspreise werden sich nicht halten", sagt Lutz. Qualität, solide Kalkulation und Diversifikation verschiedener Speichertypen werden künftig entscheidend sein.
Photovoltaik allein reicht nicht mehr
Das bestätigt auch der Projektierer Tauber Solar. "Reines PV ist Commodity geworden", sagt Geschäftsführer Arne Weinig. "Kunden fragen zunehmend nach ganzheitlichen Energielösungen." Die einfachen Projekte seien weitgehend umgesetzt, neue Dachanlagen erfordern oft komplexe Lösungen wegen Statik oder Alter der Gebäude.
Auch Tauber Solar setzt auf Speicher, allerdings mit Augenmaß: "Wir planen Speicher von Anfang an mit, aber nur dort, wo Projekte wirtschaftlich und regulatorisch umsetzbar sind", erklärt Weinig. Co-Location-Konzepte mit PV- oder Windanlagen gewinnen an Bedeutung.
Stadtwerke als strategische Partner
Anders als oft dargestellt, sieht Tauber Solar Stadtwerke dabei nicht als Bremser, sondern als entscheidende Partner – insbesondere für Gewerbe- und Industriekunden. Dies umfasst EPC-Modelle (Engineering, Procurement, Construction), Co-Investitionen und projektbezogene Zusammenarbeit bis hin zu Mittel- und Hochspannung.
Ein konkretes Beispiel ist das Wasserstoffprojekt in Wertheim: Hier ist Tauber Solar Juniorpartner der Projektentwicklungsgesellschaft H2 Main Tauber GmbH. Die Stadtwerke Wertheim und Tauberfranken bringen Infrastruktur, Abnehmer und Fördermittel ein, Tauber Solar die Erfahrung mit erneuerbaren Energien, PV- und Speicherintegration. Weinig betont: "Ohne solche Kooperationen wäre das Projekt in der aktuellen regulatorischen Landschaft kaum umsetzbar."
Baukostenzuschüsse steigen, Netzanschlüsse sind begrenzt – Investitionsentscheidungen werden zunehmend riskanter.
Regulierung und Netze bremsen
Beide Unternehmen kritisieren die Planbarkeit von Netzanschlüssen. Lutz weist auf das Ende des "Windhundprinzips" beim Speicheranschluss hin: "Es braucht intelligentere Modelle, sonst werden Projekte nicht umgesetzt." Weinig ergänzt: "Baukostenzuschüsse steigen, Netzanschlüsse sind begrenzt – Investitionsentscheidungen werden zunehmend riskanter."
Die volatile Strompreissituation verschärft die Lage. Speicher sind nicht automatisch wirtschaftlich, helfen aber, Negativpreise abzufedern und Flexibilität zu schaffen. Eigenverbrauch bleibt attraktiv, doch die Netze stoßen zunehmend an physikalische Grenzen.
Besonders kritisch ist für Weinig der Wegfall von Entschädigungen für abgeregelte Strommengen, wie sie im geleakten Netzanschlusspaket aus dem Bundeswirtschaftsministerium vorgesehen sind: "Manchmal muss man sich fragen, ob man in Deutschland den Ausbau der Erneuerbaren wirklich noch will."





