Trotz der zunehmenden Einspeisung von Erneuerbaren-Anlagen macht sich der intensive Netzausbau von Mitnetz Strom bemerkbar.

Trotz der zunehmenden Einspeisung von Erneuerbaren-Anlagen macht sich der intensive Netzausbau von Mitnetz Strom bemerkbar.

Bild: © your123/AdobeStock

Da der Strompreis aufgrund des deutschen Energiemix noch stark von den Gaspreisen abhängig ist, werden die durchschnittlichen Notierungen am Großhandelsmarkt in den nächsten Jahren deutlicher höher liegen als noch 2019/2020. Das ist die Grundaussage einer Studie der Schweizer Prognos AG im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw).

Obwohl ab dem Jahr 2024 ein Rückgang zu verzeichnen sei, lägen die Preise auch mittel- und langfristig auf einem höheren Niveau als bisher, heißt es in der bis zum Jahr 2040 reichenden Prognose. In die Vorausschau seien auch Annahmen zum Ausbau der erneuerbaren Energien und anderer Energieträger sowie zur Entwicklung des CO2-Preises eingeflossen.

Der Prognose wurden drei Szenarien hinsichtlich der Versorgung mit russischem Erdgas zugrunde gelegt. Bei einem abrupten Lieferstopp von russischem Gas (oberer Preispfad) steigt demnach der Durchschnittsstrompreis im Jahr 2023 aufgrund der hohen Gaspreise auf über 500 Euro pro Megawattstunde (MWh) an und sinkt dann bis 2028 wieder deutlich ab. Im Jahr 2030 liege der Preis bei 98 Euro pro MWh und falle bis 2040 auf rund 80 Euro pro MWh zurück. Zum Vergleich: 2019 lag der durchschnittliche Großhandelsstrompreis bei rund 38 Euro.

Szenario mit moderatem Rückgang

Da die Gaslieferungen durch Nord Stream 1 von russischer Seite nicht wieder aufgenommen wurden, entspreche dieses Szenario der aktuellen Situation, heißt es in der Mitteilung des vbw vom Mittwoch. Zum Vergleich wurde auch ein Szenario mit moderatem Rückgang von russischem Gas (mittlerer Preispfad) und ein Szenario mit Gaslieferungen wie vor der Krise (niedriger Preispfad) gerechnet.

Beim mittleren Strompreispfad verbleibt der Preis nach den Berechnungen der Schweizer Forscher für 2023 mit 189 Euro pro MWh im Jahresdurchschnitt auf vergleichbar hohem Niveau wie 2022 und sinkt dann bis 2040 auf rund 70 Euro/MWh. Der untere Strompreispfad fällt 2023 bereits auf 104 MWh ab und bis 2040 geht der Preis auf 57 Euro/MWh zurück.

Neuer Vorschlag zur Merit-Order

„Der angespannte Gasmarkt führt bis mindestens 2027 zu deutlich höheren Kosten für Strom“, wird vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt in der Mitteilung zitiert. Als ein Instrument gegen die Entwicklung schlägt die Vereinigung vor, dass die Grenzkosten von Gaskraftwerken in der Merit-Order übergangsweise nicht mehr preisbestimmend berücksichtigt werden sollen. Den Preis solle vielmehr die zweitteuerste Erzeugungsvariante vorgeben. Auch müsse die günstige Erzeugung aus erneuerbaren Energien stärker auf den Strompreis durchschlagen. (hil)

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