Gerade das Geschäft mit privaten PV-Anlagen steht in den kommenden Jahren vor einem Umbruch. (Symbolbild)

Gerade das Geschäft mit privaten PV-Anlagen steht in den kommenden Jahren vor einem Umbruch. (Symbolbild)

Bild: © OFC Pictures/AdobeStock

Der deutsche Solarmarkt steht 2026 nach zwei außergewöhnlich starken Jahren vor einer ungewissen Zeit. "Ich gehe von einem normalen Jahr 2026 aus", sagt Peter Knuth, Gründer und Geschäftsführer des deutschlandweit aktiven Solaranbieters Enerix und Vorsitzender des Bundesverbandes des Solarhandwerks (BDSH). Nach den Rekordzuwächsen 2022 bis 2024, als Privathaushalte verstärkt auf Photovoltaik setzten, stehen nun politische Unsicherheiten, veränderte Vergütungsmodelle und ein verschobener Kundentakt im Fokus.

Ein zentrales Thema bleibt die Einspeisevergütung. Zwar sieht Knuth die politische Reform des Erneuerbare‑Energien‑Gesetzes (EEG) eher 2027 kommen, doch bereits heute sorgt die Diskussion um ein mögliches Ende der klassischen Vergütung für Verunsicherung bei Kunden. Die Bundesregierung plant, die feste Einspeisevergütung für neue kleine PV‑Dachanlagen abzuschaffen und stattdessen auf Direktvermarktung und Eigenverbrauch zu setzen – ein Schritt, der ohne verlässliche Rahmenbedingungen Dämpfer für weite Teile der Energiewende bedeuten könnte.

Einfamilienhaus-Segment schwächelt

Dass der Boom abgeflaut ist, untermauern diese Zahlen: Der Zubau privater Anlagen lag 2025 rund 30 Prozent unter dem Vorjahresniveau, besonders im Einfamilienhaus‑Segment. Gleichzeitig gewinnen größere Freiflächen‑ und Gewerbeanlagen an Bedeutung. Knuth bestätigt: "Wir können jetzt nicht mehr von den Absatzzahlen ausgehen, die wir in den Boomjahren hatten."

Nach Winterpause und langen Monaten mit Schnee auf den Dächern ist das erste Quartal traditionell ohnehin eher ruhig. Strompreis‑Anstiege, die Kunden früher motivierten, bleiben im laufenden Jahr zudem bislang aus, was die Nachfrage weiter dämpft. "Der Markt normalisiert sich", konstatiert der Solarunternehmer.

Eigenverbrauch und Speicher werden wichtiger

Im Zentrum der aktuellen Nachfrage stehen zunehmend integrierte Lösungen. Enerix, wie andere Solarunternehmen auch, hat sein Angebot schon vor einiger Zeit erweitert: Weg von reiner PV‑Installation, hin zu ganzheitlichen Smart‑Home‑Energiemanagementsystemen mit Wärmepumpe und Batteriespeicher.

Damit lässt sich der Eigenverbrauch steigern, was laut dem auf Solarenergie spezialisierten Fraunhofer-Institut ISE auch ein gesamtgesellschaftlicher Trend ist: Die selbst genutzte Solarenergie steigt kontinuierlich, da die Vergütungssätze im Vergleich zum Bezugspreis weniger attraktiv sind. Hinzu kommt das Stromspitzengesetz, nach dem neue Anlagen bei negativen Börsenpreisen keine Einspeisevergütung mehr erhalten.

Knuth beobachtet zudem, dass bei Enerix wie im Markt insgesamt nahezu keine PV‑Anlage mehr ohne Speicher verkauft wird. Viele Bestandskunden rüsten ältere Anlagen nach: "Mittlerweile rüsten viele nach." Das Zusammenspiel mit Wärmepumpen und Elektromobilität gewinnt ebenfalls an Bedeutung. Rund 25 Prozent der bei Enerix installierten Solarsysteme werden inzwischen mit Wallboxen kombiniert, eine Quote, die den Trend zur Sektorenkopplung unterstreicht.

Auch die Anbieterlandschaft verändert sich: Viele kleine Installateure werden dem Preisdruck nicht standhalten, erwartet Knuth. Der Markt konsolidiere sich weiter, mit Unternehmen, die umfassende Dienstleistungen für Eigenverbrauch, Energiespeicherung und Smart‑Home‑Integration anbieten.

"Wer einmal sieht, wie viel Steuerung nötig ist, um wirklich zu sparen, denkt zweimal nach."

Zweifel bei dynamischen Stromtarifen

Bei dynamischen Stromtarifen und Smart-Meter-Lösungen zeigt sich der Branchenvertreter dagegen eher skeptisch. "Wir bieten unseren Kunden unterschiedliche Tarife an, aber das Geschäft ist aktuell überschaubar."

Sein Argument: Die Vorteile seien oft marginal, der Aufwand für den Kunden hoch, und viele wüssten die Technik nicht optimal zu nutzen. "Wer einmal sieht, wie viel Steuerung nötig ist, um wirklich zu sparen, denkt zweimal nach. Für viele ist es eher ein Zusatzangebot als ein entscheidender Kaufgrund."

Klarheit bei Förderung

Politisch sieht Knuth derzeit dringenden Bedarf an klareren Rahmenbedingungen. Die andauernde Debatte um Vergütung, Smart‑Meter‑Pflichten und negative Strompreise verunsichere Verbraucher. Von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) fordert er deshalb rasche Klarheit, damit der Solarausbau nicht ausgebremst wird.

Mit einem ersten Entwurf aus dem Bundeswirtschaftsministerium zur Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wird in den kommenden Wochen gerechnet. Die Solarbranche dürften dann einen genauen Blick auf das Papier werfen. Auch Branchenverbände wie der auf Erneuerbare spezialisierte BEE hatten zuletzt gewarnt, dass trotz sinkender Vergütungen ein massiver Ausbau der Photovoltaik nötig bleibt, um die gesetzlich verankerten Ziele für 2030 zu erreichen.

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