Der jüngste Marktausblick des Solarverbandes BSW-Solar zeichnet ein geteiltes Bild: Während der Bestand an Photovoltaikanlagen (PV) in Privathaushalten seit 2020 auf derzeit rund 4,1 Millionen Systeme stark gewachsen ist, wurde im laufenden Jahr ein deutlicher Einbruch bei Neuinstallationen sichtbar.
Laut BSW Solar liegt der Zubau im Eigenheim-Segment bislang rund 28 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig sieht darin einen "Dämpfer für weite Teile der Energiewende" und warnt vor einer weiteren Verschlechterung der Rahmenbedingungen.
Debatte um Einspeisevergütung
Zuletzt hatten Zahlen aus Nordrhein-Westfalen bereits den bundesweiten Trend angedeutet: Auch dort rechnet der Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) für 2025 mit einem Rückgang des PV-Zubaus um 20 bis 30 Prozent – trotz eines insgesamt hohen Ausbauniveaus. LEE-NRW-Geschäftsführer Christian Vossler wollte dennoch keinen Grund zur Besorgnis sehen und verwies auf eine gewisse Marktsättigung im privaten Dachsegment.
Dennoch dürfte auch die politische Debatte um die Einspeisevergütung derzeit für Unsicherheit sorgen. Forderungen nach einer Abschaffung oder deutlichen Abschmelzung des Modells stoßen in der Branche auf Kritik. Verbände wie der BSW Solar warnen, dass private Investoren ohne verlässliche Vergütungssätze zurückhaltender würden – gerade in einem Markt, der sich nach zwei Boomjahren abkühlt.
Während die Bundesregierung verstärkt auf Eigenverbrauch und flexible Verbraucher setzt, gilt die Einspeisevergütung weiterhin als wichtiges Sicherheitsnetz, insbesondere für jene Haushalte, die nicht alle Potenziale intelligenter Steuerung ausschöpfen können.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte wiederholt bekräftigt, dass sie die Solarförderung für kleine Photovoltaik-Dachanlagen streichen will. Nach aktuellen Einschätzungen ist im ersten Quartal 2026 mit dem Entwurf einer EEG-Novelle zu rechnen, wo die neue Regelung enthalten sein könnte.
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Kleinsegment größtes Sorgenkind
Eine Analyse des Bundesverbandes des Solarhandwerks (BDSH) hatte bereits im Oktober gezeigt, dass sich im PV-Markt gerade ein struktureller Wandel vollzieht. So hatte sich zwischen den Sommermonaten 2024 und 2025 der Zubau kleiner und mittlerer Anlagen mit weniger als 100 Kilowatt (kW) Leistung nahezu halbiert.
Der Großanlagensektor mit über 1000 kW kompensiert diese Schwäche zwar temporär, sorgt aber gleichzeitig für starke Schwankungen im Monatsverlauf. Die Ausbauzahlen bleiben so zwar hoch, aber die Aufträge konzentrieren sich auf wenige Akteure. Das kleinteilige Dachgeschäft, das bisher das Rückgrat der Energiewende bildete, verliert demnach an Bedeutung.
PV als Kostentreiber oder Kostensenker?
Gleichzeitig liefert eine neue Kurzstudie der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin Entwarnung bei einem zentralen Streitpunkt: dem Netzausbau. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass zusätzliche Dach-PV die Stromnetze deutlich weniger beansprucht als vielfach angenommen.
Entscheidend sei das Zusammenspiel von Solaranlage, Speicher, Wärmepumpe und Elektroauto. Durch intelligentes Energiemanagement würden sowohl Erzeugungs- als auch Verbrauchsspitzen reduziert – ein Effekt, der die bestehende Netzinfrastruktur effizienter auslastet und weiteren Netzausbau sogar verringern kann.
BSW-Hauptgeschäftsführer Körnig betont, dass heute bereits 80 Prozent der privaten PV-Anlagen mit Batteriespeichern kombiniert werden. Zudem würden 40 Prozent der Installationen zusammen mit Wärmepumpen oder E-Autos realisiert. "Das Dream-Team aus Solaranlage, Speicher, Wärmepumpe und E-Auto wird immer mehr zum Standard", so Körnig. Diese Kombination sei ein Kostensenker für Haushalte und ein Stabilitätsfaktor für das Energiesystem.
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