Batteriespeicher sind wichtig, müssen sich aber in ein Energiesystem einfügen, dass immer stärker von Engpässen geprägt ist.

Batteriespeicher sind wichtig, müssen sich aber in ein Energiesystem einfügen, dass immer stärker von Engpässen geprägt ist.

Bild: © phonlaimaiphoto/AdobeStock

Die Zahl der Netzanschlussanträge für Großbatteriespeicher steigt in Deutschland rasant. Nach einer aktuellen Umfrage des BDEW bei Übertragungsnetzbetreibern und 17 großen Verteilnetzbetreibern liegen derzeit Anfragen für Anlagen mit einer Gesamtleistung von über 720 Gigawatt vor. Zum Vergleich: Die gesamte installierte Erzeugungsleistung in Deutschland beträgt aktuell rund 263 Gigawatt.

Bereits zugesagte Anschlüsse summieren sich auf mindestens 78 Gigawatt – ein Wert, der die im Szenariorahmen des Netzentwicklungsplans für 2037 und 2045 vorgesehenen Kapazitäten bereits übertrifft. Die Dimension dieser Entwicklung verdeutlicht den Handlungsdruck, heißt es beim Energieverband. Es müsse sichergestellt werden, dass auch andere Netzkunden zu ihrem Recht kommen. 

Angefragte Leistung beim Neunfachen heutiger Jahreshöchstlast

Die angefragte Leistung entspricht dem Neunfachen der heutigen Jahreshöchstlast der Übertragungsnetze. Netzkapazität wird laut BDEW damit zu einem knappen Gut, insbesondere in den hohen und mittleren Spannungsebenen. Dort konkurrieren Speicherprojekte mit Großverbrauchern wie Rechenzentren, Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur und Industrie. Speichertechnologien gelten als unverzichtbar für die Energiewende, da sie Lastspitzen glätten und die Versorgungssicherheit erhöhen. "Dennoch müssen sie sich in ein Gesamtsystem einfügen, das zunehmend durch Engpässe geprägt ist", gibt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, zu bedenken.

Politik und Regulierung stehen vor der Aufgabe, zeitnah neue Rahmenbedingungen zu schaffen, heißt es beim BDEW. Der Verband fordert eine Anpassung der Kraftwerksnetzanschlussverordnung (KraftNAV), um Großbatteriespeicher ab 100 Megawatt künftig auszunehmen. Pumpspeicherkraftwerke sollen weiterhin unter die Verordnung fallen. Darüber hinaus müssen transparente Verfahren etabliert werden, die die Knappheitssituation berücksichtigen. Das bisherige First-come-first-served-Prinzip stoße an Grenzen, wenn die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigt.

Vom BDEW in die Diskussion gebracht werden volkswirtschaftlich orientierte Vergabekriterien, flexible Netzanschlussvereinbarungen und Reservierungsmodelle. Auch Überbauung könne eine Rolle spielen, um die Nutzung vorhandener Kapazitäten zu optimieren. Der BDEW arbeitet nach eigenen Angaben an einem Instrumentenmix, der den Hochlauf neuer Technologien ermöglicht und gleichzeitig einen effizienten Umgang mit Netzrestriktionen sicherstellt.

Die Diskussion hatte jüngst unter dem Stichwort "Phantomspeicher" massiv Fahrt aufgenommen, weil Im Gebiet des Übertragungsnetzbetreibers Amprion nach dessen Angaben zuletzt 65 Prozent der Projekte nicht umgesetzt werden. Das Unternehmen hat daher seit einigen Monaten eine Bearbeitungsgebühr von 50.000 Euro pro Netzanschlussantrag (Planungsauftrag) eingeführt. Auch Tennet erhebt diese Gebühr mittlerweile . Gegenüber der ZfK teilt Tennet mit: "Jeder Antrag, der nur als unverbindlicher Testballon gestellt wird und dadurch einen potenziellen Netzanschlussplatz blockiert, ist einer zu viel. Solche doppelten oder dreifachen Anfragen führen zu erheblichem technischem Prüfaufwand und binden Ressourcen, die wir eigentlich auf Projekte mit realer Umsetzungsabsicht konzentrieren möchten."

Der bestehende Regulierungsrahmen sei für die heutigen Volumina an Batteriespeicheranträgen nicht ausgelegt, so Tennet. Die Zahl der Anträge sei in kürzester Zeit massiv angestiegen, während freie Schaltfelder nur begrenzt verfügbar sind. Würde für Speicher weiterhin strikt das "first come, first served"-Prinzip der KraftNAV gelten, müssten alle vorliegenden Anträge in engen Fristen abgearbeitet werden – mit irreversiblen Lock-in-Effekten, die Anschlusskapazitäten über viele Jahre blockieren würden.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper