Von Julian Korb, mit dpa
Besitzer privater Solaranlagen müssen teilweise monatelang auf ihre Einspeisevergütung warten. Das bestätigten Verbraucherschützer und Netzbetreiber mehrerer Bundesländer der Deutschen Presse-Agentur in einer Umfrage. Demnach gebe es teilweise erhebliche Probleme bei den Prozessen.
Zu verstärkten Beschwerden kommt es nach Angaben der Bundesnetzagentur dabei beim Dortmunder Unternehmen Westnetz. Hintergrund ist demnach eine größere IT-Umstellung. Gegen den Betreiber sei inzwischen ein Aufsichtsverfahren eröffnet worden, sagte eine Behördensprecherin. "Wir bitten vielmals um Entschuldigung für die längere Bearbeitungsdauer, die es bereits seit einiger Zeit gibt", heißt es auf der Internet-Startseite des Unternehmens.
Erneuerbare sollen Schuld sein
Die Eon-Tochter Westnetz ist nach eigenen Angaben Deutschlands größter Verteilnetzbetreiber. Das Netzgebiet umfasst Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen. Eine Sprecherin von Westnetz sprach von "längeren Bearbeitungszeiten" für einige Kundinnen und Kunden. Ursache seien unter anderem der Boom bei erneuerbaren Energien.
"Während Westnetz im Jahr 2021 rund 30.000 Anschlussanfragen für PV-Anlagen erreichten, waren es 2022 rund 70.000, 2023 dann mehr als 115.000", sagte die Sprecherin. 2024 habe sich die Nachfrage bei knapp 70.000 Anfragen wieder etwas normalisiert. Als weiteren Grund nannte sie Probleme bei der digitalen Umstellung der Kundensysteme. Die Situation solle so schnell wie möglich verbessert werden, unter anderem sei Personal aufgestockt worden.
Meiste Beschwerden in NRW
Die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen berichtete von 65 Beschwerden seit Jahresbeginn. "Fast alle Beschwerden konzentrieren sich auf einen Netzbetreiber, Westnetz", sagte Energieexperte Thomas Zwingmann in Düsseldorf. Kritisiert wurde demnach unter anderem mangelhafte Kommunikation. Auch in Rheinland-Pfalz verzeichnen Verbraucherschützer einen starken Anstieg der Beschwerden.
Eine Sprecherin der Bundesnetzagentur sagte, in den allermeisten Fällen klappe die Auszahlung gut und reibungslos. Es komme aber teilweise zu Verzögerungen, weil in den vergangenen Jahren so viele Anlagen hinzugekommen seien. Die Bundesnetzagentur sei im Austausch mit den betroffenen Netzbetreibern.
Vertragslage bei Anbietern komplex
Auch im Saarland müssen Solaranlagenbesitzer teilweise monatelang auf ihre Einspeisevergütung warten. "Verzögerungen bei der Einspeisevergütung sind hier seit vielen Monaten Thema in Beratungen", sagt Elke Nicolay von der Verbraucherzentrale Saarland. "In den hier vorliegenden Fällen kam es regelmäßig zu Verzögerungen von vielen Monaten."
In vielen Fällen zeige sich als Kernproblem, dass die jeweiligen Verantwortlichkeiten geklärt werden müssten. "Insbesondere bei Komplettpaketen ist die Vertragslage mit dem Anbieter komplex", so Nicolay weiter. "Demgemäß ist es nicht einfach, zu eruieren, wo der Fehler liegt." Die Verbraucherzentrale beobachte in vielen Fällen, dass der "Schwarze Peter" zwischen Anbieter, der häufig auch Messstellenbetreiber sei, und Netzbetreiber hin- und hergeschoben werde.
Ab August sinkt die Einspeisevergütung
Wer eine Solaranlage neu installiert, bekommt von August an weniger Geld für den Strom, den er ins Netz einspeist. Dann sinkt die staatliche Einspeisevergütung um ein Prozent. Aktuell liegt sie bei kleinen Anlagen noch bei 7,94 Cent pro Kilowattstunde, wenn nur ein Teil des erzeugten Stroms ins öffentliche Netz geht.
Bei Volleinspeisung sind es hingegen 12,60 Cent. Die endgültigen neuen Werte veröffentlicht die Bundesnetzagentur am 1. August.



