"Wir sind überwältigt, in welchem Maß sich die kommunale Familie spartenübergreifend gegenseitig unterstützt und welche Hilfsangebote vor Ort aktiviert wurden", sagt VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing.

"Wir sind überwältigt, in welchem Maß sich die kommunale Familie spartenübergreifend gegenseitig unterstützt und welche Hilfsangebote vor Ort aktiviert wurden", sagt VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing.

Bild: © VKU/Chaperon

Von Julian Korb

Mit einem Paukenschlag hat sich der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) an die künftige Bundesregierung gewandt. Es brauche nicht weniger als einen "Neustart für die Energiewende" in Deutschland. Kosteneffizienz soll nach Vorstellung des Stadtwerkeverbandes deutlich stärker in den Fokus rücken.

"Um den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken, die Akzeptanz für die Energiewende zu erhalten und die Klimaziele erreichen zu können, ist eine Nachjustierung mit Fokus auf Kosteneffizienz notwendig", sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing. Um Kosten zu senken, fordert der Verband unter anderem den Förderstopp von PV-Anlagen, die ihren Strom nicht direkt an der Börse vermarkten. Heißt: Die Einspeisevergütung für private Aufdachanlagen aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wäre dann Geschichte.

Förderung von Solaranlagen

Die Begründung: Neue Photovoltaikanlagen auf Dächern seien bereits jetzt ohne garantierte Einspeisevergütung und in Kombination mit Batteriespeichern wirtschaftlich. Überproduktionen dürften hingegen nicht mehr gefördert werden. "Solarstrom in der Mittagsspitze ist schon jetzt oft wertlos oder hat sogar einen negativen Wert", sagte Liebing. Die sogenannten Mittagsspitzen belasten dabei immer häufiger die Stromnetze.

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Auch die Förderung für das "missbrauchsanfällige" Segment Agri-Photovoltaik sowie die Innovationsausschreibung für Anlagenkombinationen mit Speichern sollen entfallen. Als Grund nennt der Verband die stark gefallenen Batteriekosten in den vergangenen Jahren.

Bei Ausschreibungen für Windkraftanlagen an Land wirbt der VKU zudem dafür, nur noch die besten 80 Prozent der Gebote zu bezuschlagen. So würde mehr Kostenwettbewerb hergestellt. Gleichzeitig müsse aber verhindert werden, dass sich das Nord-Süd-Gefälle beim Windausbau noch verstärke, heißt es.

Netz besser nutzen

Der Spitzenverband macht noch weitere Vorschläge für eine kostenenffiziente Energiewende. Um das vorhandene Stromnetz besser auszunutzen, sollen Windenergie- und Solaranlagen künftig möglichst hinter den Netzverknüpfungspunkten kombiniert und mit Speichern oder Elektrolyseuren ausgestattet werden. Auch Biomassanlagen sollten stärker flexibilisiert und auf solche "Strom-Hybridkraftwerke" ausgerichtet werden.

Wo dies nicht möglich sei, müsste die Leistung von Erneuerbaren-Anlagen stärker begrenzt werden, heißt es weiter. Und zwar auf 50 Prozent der Einspeiseleistung bei PV-Anlagen sowie auf 80 Prozent bei Windkraftanlagen. Allerdings sollen es auch individuelle Vereinbarungen mit Netzbetreibern vor Ort geben dürfen.

Weniger Offshore-Windkraft

Bei Offshore-Windanlagen regt der Energieverband an, die Ausbauziele von 70 Gigawatt auf 45 bis 50 GW zu verringern. Die Begründung: Die Turbinen würden sonst zu dicht beieinanderstehen und sogenannte Verschattungseffekten sorgten für weniger Effizienz.

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Hinzu kommen die überproportional hohen Kosten für die Netzanbindung von Windanlagen auf See, die etwa die Hälfte des gesamten Übertragungsnetzausbaus ausmachen. Laut VKU ließen sich durch weniger Offshore-Windkraft allein schon mindestens 100 Milliarden Euro einsparen. Noch größer wäre die Ersparnis, würde der Erdkabelvorrang bei Stromautobahnen gekippt. Dann würden die Kosten sogar um mehr als 200 Milliarden Euro sinken.

Steigende Netzentgelte

Als wichtiges Handlungsfeld für die künftige Bundesregierung betrachtet der VKU die hohen Netzentgelte. Um Bürger und Unternehmen vor weiter steigenden Netzentgelten zu schützen, sollen diese aus dem CO2-Preis abgefert und auf "Verursachungsgerechtigkeit" ausgerichtet werden. Heißt etwa: Die Betreiber etwa von Wind- und Solaranlagen sollen künftig Baukostenzuschüsse fürs Stromnetz zahlen. Bislang sind die Erneuerbaren von solchen Zahlungen ausgenommen.

Zukünftig sollten Netzentgelte außerdem stärker auf einen Grundpreis ausgerichtet sein und lokale Flexibilitätsoptionen berücksichtigen. So schwebt dem VKU eine "Freigrenze" ähnlich derjenigen aus § 14a Energiewirtschaftsgesetz von 4,2 Kilowatt vor. Wer mehr Leistung beansprucht und mehr Strom verbraucht oder einspeist, würde dann künftig stärker für die Finanzierung der Netzentgelte herangezogen.

Zudem fordert der Verband, die Stromsteuer auf das europarechtliche Minimum zu senken. Eine ähnliche Forderung hatte zuletzt auch der Energieverband BDEW aufgestellt. Eine alleinige Absenkung der Übertragungsnetzentgelte hält der VKU dagegen für unzureichend, da sie sich "auf der Niederspannungsebene nur sehr verdünnt im Endkundenpreis niederschlägt".

Mehr Förderung für Wärmewende

Mit Blick auf einen künftigen Kapazitätsmarkt spricht sich VKU-Chef Liebing dafür aus, dass der "systemische Nutzen der Kraft-Wärme-Kopplung" für die Strom- und Wärmewende künftig stärker zum Tragen kommen muss. Dazu soll das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) grundlegend überarbeitet und bis 2035 verlängert werden.

Bei der Wärmewende spielt der Ausbau der Fernwärme nach Vorstellung des Verbandes eine zentrale Rolle. "Indem sie die Erschließung zusätzlicher erneuerbarer und klimaneutraler Wärmequellen wie Geothermie oder unvermeidbare Abwärme ermöglicht, ist Fernwärme volkswirtschaftlich sehr kosteneffizient", so Liebing weiter. Bei Anschluss an Wärmenetze müssten Gebäude "nicht mehr auf höchste energetische Standards saniert" werden. Daher müsse die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) auf 3,5 Milliarden Euro pro Jahr aufgestockt werden.

Privates Kapital mobilisieren

Am Ziel eines 80-prozentigen Anteiles erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch hält der VKU allerdings fest. Auch die Energiewende selbst stellt der Verband nicht in Frage. "Zur Energiewende gibt es keine vertretbare Alternative", betonte Liebing. "Wir sind es nachkommenden Generationen und auch unserem Wirtschaftsstandort schuldig, klimaneutral zu werden und die Abkehr von fossilen Brennstoffen zu schaffen."

Zur Finanzierung der Energiewende setzt sich der VKU für die Errichtung eines Energiewendefonds ein, der privates Kapital mobilisiert. "Um das Chancen- und Risikoprofil für mögliche Investoren zu verbessern, sind staatliche Garantien und Bürgschaften geboten", unterstreicht der Verbandschef. "Der Fonds würde privates Kapital für die Energiewende mobilisieren."

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