Von Jürgen Walk
Das mobile Datenvolumen wächst und die 5G-Technik benötigt in den kommenden Jahren viele neue Standorte. Wenn Energieversorger bestehende Strommasten, Windanlagen oder Standorte für den Mobilfunkausbau zur Verfügung stellen, müssen weniger Mobilfunkmasten neu gebaut werden. Ob das ein interessantes Geschäftsfeld für die Energiewirtschaft ist, hat der Branchenverband BDEW durch die Berater von WIK-Consult untersuchen lassen.
"Die Studie zeigt, welches ungenutzte Potenzial in der vorhandenen Infrastruktur der Energieversorger steckt", lässt sich BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae zitieren. Der Mobilfunkausbau könne schneller, effizienter und ökologisch verantwortungsvoller erfolgen, wenn die Antennen verstärkt etwa an bestehende Windkraftanlagen oder Strommasten angebracht werden. Damit entfalle die Notwendigkeit, Funkmasten neu zu bauen. Gerade in ländlichen Gebieten sei das ein echter Fortschritt: "Wir sparen Zeit, Kosten und Ressourcen – und schützen zugleich Natur und Umwelt", so Andreae.
Es gibt nur drei Funkturmbauer
Ein Aspekt dabei, den zwar die Studie, nicht aber die Pressemitteilung erwähnt: Allgemein ist eine Verengung des Marktes bei der Errichtung von Mobilfunkinfrastrukturen zu sehen. In Deutschland beschränke sich der Markt im Wesentlichen auf drei Funkturmgesellschaften, wovon zwei noch gesellschaftsrechtlich mit jeweils einem Mobilfunknetzbetreiber oder der Muttergesellschaft verbunden sind.
Der Bericht zeigt dabei auch die Herausforderungen der klassischen Funkturm-Bauer: Auf der Suche nach geeigneten Standorten zeigen sich wachsende Schwierigkeiten – sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. In den Ballungsgebieten sind das vor allem Regelungen zum Gesundheitsschutz und zur elektromagnetischen Strahlung. Auch ist in den Städten die Bereitschaft zur Vermietung von Dachflächen teilweise nicht vorhanden.
Hohe Mieten am Land
In ländlichen Regionen wiederum kämpfen die Funkturmgesellschaften oft mit hohen Mietpreisen für Liegenschaften. Des Weiteren steigen die Kosten für einen Mobilfunkstandort, wenn erst die
Stromversorgung des neuen Standorts realisiert werden muss.
Für Energieversorger sind diese Schwierigkeiten in der Regel lösbar. Da ihre Infrastrukturen meist über Strom und teilweise über eine Glasfaseranbindungen verfügen, fallen bei der Nutzung ihrer Infrastrukturen wesentliche Kostenbestandteile gar nicht mehr an. Damit sind solche Standorte nicht nur günstiger, sondern auch schneller zu realisieren.
Berechnungen der Studie ergeben jedenfalls, dass mehr als 40 Prozent der (unversorgten) "weißen" und (wenig versorgten) "grauen" Flecken in Deutschland durch die Errichtung von Mobilfunksendeanlagen an bestehenden, nutzbaren Standorten von Energieversorgungsunternehmen abgedeckt werden können. "Im Ergebnis müssten die Mobilfunknetzbetreiber aus betriebswirtschaftlichen, ökologischen und regulatorischen Gründen ein vitales Interesse haben, auf Bestandsinfrastrukturen zurückzugreifen", schließt die Studie.



