Es ist die Rallye des Jahres an den Energiemärkten bisher, Ende nicht in Sicht. Scheinbar unaufhaltsam scheinen die CO2-Preise (EUA) im Europäischen Emissionshandel ETS zu steigen: von 32 Euro pro Tonne Anfang des Jahres über 45 Euro Mitte April auf 57,23 Euro am Freitag.
Längst tummeln sich nicht nur Energieplayer am Markt, sondern auch immer mehr Finanzakteure. Das zeigt sich an der Verteilung der EUA-Anteile unter den Marktteilnehmern.
Mehr als 270 Investmentdonds mit EUA-Anteilen
Nach Daten der US-Rohstoffbörse ICE Futures sollen derzeit mehr als 270 Investmentfonds etwa 67 Mio. EUA halten, berichtet der Branchendienst Montel. Das seien mehr als zweimal so viele wie im Mai 2019.
Doch sind es wirklich Spekulanten, die den Börsenpreis nach oben treiben? Bereits im April wies EEX-Chef Peter Reitz dies zurück. Er halte es für herbeigeredet, dass sich der Markt von den Fundamentaldaten zunehmend abkopple, sagte er im Interview mit der ZfK.
Klimapolitik und Gaspreise
Commodity-Analysten sehen es ähnlich. In seinem jüngsten Blogeintrag nannte SEB-Experte Bjarne Schieldrop zwei fundamentale Gründe für die andauernde CO2-Preis-Rallye: politisch bestimmte, gekappte CO2-Ausstoßrechte insbesondere seit 2019, verstärkt durch höhere EU-Klimaziele, und steigende Gaspreise seit Sommer 2020.
Tatsächlich schossen die Gaspreise in den vergangenen Wochen in die Höhe. Am Freitag lagen sie bei 27,08 Euro pro MWh (NCG, Gas Spot) bzw. bei 26,81 Euro pro MWh (NCG, Gas Frontmonat) — ein Anstieg von mehr als 30 Prozent seit 23. April.
Gasspeicher füllen sich nur langsam
Die Gründe dafür sind vielfältig: Der April fiel deutlich kälter aus als in den vergangenen Jahren. Auch der Mai begann kühler als normal.
Dazu kommen europäische Gasspeicher, die leerer sind als in den vergangenen Jahren. Erst seit 8. Mai wird in deutsche Gasspeicher wieder deutlich mehr ein- als ausgespeichert. Nach Angaben des Branchendienstes AGSI+ waren die Speicher am Samstag zu 27,5 Prozent gefüllt.
Bullisher LNG-Markt
Heißt: Der Einspeicherbedarf dürfte diesen Sommer höher ausfallen als in den vergangenen Jahren. Gleichzeitig gibt es auch in Asien eine erhöhte Nachfrage für den Sommer, was sich bullish auf den LNG-Markt auswirkt.
Die hohen Gaspreise führen dazu, dass in Zeiten mäßigen Erneuerbaren-Outputs Strom aus Kohlekraftwerken attraktiver wird. Weil diese allerdings mehr als doppelt so viel CO2 ausstoßen wie Gaskraftwerke, wirkt dies wiederum bullish auf die CO2-Preise.
Siehe auch: Fraunhofer-Professor: "Bräuchten Batterien jetzt viel dringender als Wasserstoff"
CO2-Rallye stoppt vorerst
Immerhin: Zum Wochenauftakt schien aufgrund rückläufiger Gaspreise auch die CO2-Rallye vorerst gestoppt, sanken Ausstoßrechte für eine Tonne zwischendurch am Montag auf 56 Euro.
Gegen eine dauerhafte Trendumkehr dürfte aber neben leeren Gasspeichern auch das Wetter sprechen. Richtung Pfingsten könnte ein Sturmtief Zentraleuropa nämlich nicht nur turbulente, sondern auch kühle Tage mit Temperaturen von deutlich unter 20 Grad Celsius bescheren. (ab)
Info: Täglich aktualisierte Energiedaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.



