Von Andreas Baumer
Trotz enormer wirtschaftlicher Potenziale sind viele Stadtwerke vorsichtig, wenn es um Investitionen in grüne Flexibilität geht. Das lässt sich aus einer neuen Studie herauslesen, die die Stadtwerke-Kooperation Trianel und die Unternehmensberatung Arthur D. Little am Mittwoch präsentierten.
Demnach gaben etwa 40 Prozent der befragten Energieunternehmen an, sich derzeit der Analyse von Markt und Geschäftsfeldern zu widmen, nicht aber der Umsetzung konkreter Projekte. Lediglich 14 Prozent glauben, dass sie vor dem Wettbewerb stehen, also besonders weit sind. 23 Prozent sehen sich sogar hinter dem Wettbewerb.
Der Großteil der Befragten sieht Flexibilität aktuell noch situativ und taktisch. Besonders für große Energieversorger ist Flexibilität dagegen schon jetzt der größte Werttreiber.
"Batteriespeicher flexibler als Kraftwerk"
Bei Batteriespeichern herrsche im Vergleich zu anderen Technologien wie Windkraftanlagen an Land oder Solarparks noch eine "vornehme Zurückhaltung", sagte Sven Becker, Sprecher der Trianel-Geschäftsführung. Als mögliche Erklärung nannte er enorme finanzielle Herausforderungen, vor denen Stadtwerke bei der Umsetzung der Wärme- und Mobiliätswende stünden.
Zudem handele es sich bei Batteriespeichern um eine Anlagenklasse, die für viele kommunale Entscheidungsträger noch nicht so griffig seien. "Dabei ist ein Batteriespeicher ehrlich gesagt viel flexibler als ein Kraftwerk, denn ein Batteriespeicher ist beides: mal ein Kraftwerk und mal eine Senke." Das erhöhe in einem Energiesystem, in dem man mal Verbrauch und mal Erzeugung benötige, den Optionenraum.
In Beckers Augen bieten grüne Flexibilitäten zahlreiche Chancen. Stadtwerke und Regionalversorger könnten sich so in ihrem Versorgungsgebiet als grüne Flexibilitätsmanager positionieren, sagte er. Zu grünen Flexibilitäten zählen neben Batteriespeichern auch sogenannte Power-to-Heat-Anlagen, die Strom in Wärme umwandeln und steuerbare Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Großes Potenzial liegt nach Experteneinschätzung auch bei flexiblen Verbrauchern, wobei bei Industrie und Gewerbe mehr Chancen gesehen werden als bei Haushalten.
Gute Profitmöglichkeiten mit Batteriespeichern
In den vergangenen Wochen hätten sich Batteriespeicher für Energieunternehmen gut lohnen können. Allein im Mai tauchte der Day-Ahead-Preis an 129 Stunden in den Negativbereich ab, wie aus Daten der Pariser Strombörse Epex Spot hervorgeht. Nie zuvor gab es in der deutsch-luxemburgischen Strompreiszone in einem Monat so viele Stunden unter Null. Im selben Monat ging es im Intraday-Handel auf bis zu 185 Euro pro Megawattstunde (MWh) hoch.
Mehr dazu: Strompreise im Mai: Negativpreis-Rekord dank Solarstrom
Überraschenderweise gab in der Studie lediglich jeder dritte Befragte die Nutzung von Strompreisschwankungen im Kurzfristhandel als Anwendungsfall an. Öfter wurden die Erhöhung der Eigenstromnutzung (48 Prozent), das Abfedern von Strompreisspitzen und die Strukturierung fluktuierender Erzeugungsprofile (jeweils 45 Prozent) genannt.
Fakt ist, dass Stadtwerke bei grüner Flexibilität im harten Wettbewerb stehen. Das zeigt sich nicht zuletzt beim Brot-und-Butter-Geschäft von Stadtwerken, dem Stromverkauf an Haushalte. Die Wechselrate von zehn Prozent sei bei vielen traditionellen Energieversorgern im vergangenen Jahr übersprungen worden, sagte Olaf Geyer, Partner bei Arthur D. Little Germany.
Konkurrenz im Brot-und-Butter-Geschäft
Demgegenüber hätten neuere Wettbewerber wie Octopus, 1Komma5Grad und Sonnen kräftig zugelegt. Diese würden zwar mit "knackigen Preisen" werben, aber auch das gesamte Ökosystem bespielen. Octopus stieg zum Beispiel in der Energiekrise in den Wärmepumpenvertrieb ein und bietet eine Vielzahl von Tarifen, vom klassischen Festpreistarif über Wärmepumpen-Tarife und windabhängigen Stromtarifen bis hin zum dynamischen Tarif.
Für die Studie befragten Trianel und Arthur D. Little 85 Unternehmen der Energiewirtschaft unterschiedlicher Größenklassen. Dabei handelte es sich nach eigener Aussage zumeist um kommunale Unternehmen. Das Dokument ist über diesen Link zu finden. Trianel und Arthur D. Little wollen die Ergebnisse in einem gesonderten Webinar vorstellen, das am 15. Juni ab 15 Uhr stattfinfden soll.
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