Betrachten die Visualisierung des geplanten Batteriespeichers: SVS-Geschäftsführer Gregor Gülpen (links) und der BESS-Projektleiter und SVS-Bereichsleiter Sebastian Wilhelm

Betrachten die Visualisierung des geplanten Batteriespeichers: SVS-Geschäftsführer Gregor Gülpen (links) und der BESS-Projektleiter und SVS-Bereichsleiter Sebastian Wilhelm

Bild: © SVS

Von Julian Korb

Die Stadtwerke Villingen-Schwenningen (SVS) treiben ihre Mission "Auf zur Grünen Null" mit Nachdruck voran. Ein zentrales Element dabei: zwei Großbatteriespeicher mit einer Gesamtleistung von bis zu 15 Megawatt (MW). Rund zehn Millionen Euro investieren die Stadtwerke in das Projekt – eine Summe, die in etwa der jährlichen Investition in das gesamte Stromnetz entspricht. Geschäftsführer Gregor Gülpen sieht darin einen strategisch wichtigen Schritt für die Energiewende – und eine ökonomisch kluge Entscheidung.

Der Gedanke hinter den geplanten Batteriespeichern – sogenannten BESS (Battery Energy Storage Systems) – ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Überschüssiger Strom aus Wind- und Solaranlagen wird gespeichert und kann bei Bedarf wieder ins Netz eingespeist werden. "Batteriespeicher sind ein entscheidender Baustein für die Energiewende", betont Gülpen. "Mit dem fortschreitenden Ausbau der Erneuerbaren werden sie für die Steuerung der Stromversorgung zwingend notwendig sein."

Wirtschaftlich attraktiv – aber nur für kurze Zeit

Die beiden Großspeicher sollen 2026 ans Netz gehen: Einer entsteht mit bis zu 5 MW Leistung auf dem Werksgelände der SVS, der zweite – mit bis zu 10 MW – an einem Umspannwerk außerhalb des Stadtbezirks Villingen. Diese Standorte seien bewusst gewählt, erläutert Gülpen: "Wir bauen direkt in der Nachbarschaft zu bestehenden Umspannwerken. Das ist effizient, platzsparend und flächenschonend." Insgesamt sollen rund 600 E-Auto-Batteriesätze in acht Überseecontainern installiert werden.

Dass die SVS das Projekt gerade jetzt umsetzt, hat auch regulatorische Gründe. Wer Batteriespeicher bis August 2029 in Betrieb nimmt, profitiert 20 Jahre lang von einer Befreiung von den Netzentgelten – ein entscheidender Wirtschaftlichkeitsfaktor. "Diese Befreiung ist ein Hauptgrund für die gute Rendite", sagt Gülpen. "Wir rechnen mit einer Amortisationszeit von vier bis sechs Jahren und einer knapp zweistelligen Gesamtkapitalrendite."

Umsetzung anspruchsvoll, aber machbar

Trotz der positiven Rahmenbedingungen ist der Weg zur Realisierung anspruchsvoll. "Wir haben uns im Wesentlichen mit vier Herausforderungen konfrontiert gesehen: der Risikostrategie, dem Vermarktungskonzept, der Finanzierung sowie dem Wettbewerb um die Netzkapazitäten", so Gülpen weiter.

Die Stadtwerke setzen daher auf eine sorgfältige Planung – sowohl technisch als auch betriebswirtschaftlich. Der Stadtwerke-Chef sieht die Bedeutung von Batteriespeichern nicht nur im lokalen Kontext, sondern als strategisches Zukunftsfeld für die gesamte Branche: "Wir als Stadtwerke dürfen nicht am Bahnsteig stehen bleiben und zusehen, wie uns der Zug vor der Nase abfährt. Wir müssen diesmal rechtzeitig einsteigen – und am besten den Lokführerstand besetzen."

Der Stadtwerke-Chef erinnert daran, dass viele Stadtwerke beim Ausbau der Wind- und Solarenergie zu spät reagiert hätten. "Wir haben es versäumt, uns frühzeitig die Flächen und Geschäftsfelder zu sichern und damit auch Geld zu verdienen. Das sollte uns bei Batteriespeichern nicht wieder passieren."

Für ihn ist klar: Die Speichertechnologie bietet Stadtwerken eine Chance, wieder stärker unternehmerisch aktiv zu werden und ihre Rolle in der Energiewende zu festigen. "Ich wünsche mir, dass bei diesem Geschäftsfeld die Stadtwerke-Familie im Lokführerstand steht", sagt Gülpen. Der Austausch mit anderen Stadtwerken sei ausdrücklich gewünscht: "Wer sich für Batteriespeicher interessiert, darf sich gerne bei uns melden."

Verwendung langfristig denken

Bereits jetzt denken die SVS über eine Erweiterung nach. Wenn die wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen weiterhin günstig bleiben, könnte die Speicherkapazität in den nächsten Jahren auf bis zu 25 MW Leistung ausgebaut werden.

Auch für das Ende des Lebenszyklus der Batterien gibt es Pläne. Nach etwa 15 Jahren Einsatzdauer könnten die Systeme weiterhin genutzt werden – etwa zur Bereitstellung von Blindleistung oder als Netzpuffer. "Die Technik entwickelt sich rasant weiter", sagt Gülpen. "Wir wollen die Speicher langfristig denken und flexibel nutzen."

Für die SVS ist das Projekt weit mehr als eine Investition in Technik – es ist ein sichtbares Zeichen für die kommunale Energiewende. Mit den geplanten BESS-Projekten kommen die Stadtwerke ihrem Ziel der Klimaneutralität deutlich näher. "Die Batteriespeicher sind ein wichtiger Baustein unserer Mission 'Auf zur Grünen Null'", sagt Gülpen. "Mit Fug und Recht können wir sagen: Wir leben die Energiewende in Villingen-Schwenningen. Und das macht mich sehr stolz."

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