Engpässe im Stromnetz machen der Wirtschaft zunehmend Sorgen. (Symbolbild)

Engpässe im Stromnetz machen der Wirtschaft zunehmend Sorgen. (Symbolbild)

Bild: © brit berlin/Pixelio

Leistungsfähige Stromnetze und verlässliche Netzanschlüsse sind aus Sicht der deutschen Wirtschaft eine zentrale Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, Digitalisierung und weiteres Wachstum. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Übertragungsnetzbetreibers Tennet hervor. Rund 2000 Entscheiderinnen und Entscheider aus Unternehmen wurden dafür befragt.

Demnach sehen über 80 Prozent der Befragten Rechenzentren als Rückgrat der digitalen Wirtschaft. Neun von zehn Unternehmen gehen davon aus, dass Rechenzentren künftig einen wesentlichen Anteil am steigenden Stromverbrauch haben werden. Gleichzeitig hält es eine Mehrheit von 60 Prozent für wahrscheinlich, dass Engpässe in der Stromversorgung Deutschlands Entwicklung zu einem führenden Digitalstandort ausbremsen könnten.

Schlüsselfrage für Wirtschaftsstandort

Kritisch bewerten viele Unternehmen die bislang aus ihrer Sicht unzureichende politische Priorisierung von Stromnetzen und Netzanschlüssen für Rechenzentren: 69 Prozent der Befragten sehen hier deutlichen Nachholbedarf. Vor diesem Hintergrund begrüßt Tennet die von der Bundesregierung angekündigte Rechenzentrumsstrategie, mahnt jedoch eine schnelle und konkrete Umsetzung an.

"Netzanschlüsse werden zu einer Schlüsselfrage für den Wirtschaftsstandort Deutschland", sagt Tennet-CEO Tim Meyerjürgens. Es gehe längst nicht mehr um einzelne Technologien, sondern um die grundsätzliche Fähigkeit, Wachstum, Digitalisierung und Transformation infrastrukturell zu ermöglichen.

Stromnetze nicht vorbereitet

Die Umfrage macht zudem den strukturellen Handlungsdruck beim Stromnetzausbau deutlich. Rund 74 Prozent der Entscheiderinnen und Entscheider sind der Ansicht, dass das deutsche Stromnetz nicht ausreichend ausgebaut ist, um die künftigen Anforderungen durch Digitalisierung, Elektrifizierung der Industrie und neue Großverbraucher wie Rechenzentren zu erfüllen. Als größte Hemmnisse für den schnellen Netzanschluss neuer Verbraucher nennen die Befragten langwierige und komplexe Genehmigungsverfahren sowie fehlende Netzkapazitäten. Jeder Fünfte verweist zudem auf unklare Zuständigkeiten und mangelnde politische Steuerung.

Aus Sicht von Tennet ergeben sich daraus klare politische Aufgaben. Zum einen müsse der Gesetzgeber das Bundesbedarfsplangesetz zügig verabschieden, um dringend benötigte Stromleitungen und Umspannwerke im Übertragungsnetz schnell realisieren zu können. Nur so ließen sich Industrie, Rechenzentren, Batteriespeicher und neue Kraftwerke rechtzeitig an das Netz anschließen und der steigende Bedarf der Verteilnetzbetreiber decken.

Zum anderen fordert der Übertragungsnetzbetreiber langfristig tragfähige und rechtssichere Regelungen für Netzanschlussverfahren. Angesichts knapper Netzkapazitäten müsse die Ressource Netzanschluss volkswirtschaftlich effizient genutzt werden. Dazu könnten eine stärkere Priorisierung nach Projektreife sowie eine differenzierte Kontingentierung von Netzanschlüssen nach Kundengruppen beitragen.

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