Die rund 150 mal 50 Meter große Solaranlage des Kiesproduzenten Hülskens schwimmt auf einem Baggersee.

Die rund 150 mal 50 Meter große Solaranlage des Kiesproduzenten Hülskens schwimmt auf einem Baggersee.

Bild: © Roland Weihrauch/dpa

Das Potenzial für auf Gewässern installierte Photovoltaik (PV)-Anlagen ist noch längst nicht erschlossen. Wie eine Analyse des Energiekonzerns RWE und dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE ergab, könnten selbst bei strengen technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Vorgaben rund 1,8 Gigawatt Peak (GWp) solcher Anlagen auf künstlichen Gewässern errichtet werden. Bei einer Ausrichtung der Solarmodule nach Ost-West-Richtung statt nach Süden wären es sogar 2,5 GWp.

Bisher sind sogenannte Floating-PV-Anlagen mit einer gesamten Leistung von 21 Megawatt Peak (MWp) in Deutschland in Betrieb. Weitere 62 MWp sind in Genehmigung oder Konstruktion. Damit könnte die installierte Leistung vervielfacht werden.

Maximal 15 Prozent Oberfläche

Um noch mehr Gewässerfläche für den Ausbau der Solarenergie zu nutzen, müsste laut den Wissenschaftlern allerdings nochmal der Gesetzgeber tätig werden. Die Vorgaben im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und Wasserhaushaltsgesetz besagen derzeit, dass in Deutschland maximal 15 Prozent einer Gewässeroberfläche mit Solaranlagen bedeckt werden können. Diese Belegungsgrenze müsse gelockert werden.

"Das rein technische Potenzial aller künstlicher Seen ab ein Hektar Mindestgröße ist mit mindestens 14 Gigawatt Peak bei einer 15-prozentigen Gewässerabdeckung sowie 20 Meter Randstreifen sogar noch deutlich größer und wären 35 Prozent Abdeckung erlaubt, stiege das technische Potenzial auf bis zu 45 Gigawatt Peak", sagt Karolina Baltins, Leiterin des Themenfelds Schwimmende Photovoltaik am Fraunhofer ISE.

Neue Gewässer in Revieren

Allerdings sei eine Floating PV-Nutzung bei Randflächen "aufgrund von Verschattung, Vegetation, zu niedrigen Wassertiefen und ähnlichem" oft nicht möglich, betont Mitstudienautorin Cassandra Mpofu, bis Ende Juni 2024 am Fraunhofer ISE beschäftigt und mittlerweile bei der Mailänder Consult GmbH.

Ebenfalls nicht berücksichtigt wurden Potenziale der neu entstehenden Gewässerflächen in den Braunkohlerevieren wie beispielweise dem Lausitzer oder Mittelrheinischen Gebiet. Diese bilden weitere potenzielle Wasserflächen für schwimmende Solaranlagen.

Um eine Wirtschaftlichkeit der Anlage zu garantieren, haben die Wissenschaftler zudem nur Standorte miteinbezogen, die nicht weiter als 5 Kilometer von Einspeisepunkten ins Mittelspannungsnetz entfernt sind.

Über 90.000 Hektar

Die meisten der rund 6000 künstlichen Seen mit mindestens einem Hektar liegen in Sachsen und Baden-Württemberg. Sie bilden gemeinsam eine Fläche von über 90.000 Hektar. Bei etwa 70 Prozent handelt es sich um Kiesgruben, daneben untersuchte die Studie Stauseen, Rückhaltebecken, Talsperren und Bergbauseen. (jk)

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