Im Transportsektor engagieren sich die Stadtwerke München bereits im Bereich Wasserstoff. Jetzt wird der Erzeugungsbereich stärker in den Fokus genommen (Symbolbild).

Im Transportsektor engagieren sich die Stadtwerke München bereits im Bereich Wasserstoff. Jetzt wird der Erzeugungsbereich stärker in den Fokus genommen (Symbolbild).

Bild: © luchschenF/Adobe Stock

Die Stadtwerke München wollen sich an einem geplanten Wasserstoff-Hub im schleswig-holsteinischen Neumünster beteiligen. Ein entsprechende Absichtserklärung haben der Kommunalversorger und das auf grüne Wasserstofflösungen spezialisierte Unternehmen Infener aus der Schweiz vergangene Woche unterzeichnet.

"Wir sehen den H2-Hub als aussichtsreiches Pilotprojekt, um uns strategisch für den erwarteten Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft zu positionieren", sagt Gregor Neunzert, Leiter der Gasbeteiligungen der Stadtwerke München. Die Partnerschaft geht dabei über eine reine Finanzbeteiligung hinaus. Im Energiebereich verfügten die SWM und ihre Beteiligungen bereits über ein breites, technisches Wissen, das sie in das Projekt einbringen könnten – etwa im Bau und Betrieb von Energieerzeugungsanlagen oder von Strom-, Gas- oder Wasserstoff- Leitungen, so Neunzert weiter. Im Bereich Bau und Betrieb von Elektrolyseuren könne man wiederum von der Expertise der Projektbeteiligten profitieren und die Kompetenzen der SWM entsprechend weiterentwickeln.

SWM rechnen mit schrittweiser Entstehung eines Wasserstoffmarktes

Die SWM engagieren sich im Wasserstoffbereich entlang der Wertschöpfungskette bereits im Transport. Beteiligungen an der Erzeugung würden derzeit geprüft. In diesem Zusammenhang sei das Projekt Neumünster aufgrund seiner geographischen Gegebenheiten und der angestrebten Partnerschaften mit Infener und regionalen Energieversorgern sehr geeignet.


Mit der Unterzeichnung der Absichtserklärung erhielten die Stadtwerke München die Möglichkeit, sich frühzeitig an einem geeigneten Standort zu beteiligen und dabei auch wertvolle Erkenntnisse für die weitere Entwicklung dieser Technologie entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu gewinnen. Die SWM rechnen mit einer schrittweisen Entstehung eines Wasserstoffmarktes bis 2050.

"Der Standort Neumünster ist für das Pilotprojekt ein attraktiver Standort, weil hier in der Region ein Überangebot an Strom aus erneuerbaren Energien besteht und gleichzeitig eine ausgezeichnete Anbindung an die Strom-Infrastruktur zur Verfügung stehen wird", betont Neunzert. Mittelfristig rechne er zudem mit dem Anschluss des Projekts an das naheliegende, geplante Wasserstoff-Kernnetz und mit dem Aufbau eines liquiden Wasserstoff-Commodity‑Handels in Deutschland.

Dezentraler Hub als Blaupause

"Die Zukunft der Wasserstoffwirtschaft liegt nicht nur in Mega-Projekten an der Küste, sondern in dezentralen Hubs, die dort produzieren, wo Wasserstoff gebraucht wird, ergänzt Joel Vogl, CEO und Gründer von Infener. Neumünster werde zur Blaupause für diese neue Infrastruktur – und mit Hilfe der SWM könne man dieses Wissen in ganz Deutschland multiplizieren.

Ein zentraler Meilenstein für den H2-Hub ist die Anbindung an das Hochspannungsnetz. Hier arbeiten der Übertragungsnetzbetreiber Tennet und Schleswig-Holstein Netz (SH Netz) eng zusammen: Tennet errichtet das Umspannwerk, an das der Hub angeschlossen wird, während SH Netz die Leitungsinfrastruktur realisiert. 

Laut einem Bericht des "NDR" soll der Anschluss an das Stromnetz voraussichtlich 2028 erfolgen, in das Pilotprojekt sollen insgesamt 130 Millionen Euro investiert werden.

Das 2023 gegründete Unternehmen Infener entwickelt laut eigenen Angaben hybride H2-Hubs, integrierte H2-Lösungen und H2-Produkte, die Stromnetze entlasten, Industrieprozesse defossilisieren und kommunale Versorgungssysteme zukunftsfähig machen. Im Zentrum steht die intelligente Orchestrierung lokaler Energiesysteme: Durch die Kombination von Wasserstoffproduktion, Batteriespeichern (BESS) und Behind-the-Meter-Lösungen entstehe so ein System, das Energie nicht nur erzeuge, sondern aktiv optimiere.

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