Je nachdem wie das Wetter sich verhält, variiert auch die Übertragungskapazität von Freileitungen im Stromnetz. An einem kühlen, windigen Tag kann erheblich mehr Strom durch die Leitung transportiert werden, als an einem heißen, windstillen Tag. Um diese Effekte möglichst optimal auszunutzen, will Transnet BW einen witterungsabhängigen Freileitungsbetrieb (WAFB) 3.0 implementieren.
Grundvoraussetzung hierfür sind möglichst detaillierte Informationen über die Leitungen. Hierfür werden ab 2021 250 Trassenabschnitte mit Wettersensoren zur Bestimmung der Strombelastbarkeit ausgestattet. Darüberhinaus sollen 48 Umspannwerke in den Test einbezogen werden, um das Netzwerk mit meteorologischen Informationen an den Strommasten zu ergänzen.
Prognose-Werte verbessern
Anschließend fließen alle Daten in der Hauptschaltleitung von Trasnet BW in Wendlingen zusammen und werden ausgewertet. Die Auswahl der Leitungsabschnitte und Umspannwerke hat der Dienstleister Energy & Meteo Systems übernommen und dafür mehrjährige historische Wetterdaten sowie GIS-Daten im Netzgebiet des Übertragungsnetzbetreibers ausgewertet.
Alexander Hofmann, Projektleiter des WAFB 3.0 erklärt, wie genau die Datenerfassung künftig den Netzbetrieb optimieren soll: „Für unseren Netzbetrieb haben wir bislang nur die Temperatur auf regionaler Ebene berücksichtigt. Mit WAFB 3.0 erfassen wir Temperatur und auch Wind kleinräumig, was uns im täglichen Netzbetrieb deutlich mehr Spielraum gibt. Das System hilft uns zunächst, die verwendeten Prognose-Werte zu prüfen und bei Bedarf anzupassen. Ab 2023 wird dann für jede Leitung individuell und in Echtzeit ermittelt, welche Übertragungskapazitäten im Bedarfsfall zur Verfügung stehen.“ (ls)



