Die Westenergie-Tochter Westnetz treibt die Digitalisierung voran und hat jetzt eine neue digitale Ortsnetzstation in Betrieb genommen. Dabei handele es sich bereits um die 1000. Anlage dieser Art im laufenden Jahr, sagte die Westenergie-Vorstandsvorsitzende Katherina Reiche bei einem Termin vor Ort in Mülheim an der Ruhr.
2400 von insgesamt 40.000 Ortsnetzstationen des Verteilnetzbetreibers seien Stand jetzt digital, erläuterte Reiche. Und die Digitalisierung der Infrastruktur soll in dem Tempo weiter voranschreiten. Das sei der Schlüssel, um erneuerbare Energien und dezentrale Verbraucher wie Wärmepumpen effizient in das Stromnetz zu integrieren, so die Vorstandsvorsitzende.
Daten in Echtzeit
Digital vernetzte Betriebsmittel helfen dabei, das Stromnetz besser zu steuern. Ortsnetzstationen wie in Mülheim an der Ruhr können Daten zur Netzüberwachung und -steuerung in Echtzeit an die Leitstellen übertragen.
Thomas König, COO beim Mutterkonzern Eon, sieht in der Digitalisierung insbesondere drei Vorteile: Die Netze könnten dadurch "bis an ihre Belastungsgrenze" betrieben werden. Bei Bedarf könne zudem abgeregelt werden und oft ließen sich Probleme aus der Ferne beheben. "Wir müssen heute anders aussteuern können", unterstrich König.
Stromerzeugung verschiebt sich
Der große Treiber hinter der Entwicklung ist die Energiewende. Durch sie wird zunehmend unbeständiger Grünstrom auf Verteilnetzebene eingespeist. Und es werden immer mehr dezentrale Anlagen wie Solaranlagen, Wärmepumpen oder Wallboxen für E-Autos angeschlossen.
Mit zwei maßgeblichen Folgen: Zum einen verschiebt sich die eigentliche Stromerzeugung von der Übertragungsnetzebene mit ihren traditionell zentralen Großkraftwerken auf die Ebene darunter. Zum anderen ist das entstehende System ungleich kleinteiliger und lässt sich deshalb schwieriger beherrschen.
240 Millionen Euro Invest
Die Kosten sind dabei erheblich. Der Bau einer einzelnen digitalen Station kostet "rund 100.000 Euro". Laut Eon-Vorstand König wurde dieser Typ Ortnetzstation selbst entwickelt. Einfach gerechnet hat Westnetz damit bis heute 240 Millionen Euro alleine hierfür investiert. Allerdings sollen nicht alle Stationen digital werden. Denn zwischen einer bestimmten Zahl könne dann interpoliert werden.
Mit diesen Investitionen möchte die Westenergie-Gruppe vorbereitet sein. Sie erwartet in ihrem Netzgebiet unter anderem eine massive Zunahme dezentraler Anlagen. Bis 2030 wird beispielsweise mit einer Gesamtzahl von 940.000 angeschlossener Dachsolaranlagen gerechnet. Das seien vier Mal mehr als noch im Jahr 2021.
Die Zahl der Wärmepumpen könnte nach 112.000 Anlagen 2021 bis dato auf 888.000 steigen. Und auch neue Verbraucher wie E-Autos werden mehr. Westenergie prognostiziert 1,8 Millionen elektrische Fahrzeuge in ihrem Gebiet bis 2030 (2021: 150.000). (dz)



