Den Stand der Bauarbeiten für das Parkhaus am Betriebshof Karlstraße stellen (von links) Julia Krah vom Fachbereich Technische Anlagen bei SWB Bus und Bahn, Matthias Wilbert, Bereichsleiter Technik Netze Bau & Betrieb bei Bonn-Netz, und Arsham Afshar vom Fachbereich Erneuerbare Energien bei SWB Energie und Wasser vor.

Den Stand der Bauarbeiten für das Parkhaus am Betriebshof Karlstraße stellen (von links) Julia Krah vom Fachbereich Technische Anlagen bei SWB Bus und Bahn, Matthias Wilbert, Bereichsleiter Technik Netze Bau & Betrieb bei Bonn-Netz, und Arsham Afshar vom Fachbereich Erneuerbare Energien bei SWB Energie und Wasser vor.

Bild: © Stadtwerke Bonn/Martin Magunia

Von Julian Korb

Mit einer speziell konzipierten Photovoltaik-Anlage (PV-Anlage) an der Fassade und auf dem Dach versorgen die Stadtwerke Bonn künftig Firmenfahrzeuge sowie Autos von Mitarbeitenden. Im Oktober soll die Anlage bereits in Betrieb gehen. Sowohl die Netztochter Bonn-Netz als auch die Energieversorgungstochter SWB Energie und Wasser elektrifizieren nach und nach ihren Fuhrpark.

Aktuell sind 28 der 170 Dienstfahrzeuge elektrisch betrieben. Perspektivisch soll der Anteil sukzessive erweitert werden. Ziel der Stadtwerke sei es, eine nahezu rein elektrische Flotte zu haben.

"Bei rund 170 Firmenfahrzeugen macht eine eigene Ladeinfrastruktur mit einer eigenen regenerativen Quelle Sinn", sagt Urs Reitis, Geschäftsführer von Bonn Netz. Die neue Anlage entsteht dabei am gemeinsamen Standort von Bonn-Netz und SWB Energie und Wasser.

Hoher Eigenverbrauchsanteil nötig

Bei der Errichtung der Anlage gibt es auch Herausforderungen. "Insgesamt installieren wir am und auf dem Parkhaus 731 PV-Module mit einer geplanten Anlagenleistung von 290,38 kWp", erklärte Arsham Afshar vom Fachbereich Erneuerbare Energien bei SWB Energie und Wasser, zum Projektstart im vergangenen Jahr. Die Solarmodule an der Fassade haben eine Überkopfzulassung; so muss zum Beispiel sichergestellt sein, dass Personen bei einem Modulbruch nicht durch herabfallende Glassplitter verletzt werden.

Für eine optimale Solarausbeute sorgt dabei ein Trick. "Beim Trapezblechdach richten wir die Anlage nach Ost-West aus", so Afshar weiter. "Wir erzielen damit im Vergleich zu einer reinen Südausrichtung vormittags und nachmittags höhere Solarstromerträge und können so die Verbraucher den ganzen Tag über versorgen."

Bei Fassadenanlagen oder auch PV-Carports auf Parkplätzen handelt es sich um komplexe Anlagen, bei denen ein zusätzlicher Aufwand bei Konstruktion, elektrischer Anbindung, Installation und Betrieb entstehen kann. Um solche Anlagen zu refinanzieren, ist daher ein hoher Verbrauch der erzeugten Strommengen direkt vor Ort notwendig.

Zunächst 66 Ladepunkte geplant

Der Strom soll vorrangig dazu dienen, die Ladestationen für Elektroautos zu bedienen. In einem ersten Schritt werden 33 Doppelladestationen, also 66 Ladepunkte, eingerichtet. "Dafür arbeiten wir mit einem Lastmanagementsystem, das die verfügbare Anschlussleistung optimal verteilt", betonte Fachmann Afshar. Eine Vorrüstung sorgt zudem dafür, dass perspektivisch alle 363 Stellplätze mit Ladestationen ausgestattet werden können.

Was von den erwarteten rund 250.000 Kilowattstunden (kWh) Solarstrom pro Jahr nicht gebraucht wird, soll zukünftig in ein Arealnetz eingespeist und für die Betriebs- und Verwaltungsgebäude verwendet werden. Durch das Energy Sharing soll ein zusätzlicher Absatz möglich werden. So könne der Eigenverbrauch perspektivisch von derzeit 10 bis 15 Prozent auf bis zu 80 Prozent gesteigert werden.

"Wir freuen uns, dass wir mit der Maßnahme etwa 96 Tonnen CO₂-Emissionen vermeiden können", unterstrich Matthias Wilbert, Bereichsleiter Technik Netze Bau & Betrieb bei Bonn-Netz. Nötig geworden war der Neubau auch, weil bislang angemietete Flächen in der Nachbarschaft künftig nicht mehr zur Verfügung stehen. "Eine bestimmte Anzahl an Autostellplätzen muss jedoch zur Verfügung gestellt werden", so Wilbert weiter. "Das gibt der Stellplatznachweis vor, der für die Baugenehmigungen der Gebäude von HKW und Bonn-Netz erforderlich war."

Mobilität mit Fahrrad soll gefördert werden

Rund 200 der 370 Parkplätze können die Mitarbeiter der beiden SWB-Töchter nutzen. "Wir haben bei der Planung des 25 Meter hohen Gebäudes die besonderen Bedürfnisse des Unternehmensstandortes berücksichtigt, weshalb die unteren beiden Ebenen zum Abstellen von 36 Transportern wesentlich höher sind", sagte Julia Krah vom Fachbereich Bauwesen bei SWB Bus und Bahn, der alle Bauvorhaben des SWB-Konzerns betreut. 

"Viele Beschäftige dieses Betriebshofs kommen von weiter her oder arbeiten im Wechselschichtbetrieb, so dass der ÖPNV oder das Rad noch keine Alternative für sie sind", sagte Marco Westphal, Arbeitsdirektor der Stadtwerke Bonn und Geschäftsführer von SWB Energie und Wasser. "Vor allem für sie sind die Parkplätze gedacht."

Nichtsdestotrotz halte man an der Strategie fest, wo möglich, die Mobilität der Mitarbeitenden mit dem Fahrrad zu fördern. "Nach Abschluss der Baumaßnahmen werden zusätzlich zu den bestehenden Radstellplätzen 80 weitere geschaffen, die überdacht werden und bei denen auch ortsgebundene Lademöglichkeiten vorgesehen sind."

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