Im Zollstreit zwischen den USA und Europa drohen nun die USA der EU, die LNG-Lieferungen einzustellen, würde die EU den Turnberry-Deal nicht unterzeichnen. Der US-Botschafter bei der EU, Andrew Puzder, erklärte am Montag in der Financial Times, die Energiekomponente des Abkommens könne gefährdet sein, falls Brüssel nachverhandeln will. Die hohe Abhängigkeit von US-LNG steht im Widerspruch zum "REPowerEU"-Plan und ist für Europa ein Déjà-vu.
Hohe Abhängigkeit von US-LNG
Der sogenannte Turnberry-Deal sieht vor, dass die EU aus den USA Energie im Wert von 750 Milliarden Dollar bezieht, hauptsächlich LNG. Bei Vertragsbruch würde ein Zoll von 15 Prozent oder mehr für Waren aus Europa gelten.
Das EU-Parlament hatte sich bisher gesträubt, die Vereinbarung zu ratifizieren. In dieser Woche steht dazu eine Abstimmung an und es deutet sich an, dass die EU-Abgeordneten unter Bedingungen zustimmen.
Die Abkehr von russischem Gas hat die strategische Abhängigkeit der EU von US-LNG erhöht. Die EU-Importe von US-LNG stiegen von 21 Milliarden Kubikmetern im Jahr 2021 auf geschätzte 81 Milliarden Kubikmeter im Jahr 2025, was einer fast vierfachen Steigerung entspricht.

Widerspruch zu EU-Strategie
Der Marktanteil der USA auf dem europäischen LNG-Importmarkt lag daher 2025 bei 57 Prozent. Auch 2026 bestätigt sich dieser Trend und US-LNG-Lieferungen machen bisher 57 Prozent der LNG-Gesamtimporte aus.
Dies hat eine neue potenziell risikoreiche geopolitische Abhängigkeit geschaffen, zumal US-LNG für Abnehmer in der EU eine teure Beschaffungsquelle ist. Es fühlt sich wie eine Art Déjà-vu-Erlebnis an, erholt sich die Region doch gerade erst von der letzten Energiekrise, ausgelöst durch die hohe Abhängigkeit von russischem Erdgas.
Die hohe Abhängigkeit von US-LNG steht im Widerspruch zum REPowerEU-Plan. Der Plan zielt eigentlich darauf ab, die Abhängigkeit von russischen fossilen Brennstoffen zu beenden und hat drei wesentliche Zielvorgaben: Energiesicherheit durch Diversifizierung, Nachfragereduzierung und die Senkung der Energiekosten.
Vorerst letzte LNG-Lieferung aus Katar
Am Freitag wird mit dem LNG-Tanker Al Kharsaah am britischen LNG-Terminal Milford Haven die vorerst letzte LNG-Lieferung in Europa aus Ras Laffan, Katar ankommen. Das Schiff hat eine Kapazität von 211.000 Kubikmeter LNG, was nach Regasifizierung knapp 1,3 Terrawattstunden Erdgas entspricht.
Mit den letztwöchigen Angriffen des Iran auf die katarische Produktionsstätte Ras Laffan haben sich die Marktbedingungen für dieses und nächstes Jahr grundlegend geändert. Die Angriffe auf den Produktionskomplex und das Aussetzen der Produktion soll nach Angaben von Brancheninsidern zu einem Rückgang der katarischen LNG-Produktion von rund 35 Prozent in diesem Jahr führen.
Die Reparatur und Wiederherstellung der beschädigten Produktionseinheiten könnte dazu führen, dass 12,8 Millionen Tonnen LNG pro Jahr für drei bis fünf Jahre ausfallen. Dazu könnte im Kontext der aktuellen geopolitischen Lage die Produktionsausweitung der katarischen LNG-Produktion im Zuge des "North Field Expansion"-Projekts eventuell gefährdet sein.
Winter-Sommer-Spread erholt sich
Mit Beginn des Iran-Krieges stieg der Winter-Sommer-Spread auf unter -8 Euro/MWh, das heißt der Kontrakt Sommer-26 war zu Beginn des Monats über 8 Euro/MWh teurer als der Winterkontrakt Winter-26. Mit diesen Marktpreisen lassen sich Gasspeicher nicht wirtschaftlich füllen.
In dieser Woche sinkt der Spread zum ersten Mal seit Beginn der Krise wieder ins Positive, das heißt Winter-26 bietet einen (kleinen) Incentive gegenüber Sommer-26. Dies ist jedoch in der Höhe noch nicht gänzlich ausreichend für eine wirtschaftliche Speicherbefüllung.
Grund für den Wandel ist die Verlagerung des hohen Preisniveaus auf das lange Ende der Terminkurve. Die Handelsteilnehmer gehen mittlerweile davon aus, dass der Konflikt noch mehrere Monate gehen könnte und die Wiederherstellung der ursprünglichen Marktverhältnisse mindestens sechs bis zwölf Monate ab Beendigung des Konflikts dauern könnte.
EU-Kommission für frühzeitige Befüllung der Gasspeicher
Die Europäische Kommission hat die EU-Länder aufgefordert, in diesem Jahr frühzeitig mit der Einspeicherung zu beginnen. Sie warnt davor, dass die anhaltenden Störungen im Zusammenhang mit dem Krieg im Iran in den nächsten Monaten zu einer hohen Preisvolatilität an den Gasmärkten führen könnten.
Man möchte damit ein Szenario wie es sich im Jahr 2022 ereignete, als die hohe Nachfrage im Spätsommer zu einem regelrechten Ansturm an den Märkten und einer beispiellosen Preisrallye führte, in diesem Jahr verhindern.


