Jan Grundmann ist promovierter Landwirt und einer von zwei Geschäftsführern der Energy Crops, einem Tochterunternehmen der Vattenfall Wärme Berlin. Gleichzeitig ist der 63-Jährige Prokurist bei Vattenfall Energy Solutions, einer Schwestergesellschaft der Energy Crops.

Jan Grundmann ist promovierter Landwirt und einer von zwei Geschäftsführern der Energy Crops, einem Tochterunternehmen der Vattenfall Wärme Berlin. Gleichzeitig ist der 63-Jährige Prokurist bei Vattenfall Energy Solutions, einer Schwestergesellschaft der Energy Crops.

Bild: © Vattenfall Wärme Berlin

Herr Grundmann, die Energy Crops bewirtschaftet rund 2000 Hektar Agrarholzflächen im weiteren Umland von Berlin. Weshalb pflanzt Vattenfall eigene Bäume an? 

Grundmann: Mit dem Holz unterstützen wir die Dekarbonisierung der Stadtwärme in Berlin. Weil wir es selbst anbauen, können wir den Holzbrennstoff preislich und in der Menge absichern. Auch die Preise für Waldrestholz zur Energieerzeugung sind in der Energiekrise stark gestiegen. Außerdem sind die Agrarholzflächen eine gute Lagerstätte, man kann die Bäume auf dem Feld einfach länger wachsen lassen. Wir setzen auf Pappeln. Sie treiben nach der Ernte aus dem Wurzelstock wieder aus, sodass wir sie alle drei bis vier Jahre auf der einmal gepflanzten Fläche über insgesamt 20 Jahre und länger ernten können. Wir liefern die Holzhackschnitzel ins Märkische Viertel. Ein Biomasseheizkraftwerk (HKW) produziert dort regenerativen Strom und grüne Wärme nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). 
 

Es gibt durchaus Kritik an dem Thema Holzverbrennung zur Energiegewinnung. Zum einen, weil es auch CO2 ausstößt. Zum anderen stelle dies eine Flächenkonkurrenz in der Landwirtschaft dar. 

Grundmann: Das Thema Holz muss man differenzierter betrachten. Mit Kohle und Erdgas setzen wir zusätzliches CO2 aus den unterirdischen Lagerstätten frei. Holz hingegen bindet CO2 aus der Luft und setzt nur so viel frei, wie es vorher gebunden hat. Die Bilanz ist dementsprechend CO2-neutral. Ferner hat die Produktion des Brennstoffs auf dem Acker einen sehr niedrigen fossilen Fußabdruck.  Der Bedarf an fossiler Energie für Bewirtschaftung, Ernte und Transport liegt bei nur knapp sechs Prozent der Brennstoffenergie der Holzhackschnitzeln, die im HKW ankommt. Das ist kaum zu unterbieten. 

Die 2000 Hektar, die wir beackern, sind für die Flächeneigentümer unattraktiv, da sie zu weit vom Hof entfernt liegen oder es keine besonders guten Böden sind. Nur mit viel Aufwand könnte man hier Landwirtschaft betreiben. So hat der Flächeneigentümer, weil er es uns verpachtet, eine weitere sichere Einnahmequelle. 

Vattenfall setzt auf Pappeln. Sie treiben nach der Ernte aus dem Wurzelstock wieder aus, sodass das Unternehmen sie alle drei bis vier Jahre auf der einmal gepflanzten Fläche über insgesamt 20 Jahre und länger ernten kann.Bild: © Gun/ZfK

Bietet der Agrarholzanbau sogar Vorteile für die Landwirtschaft?

Grundmann: Es entwickelt sich gerade eine neue landwirtschaftliche Kulturform in Deutschland. Gehölzstreifen werden angepflanzt, zwischen denen normale einjährige Kulturen wie Getreide oder Kartoffeln angebaut werden. Dieses sogenannte Agroforstsystem ist eigentlich eine traditionelle Art der Landbewirtschaftung. Aktuelle Forschungen ergeben, dass die Gehölzstreifen zahlreiche Vorteile haben. Erosion durch Wind und Wasser wird reduziert. Das Wasser verdunstet auf dem Feld zwischen den Gehölzstreifen signifikant weniger.

Insbesondere von für Trockenheit betroffenen Regionen ist dies wichtig. Für die Landwirte ist das eine Win-Win-Situation. Sie verdienen an der Zusammenarbeit mit uns. Einerseits, weil sie die Fläche für die Gehölzstreifen bereitstellen. Andererseits fahren sie durch den Gehölzanbau eine größere Ernte ein. Für dieses Konzept suchen wir Landwirte als Partner. Eine Tank-Teller-Diskussion ist hier fehl am Platz. Das Gegenteil ist der Fall, die Gehölzstreifen fördern und sichern die Wertschöpfung im ländlichen Raum. 

Sie pflanzen Holz extra an. Wieso greifen Sie nicht auf potenzielles Schadholz aus dem Wald zurück? 

Grundmann: Vattenfall macht beides. Die Energy Crops setzt durch den eigenen Gehölzanbau auf Planbarkeit, weil wir die eigenen Plantagen haben. Parallel beschaffen Kollegen Waldrestholz aus den Brandenburger Wäldern, das bei der Holzernte für die Sägewerke und die holzverarbeitende Industrie anfällt. Waldrestholz besteht überwiegend aus Baumkronen. Würden sie im Wald liegen bleiben, zersetzen Pilze und Bakterien sie schnell und fast vollständig zu CO2 und Wasser, ohne einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Wenn wir aber das Waldrestholz, das man aus dem Wald bergen kann, als Brennstoff nutzen, ersetzen wir damit Kohle und Erdgas und leisten so einen positiven Beitrag zum Klimaschutz. 

Und Totholz bleibt genug im Wald, das bestätigen die Bundeswaldinventuren. Hier sind vor allem Wurzelstöcke und Stammholz wichtig, da sie Lebensraum für deutlich mehr Tierarten bieten als das Kronenholz. Auf jeden Fall wird für die Wärmeerzeugung in Berlin kein Baum im Wald gefällt und komplett verbrannt.

Das Interview führte Adrian Gun.

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