Bild: © Thorben Wengert/pixelio.de

„Rund 340 Städte und Gemeinden sowie alle Landkreise in Baden-Württemberg praktizieren kommunales Energiemanagement (KEM), allerdings in sehr unterschiedlicher Qualität“, sagt Harald Bieber, Leiter des Kompetenzzentrums Kommunaler Klimaschutz der KEA. "Das Potenzial ist hoch, da noch 760, meist kleine Kommunen kein KEM betreiben und bei den bestehenden KEM-Aktivitäten auch qualitativ noch Luft nach oben ist.“ Mit Schnelltests sollen nun diejenigen Kommunen erreicht werden, die sich bisher zu wenig mit Energieeinsparung, Energieeffizienz und erneuerbaren Energien beschäftigt haben.

Seit Anfang dieses Jahres fördert der Bund wieder zu 65 Prozent eine Einstiegsberatung. „Es lohnt sich mitzumachen“, sagt Bieber. „Die Einstiegsberatung war der Impuls, uns intensiv mit der Verbrauchsstruktur unserer Einrichtungen zu beschäftigen“, berichtet Ralf Steinbrenner Bürgermeister der Gemeinde Leingarten (Landkreis Heilbronn).

Einstiegsberatung als Hilfestellung

„Sowohl die gemeindeeigenen Liegenschaften als auch das Nutzerverhalten standen hierbei im Fokus. Betrachtet man zusätzlich die möglichen Einsparungen bei Gewerbe und Privathaushalten, ergibt sich hieraus ein gewaltiges Energie- und Kosteneinsparpotenzial im Ort. Es lohnt sich also auf jeden Fall, die Einstiegsberatung zu nutzen, und sei es nur, um eine höhere Sensibilität für die Thematik Energieverbrauch zu erzeugen“, so Steinbrenner. Im Klimaschutzkonzept der Gemeinde stehen 34 Maßnahmen, die bereits angegangen wurden oder demnächst begonnen werden. Diese betreffen die eigenen Liegenschaften aber auch den privaten Gebäudebestand, den Verkehrssektor sowie die betriebliche Energieeffizienz.

Auch Bernd Bordon, Bürgermeister in Untereisesheim (Landkreis Heilbronn), sieht in der Einstiegberatung eine große Hilfe: „Klimaschutz fängt in erster Linie in den Kommunen an. Durch die Einstiegsberatung kommunaler Klimaschutz wurden zunächst unsere bisherigen einzelnen Klimaschutzmaßnahmen wie zum Beispiel die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED untersucht und in einen Gesamtkontext eingeordnet. Darüber hinaus haben wir weitere Maßnahmen wie zum Beispiel die Optimierung des Energiemanagements der kommunalen Liegenschaften herausgearbeitet sowie priorisiert“.

FDP sieht rechtliche und finanzielle Risiken

Als eine wichtige Möglichkeit, die Energieeffizienz zu verbessern und Kosten einzusparen, gilt auch das Energiecontracting, bei dem die Kommunen mit Dienstleistern zusammenarbeiten. Rüdiger Lohse, Leiter Kompetenzzentrums Contracting der KEA schätzt der Potenzial hierfür als „sehr groß“ ein. 20 bis 30 Kommunen im Land würden derzeit jährlich entsprechende Maßnahmen durchführen, „50 bis 100 Kommunen pro Jahr wären möglich“, sagt er.

Kritik kommt allerdings von Seiten der baden-württembergischen FDP-Landtagsfraktion. Sprecher Jan Havlik verweist hierbei vor allem auf rechtliche und finanzielle Risiken des Energiecontracting. Mittelständische Unternehmen machten Effizienzmaßnahmen lieber selbst, wenn sie sich rechnen. „Und auch für Kommunen sind solche Konstruktionen mit Blick auf die vertraglichen Regelungen zu Ausfallrisiken bei Laufzeiten von 20, 30 Jahren nicht immer völlig ohne Fallstricke“, sagt Havlik.

KEA: Contracting bietet Kommunen viele Vorteile

„Energieeffizienz-Investitionen bergen für die ausführenden Unternehmen und Bauherren immer das Risiko, ob die errechneten Einsparungen auch tatsächlich eintreten und sich die Maßnahme auch tatsächlich so rechnet, wie das bei der Entscheidung einmal angenommen wurde“, sagt Rüdiger Lohse, Leiter des Kompetenzzentrums Contracting der KEA. Doch sei das Contracting hier für die Kommunen vorteilhaft, weil die Investitionskosten sowie die Betriebs- und Einsparrisiken ja durch das Contracting-Unternehmen übernommen würden. „Durch standardisierte Verträge und flankierende Beratung des Kompetenzzentrums ist sichergestellt, dass Contractingprojekte transparent verlaufen und die angestrebten Effizienzgewinne auch tatsächlich erzielt werden können“, unterstreicht Lohse.

Er verweist auf zahlreiche Beispiele wie in Neuhausen (Landkreis Tuttlingen) oder Zimmern (Landkreis Rottweil), wo die energetische Modernisierung der kommunalen Liegenschaften durch einen Dienstleister per Contracting günstiger war als diese auf eigene Kosten zu sanieren.

Kosteneinsparung in Neuhausen

So schlossen sich in Neuhausen mehrere kommunale Gebäude zu einem Nahwärmeverbund zusammen. Die Schule erhielt ein Blockheizkraftwerk, den Lüftungsbedarf der Turnhalle deckt künftig eine hocheffiziente Lüftungsanlage. Alle Gebäude sind mit einer modernen Regelungstechnik ausgestattet. Finanziert wurden die Investitionen in Höhe von 1,5 Mio. Euro durch die EnBW. Die Energiekosten verringerten sich hierdurch um rund 40 Prozent auf 23 000 Euro jährlich. EnBW übernimmt für 20 Jahre die Betreiberverantwortung und wird mit dem eingesparten Geld vergütet. Danach gehört die effiziente Anlagentechnik der Kommune und die Energiekosten bleiben weiterhin gering. (hcn)

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