Hat Wärme Hamburg ihr Versprechen gebrochen, im Heizkraftwerk Wedel weniger Kohle zu verfeuern? Dieser Ansicht ist jedenfalls der „Hamburger Energietisch“. In einer Pressemitteilung behauptet das Bündnis, dass die Stromerzeugung im Heizkraftwerk Wedel in den Monaten November 2020 bis April 2021 nicht etwa um 20 Prozent gesunken, sondern sogar um 11 Prozent gestiegen sei. Aus Sicht des Hamburger Energietisches ein klarer Verstoß gegen die Selbstverpflichtung, die der Aufsichtsrat des Unternehmens im Oktober 2020 beschlossen hatte.
In den Monaten Mai bis Oktober 2021muss der Kohleeinsatz in Wedel nun mindestens auf die Hälfte des Vorjahres reduziert werden, wenn die Wärme Hamburg ihre Selbstverpflichtung im ersten Jahr noch einhalten will, rechnet der „Hamburger Energietisch“ vor.
Gilbert Siegler, der Sprecher des Bündnisses, appelliert an den Kraftwerksbetreiber Wärme Hamburg, die Öffentlichkeit nicht in die Irre zu führen. „Die Unternehmensleitung und die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) müssen baldmöglichst erklären, ob sie ihre Selbstverpflichtung voll und ganz einhalten wollen“, so Siegler.
Wärme Hamburg weist die Vorwürfe zurück. Man habe sich verpflichtet, den Kohleeinsatz am Standort Wedel um zunächst 100.000 Tonnen pro Jahr zu reduzieren. Vergleichsmaßstab sei der Durchschnittsverbrauch der Jahre 2017 bis 2019 in Höhe von 475.000 Tonnen pro Jahr. Um diese Reduktion zu erreichen, werde Wärme Hamburg auch Rohertragseinbußen von bis zu 1,5 Mio. Euro pro Jahr hinnehmen. „Vor diesem Hintergrund und der damit erforderlichen Anlageneinsatzoptimierung sowie schwankender Witterungseinflüsse und Anlagenverfügbarkeit hat die Wärme Hamburg bewusst nur eine Jahresreduktion zugesagt“, betont eine Sprecherin des Unternehmens auf ZfK-Anfrage. Monatsvergleiche seien vor dem Hintergrund der Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit und dem maximal eingeplanten Rohertragsverzicht weder möglich noch vorgesehen. „Die Wärme Hamburg steht zu ihrer Zusage der Reduktion im Jahr 2021 und lässt sich am Jahresende daran messen.“ (amo)



