So soll "Karllotta" einmal aussehen: Das Neubauareal besteht aus dem Vorderhaus "Karl" mit sechs Etagen und dem Gartenhaus "Lotta" mit zwei Etagen.

So soll "Karllotta" einmal aussehen: Das Neubauareal besteht aus dem Vorderhaus "Karl" mit sechs Etagen und dem Gartenhaus "Lotta" mit zwei Etagen.

Bild: © Zauner Developments

Im Berliner Süden, mitten in Steglitz, hat die Gasag Solution Power Plus mit Geothermie-Bohrungen begonnen. Die Gasag-Tochter realisiert dort in der Mitte eines dicht bebauten Wohngebiets ein Projekt, bei dem rund 65 Wohneinheiten und ein Supermarkt nahezu vollständig mit Geothermie und Photovoltaik beheizt werden. Projektpartner ist Zauner Developments.  

Die zwei Wohn- und Gewerbegebäude „Karl“ und „Lotta“ sollen komplett ohne fossile Energieträger wie Öl oder Gas beheizt werden. Seit wenigen Wochen sind auf der Baustelle in der Albrechtstraße spezielle Bohrer im Einsatz, die 35 Wärmesonden in die Erde bringen. Auf einen großen Bohrturm, wie er bei vielen anderen Geothermie-Projekten üblich ist, konnte verzichtet werden. Der vollautomatische Bohrer, der in Steglitz im Einsatz ist, ist deutlich kleiner und handlicher. Gerade mal zwei Personen werden benötigt, um das schwere Gerät zu bedienen.

Kombination aus Geothermie, Wärmepumpen und PV

Die Erdsonden sollen künftig eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mit konstanter Erdwärme versorgen. Fester Bestandteil des von Gasag Solutions Plus entwickelten Energiekonzepts ist zudem eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Neubaus. Zwei Luft-Wasser-Wärmepumpen sowie ein elektrischer Heizkessel fangen Spitzenlasten ab. Die Heizleistung beträgt 230 Kilowatt.

Die PV-Anlage versorgt alle Wärmepumpen mit Betriebsstrom. Auch überschüssige Solarenergie soll genutzt werden: Sie fließt direkt in die Elektroladesäulen in der Tiefgarage oder ins öffentliche Netz. Die Idee dahinter: Durch die Einspeisevergütung sollen die Heizkosten weiter sinken.

Bewohner sollen günstig und grün heizen können

Viel Geld sollen die künftigen Eigentümer der rund 65 Wohneinheiten ohnehin nicht für die Wärmeversorgung ausgeben müssen, verspricht der Projektentwickler. Um bis zu 75 Prozent niedriger als bei herkömmlichen Heizungen sollen die Heizkosten einmal ausfallen. „Karllotta“ versorgt sich in weiten Teilen selbst mit der benötigten Energie.

Das fossilfreie und innovative Energie- und Wärmekonzept könne ohne Weiteres als Blaupause für andere Projekte dienen, sagte ein Projektverantwortlicher von Gasag Solution Plus bei einem Vor-Ort-Termin in Steglitz. Die Gasag-Gruppe will mit „Karllotta“ auch mit dem Vorurteil aufräumen, dass Geothermie in dicht bebauten, urbanen Räumen schwierig einsetzbar ist. Bürgerproteste gegen die Bohrungen habe es bei dem Projekt in Steglitz nicht gegeben, so die Gasag, die das Ausbleiben auch darauf zurückführt, dass die eingesetzte Bohrtechnik von überschaubarer Größe ist.

Käufer achten auf innovative Wärmelösungen

Der Projektentwickler Zauner Developments ist jedenfalls sicher, mit dem nachhaltigen Energie- und Wärmekonzept der Gasag Solution Plus den Nerv von Immobilieninteressenten getroffen zu haben. Bei der Vermarktung sei dies ein wichtiges Argument. „Wer heute in eine Immobilie investiert, möchte bei der Energie- und Wärmeversorgung künftig sicher auf der richtigen Seite stehen.“  

Zufrieden ist man bei Gasag Solutions Plus auch mit dem Zeitplan für das Projekt. Ende August soll die Geothermieanlage stehen, im dritten Quartal 2025 soll der Rohbau abgeschlossen werden. Im ersten Quartal 2026 will die Gasag dann mit der Energielieferung für das Neubauquartier beginnen. Der Vertrag läuft über 20 Jahre, danach kann der Bauherr die Anlage übernehmen oder aber der Vertrag geht in die Verlängerung.

Senat glaubt an Notwendigkeit von Energiemix

Der Berliner Senat setzt bei der Wärmewende auf einen Mix aus erneuerbaren Energiequellen. Im vergangenen Jahr hat er die Roadmap für die Entwicklung der Tiefen-Geothermie in Berlin beschlossen. Mit einem erweiterten Bohrprogramm will das Land Berlin das Potenzial der Tiefen-Geothermie ausloten und die 3D-seismischen Messungen zur Schaffung der nötigen Planungsgrundlagen auf das gesamte Stadtgebiet ausdehnen. Das Investitionsrisiko für Unternehmen soll gesenkt werden und für einen beschleunigten Ausbau der Tiefen-Geothermie sorgen, so Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey.

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