Direkt an der Lahn, in unmittelbarer Nachbarschaft zur SWG-Gaskugel errichten die SWG ein Gebäude, in dem künftig drei Wärmepumpen arbeiten.

Direkt an der Lahn, in unmittelbarer Nachbarschaft zur SWG-Gaskugel errichten die SWG ein Gebäude, in dem künftig drei Wärmepumpen arbeiten.

Bild: © Stadtwerke Gießen

Drei Wasser-Wärmepumpen, zwei BHKW und eine Power-to-Heat-Anlage – das ist die Kombination mit der die Stadtwerke Gießen (SWG) einen Zuschlag in der iKWK-Ausschreibung der BNetzA erhalten haben. Nun beginnt die Umsetzungsphase des Großprojekts. Bis Juni 2026 soll „PowerLahn“, so der Name des Projekts, in Betrieb gehen.

Während die beiden geplanten BHKW über jeweils 4,5 MW elektrische und 4,7 MW thermische Leistung verfügen sollen, stellt das P2H-Modul, ein elektrischer Wärmekessel, 2,7 MW Wärmeleistung bereit. Die drei Wärmepumpen liefern zudem je 1,7 MW Leistung. Letztere sollen das Flusswasser der Lahn als Wärmequelle nutzen und nur von April bis September im Einsatz sein. Dann ist der Betrieb aufgrund der höheren Wassertemperaturen besonders effizient.

Realisierungszeitraum ist straff und es drohen hohe Strafen

Noch immer trauen sich viele Energieversorger nicht auf das Terrain der iKWK – bisher waren alle Ausschreibungen in diesem Segment unterzeichnet. Die Stadtwerke Gießen haben allein 40 Prozent des in der damaligen Ausschreibungsrunde ausgeschütteten Etats bekommen. Gründer für die schwache Nachfrage gibt es viele: Angefangen bei den hohen technischen Anforderungen an den Technologie-Mix. So muss das P2H-Modul mindestens 30 Prozent der thermischen Leistung der BHKW bereitstellen. Zudem müssen die Wärmepumpen so ausgelegt und gefahren werden, dass sie mindestens 35 Prozent der Wärmemenge pro Jahr erzeugen, die in den BHKW entsteht.

Hinzu kommt der strenge Zeitplan, den die iKWK-Förderung für die Realisierung der Vorhaben vorsieht: Wird die Anlage nicht binnen 48 Monaten nach der Bekanntgabe des Zuschlags in Dauerbetrieb genommen, muss der Bieter dem zuständigen Übertragungsnetzbetreiber eine Pönale zahlen. Die Stadtwerke Gießen sehen bei dieser Frist besonders einen Faktor kritisch: Mit iKWK würden nicht nur die SWG Neuland betreten, sondern auch die zuständigen Behörden. Die Tatsache, dass mit der Lahn auch eine Bundeswasserstraße ins Spiel kommt, verkompliziere die Angelegenheit zudem, heißt es aus Hessen. „Wir haben von Anfang an auf maximale Transparenz gesetzt, stehen mit allen Beteiligten in sehr engem Kontakt und tauschen Informationen schnellstmöglich aus“, beschreibt Jens Schmidt, Kaufmännischer Vorstand der SWG das Vorgehen.

Weiterer Anlagenpark wird modernisiert für Klimaneutralität bis 2035

Dass die Gießener diesen enormen Aufwand betreiben, hat einen einfachen Grund. „Wir verfolgen schon seit vielen Jahren das Ziel, den Einsatz fossiler Brennstoffe bei der Produktion unserer Fernwärme kontinuierlich zu reduzieren. Wenn es nicht PowerLahn geworden wäre, hätten wir uns etwas anderes, ähnlich Klimaschonendes ausgedacht“, erklärt Matthias Funk, Technischer Vorstand der SWG. Denn tatsächlich steht bei den SWG in den nächsten Jahren die Modernisierung von Teilen des Anlagenparks an – konkret gilt es, zwei Gasturbinen und zwei Dampfkessel zu ersetzen. „So gesehen kam die Förderung für iKWK-Anlagen für uns genau zur rechten Zeit“, erinnert sich Jens Schmidt. Bis 2035 will die hessische Stadt klimaneutral sein. (lm)

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