Die grüne Wärmerzeugung ist stärker von externen Effekten und vielfältigeren Kriterien abhängig. Das gilt insbesondere auch für die Wärmepumpe.

Die grüne Wärmerzeugung ist stärker von externen Effekten und vielfältigeren Kriterien abhängig. Das gilt insbesondere auch für die Wärmepumpe.

© Adobe Stock/Robert Poorten

In den bisherigen Preissystemen basiert der Wärmepreis auf wenigen stabilen Annahmen und lässt sich über die Energieträgerkosten abbilden. In der neuen Energiewelt spielt die grüne Wärmeerzeugung aber eine wachsende Rolle. Diese Wärme ist hingegen stärker von externen Effekten und vielfältigeren Kriterien abhängig. "Das bisherige Preissystem passt deshalb nicht mehr zur neuen Erzeugungsrealität", erklärte Bianca Lehmann, Managerin bei Conenergy Consult, bei einem Panel im Rahmen des Tags der Kommunen zum Ende der Branchenmesse E-World in der vergangenen Woche.

Die klassische Preisänderungsklausel lasse weder eine Dynamik in der Erzeugung zu, noch biete sie Preisanreize für den Kunden. Deshalb seien neue disruptive Ansätze erforderlich, um von den "altbackenene Preisgleitformeln" wegzukommen. Zukünftige Preissysteme müssten stärker die Randbedingungen der Erzeugung mit abbilden.

Neue Einflussgrößen

Zu den zentralen Faktoren, die die Erzeugung grüner Wärme beeinflussten, zählten unter anderem:

Die Quelltemperatur etwa bestimme maßgeblich die Effizienz bei Wärmepumpen und variiert je nach Wärmequelle (Grundwasser, Fluss, Erdreich).

Die erforderliche Vorlauftemperatur im Netz steige zudem bei niedrigen Außentemperaturen an. Sie reduziert die Effizienz der Wärmepumpe und führt zu höherem Strombedarf.

Saisonale Effekte:
Im Winter übersteigt der Bedarf  oft die Leistung der Wärmepumpe, sodass Brennstoffe zur Deckung der Spitzen eingesetzt werden müssten.

Drei Ideen für zukünftige Preissysteme

Drei mögliche Modelle, wie der Wärmepreis diesen Randbedingungen künftig mehr Rechnung tragen könnte, stellte im Anschluss Johannes Predel, Projektleiter bei Conenergy Consult, vor.

a) Sommer-/Winterpreis: In diesem Modell wird das Jahr in einen Sommer- und einen Winterpreis aufgeteilt. Durch die Trennung können saisonale Preisreihen genutzt werden und die Preisänderungsklausel bildet die tatsächliche Erzeugung besser ab.

Für den Kunden entsteht so ein besseres Verständnis für die Eigenheiten der Wärmeerzeugung. Das erleichtert auch das Verständnis für die Preisbildung und die Kommunikation mit dem Kunden.

b) Temperaturabhängige Preise: In diesem Modell werden typische Effizienz- und Erzeugungssituationen festen Preiszonen zugeordnet. Das Ganze ist an das Preismodell des EVUs "Stockholm Exergi" angelehnt.

Der Grundgedanke: In Abhängigkeit von der Außenluft-Temperatur verändert sich die Fahrweise der Erzeugung. Die Veränderung der Fahrweise sorgt für unterschiedliche Erzeugungskosten, je kälter, desto teurer.

Jede Zone erhält ein spezifisches Wärmepreisniveau inklusive Preisänderungsklausel, das die realen Erzeugungskosten besser repräsentiert.

c) Day-Ahead-Preis: In diesem Modell werden stündlich prognostizierte Kosten genutzt, um einen tagesaktuellen Wärmepreis abzuleiten.

Die Funktionsweise: Anhand von Wetter-, Temperatur- und Preisprognosen können tagesaktuelle Wärmepreise abgebildet werden. Die täglichen Preisdifferenzen können einen Anreiz zur Flexibilisierung bieten und so das System zusätzlich entlasten.

Zusätzlich könnten Verbraucher zum Sparen ermutigt werden, da ihr Verhalten einen starken Einfluss auf die Kosten der Wärmeversorgung haben könnten.

Für den Verbraucher bringt der Day-Ahead-Preis die größte Preistransparenz und ermöglicht einen individuellen Einfluss auf die jeweiligen Kosten.

"Preissysteme müssen kein starres Konstrukt sein, sondern können zielorientiert angelegt werden", resümierte Johannes Predel. Jedes Wärmenetz sei unterschiedlich und stehe vor anderen Herausforderungen. Der Nutzenzuwachs neuer Modelle mit steigendem Innovationsgrad unterscheide sich daher stark.

Risikominimierung beim EVU und mehr Transparenz für den Kunden

Grundsätzlich werde der Innovationscharakter von neuen Preissystemen bei der Wärmewende aber noch unterschätzt. Versorger seien immer mehr Einflussgrößen ausgesetzt, die sie nicht beeinflussen könnten. "Ohne Veränderungen kann es zu starken Differenzen zwischen Kosten und Erlösen kommen", so Predel. Die Berücksichtigung der Randbedingungen in der Preisgestaltung sorge somit für eine Risikominimierung bei der Kostendeckung.

Besondere Vorteile sieht Predel für den Kunden. Mithilfe der skizzierten Modelle könne das Preissystem besser als Kommunikationsmittel dienen, um die Wechselwirkungen bei der Wärmeversorgung darzustellen. "Hierdurch entsteht nicht nur eine höhere Transparenz, sondern ein Anreiz, die Kosten durch eigenes Handeln zu beeinflussen."

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