Von Jena bis Munster: Zwei Stadtwerke modernisieren ihre Fernwärme

Setzen den Schlussstein für das Projekt Dampfnetzablösung (von links): Stadtwerke Energie Geschäftsführer André Sack, Stadtwerke Jena Netze-Geschäftsführerin Kristin Weiß und Stadtwerke-Projektleiter Christoph Krauße.
Bild: © Sandra Werner/Stadtwerke Jena
Von Julian Korb
Die Wärmewende in Deutschland nimmt Fahrt auf. Zwei aktuelle Projekte verdeutlichen unterschiedliche Ansätze: So haben die Stadtwerke Energie Jena-Pößneck ihr Dampfnetz in Jena-Süd nach sechs Jahren Planung und Umsetzung stillgelegt. Statt bis zu 320 Grad Celsius heißen Dampf transportiert das Netz nun Wasser mit maximal 130 Grad Celsius.
Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, um Fernwärme künftig aus erneuerbaren Energien statt fossilem Erdgas bereitzustellen. Die Stilllegung des Dampfteils ist eine der größten Änderungen im Jenaer Fernwärmenetz seit Ende der 1990er-Jahre und die erste konkrete Maßnahme für eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2040.
Zweitägige Fernwärmeunterbrechung
Das sieben Kilometer lange Teilnetz versorgte rund neun Gewerbe- und Industriekunden, die Dampf sowohl zum Heizen als auch in der Produktion nutzten. Da die Nachfrage nach Prozessdampf stark zurückgegangen war und Hochtemperaturnetze für erneuerbare Energien ungeeignet sind, war die Umstellung auf Heißwasser notwendig.
Insgesamt wurden 24 Einzelmaßnahmen umgesetzt: neue Rohrleitungen, zwei vollständig umgebaute Wärmeübertragerstationen sowie die Neuanlage eines komplexen Leitungsknotens. Die Arbeiten stellten die Stadtwerke vor besondere Herausforderungen. Während der Bauphase musste eine mehrmonatige Ersatzversorgung für die Dampfkunden aufrechterhalten werden, Rohrbrückenarbeiten erfolgten nur in engen Zeitfenstern, die durch Gleissperrungen der Deutschen Bahn vorgegeben waren. Mitte Mai kam es während der Einbindung der neuen Leitungsabschnitte ins Bestandsnetz zudem zu einer zweitägigen Fernwärmeunterbrechung für rund 12.000 Haushalte – ein Novum in der jüngeren Unternehmensgeschichte.
Die Investitionen für das Gesamtprojekt betragen rund 6,8 Millionen Euro, davon rund 3,4 Millionen Euro allein im Jahr 2025. Weitere Maßnahmen sind für 2027/2028 geplant. Parallel treiben die Stadtwerke den Ausbau und die Verdichtung des Fernwärmenetzes sowie die Dekarbonisierung der Erzeugung aktiv voran. Die Wärmenetzstrategie sieht vor, die Fernwärme in Jena bis 2040 klimaneutral zu erzeugen.
Herzstück der grünen Wärmeversorgung angekommen: Die großtechnische Wärmepumpe beliefert ab Ende 2025 die Neubauten des Quartiers Munster-Breloh.
Bild: © Frank Görner/EWE
Nahwärme für neues Quartier
Zweites Beispiel: Im niedersächsischen Munster entsteht derzeit ein neues Quartier, das von Anfang an auf eine klimafreundliche Wärmeversorgung setzt. Eine zentrale Luft-Wasser-Großwärmepumpe mit rund 300 Kilowatt Leistung bildet das Herzstück eines mittelwarmen Nahwärmenetzes, das ab Ende 2025 erste Gebäude im Teilbetrieb versorgt. Der Vollbetrieb für rund 70 Gebäude ist bis 2027 vorgesehen.
Das Nahwärmenetz arbeitet mit gleitenden Vorlauftemperaturen zwischen 20 und 42 Grad Celsius. Durch die niedrigeren Temperaturen lassen sich Netzverluste minimieren und die Effizienz der Wärmepumpe deutlich steigern. Die Wärmeübergabe erfolgt in jedem Gebäude über eine Hausstation mit Niedertemperatur-Heizkreis. Das Trinkwasser wird dezentral in den Gebäuden mittels kompakter Brauchwasserwärmepumpen auf etwa 60 Grad Celsius erwärmt; die Energie bezieht die Wärmepumpe aus dem Nahwärmenetz, unterstützt durch Strom aus der Photovoltaikanlage vor Ort.
Die Quartiersentwicklung wird von der Gesellschaft für Entwickeln und Bauen (GEB) gesteuert, während der Oldenburger Energieversorger EWE die Planung, technische Umsetzung und den Betrieb der Wärmepumpenanlage übernimmt. Parallel dazu baut die EWE Netztocher außerdem ein neues Stromnetz.
"Munster zeigt beispielhaft, wie innovative Quartierslösungen den Wärmesektor verändern können", sagt Dieter Michael Beier, Projektleiter Quartierslösungen bei EWE Vertrieb. "Mit der Kombination aus zentralem Wärmenetz mit Wärmepumpe zur Beheizung und Warmwasserbereitung schaffen wir eine zukunftsfähige, klimafreundliche Lösung für die Menschen vor Ort." Durch Einbindung der hauseigenen Photovoltaikanlage werde zudem der Autarkiegrad erhöht.


