Auch für Bestandsbauten eignen sich Wärmepumpen.

Auch für Bestandsbauten eignen sich Wärmepumpen.

Bild: © Viessmann

Sandro Roman

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Die Wärmepumpe hat sich in den vergangenen Monaten als meistverkauftes Heizsystem etabliert. Damit rangiert erstmals ein erneuerbares Heizsystem an der Spitze des deutschen Heizungsmarkts. Sandro Roman, Produktmanager Wärmepumpe, Solar und Warmwasserspeicher beim Hersteller Viessmann, spricht im Interview über die technische Entwicklung, die Arbeitsschwerpunkte der Branche in den kommenden Jahren, aber auch über die weit verbreiteten Vorurteile, dass Wärmepumpen ungeeignet für den Einsatz im Bestandsbau seien.

Nach einer Absatzkrise 2024 ist die Wärmepumpe wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Kann sie sich im Wärmemarkt durchsetzen, auch falls die Förderung gekürzt oder ganz gestrichen wird? Welche Förderung ist aus Ihrer Sicht nötig?

Die aktuellen Zahlen des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (bdh) für das erste Halbjahr 2025 belegen, dass die bestehende Förderlandschaft den Ausbau von Wärmepumpen maßgeblich vorantreibt. Eine Forsa-Umfrage bestätigt zudem die hohe Zufriedenheit der Nutzer: 67 Prozent sind sehr zufrieden und 29 Prozent eher zufrieden mit ihrer Wärmepumpe als Alternative zum vorherigen Heizsystem. 96 Prozent würden sich rückblickend erneut für eine Wärmepumpe entscheiden. Damit etabliert sich die Wärmepumpe als bewährte Klimalösung im Gebäudesektor, die in Kombination mit intelligenten Energiemanagementsystemen und Stromspeichern die Energiekosten langfristig senken und so ihre Attraktivität für Verbraucher:innen weiter steigern kann.

Um diesen positiven Wachstumstrend beizubehalten, ist ein verlässlicher politischer Rahmen unerlässlich. Dieser ist entscheidend, um die Energiewende zu beschleunigen und das Ziel von jährlich 500.000 installierten Wärmepumpen zu erreichen. Die Branche befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel von fossilen zu regenerativen Heizsystemen. Eine staatliche Unterstützung in dieser Übergangsphase ist notwendig, bis sich die Wärmepumpe flächendeckend – insbesondere auch in der Modernisierung – etabliert hat. Erst dann können Förderungen schrittweise reduziert und die Kosten kompensiert werden.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Innovationsgeschwindigkeit bei Wärmepumpen? Sehen wir in den kommenden zehn Jahren deutliche Effizienzverbesserungen?

Die Innovationsgeschwindigkeit ist derzeit sehr hoch, angetrieben durch den politischen Druck zur Dekarbonisierung und die damit in Verbindung stehende hohe Marktnachfrage in den nächsten Jahren.
Die Branche befindet sich in einer Phase rasanter Entwicklung. Der Fokus liegt auf der Systemintegration und der Leistungssteigerung bei extremen Bedingungen, also sehr tiefe Außen- und hohe Vorlauftemperaturen.
Wir werden in den kommenden zehn Jahren kontinuierliche, wenn auch inkrementelle Effizienzverbesserungen sehen. Ein großer Sprung beim SCOP (saisonaler Leistungskoeffizient) ist unwahrscheinlich, da die Technologie physikalischen Grenzen unterliegt. Effizienzgewinne kommen aber aus dem optimierten Teillastbetrieb (verbesserte Inverter-Technologie, die den SCOP im häufigsten Betriebszustand maximiert), besseren Systemkomponenten (optimierte Ventilatoren, Verdichter und Wärmetauscher) sowie intelligenter Regelung. Die größte Steigerung kommt oft aus der Abstimmung von Wärmepumpe, PV, Batteriespeicher, Wallbox, Gebäude und Wetter.

Wie gut sind moderne Wärmepumpen für die energetische Sanierung von Altbauten geeignet? 

Gerade beim Thema Wärmepumpe im Bestand haben sich so manche Vorurteile festgesetzt. So glauben viele, dass eine Wärmepumpe im Altbau nicht funktioniert – vor allem nicht effizient läuft. Das stimmt so nicht. Moderne Wärmepumpen schaffen Vorlauftemperaturen von bis zu 75 Grad Celsius. Damit können klassische Heizkörper gut umgehen und die Räume entsprechend mit Wärme versorgen. 

Natürlich zahlt sich der Austausch von alten Heizkörpern immer aus. Dafür muss es aber nicht unbedingt eine Fußbodenheizung sein. Bereits mit Niedertemperatur-Heizkörpern kann der Einsatz einer Wärmepumpe ohne Fußbodenheizung im Bestand sinnvoll sein. Diese können vornehmlich mit niedrigen Systemtemperaturen im Vorlauf von rund 35 bis 45 Grad Celsius sehr gut umgehen. Trotz dieser niedrigen Vorlauftemperaturen erreichen sie die gleiche Heizwirkung wie die alten Radiatoren.

Gibt es neue Kältemittel oder Arbeitsmedien, die in den kommenden Jahren eine Rolle spielen werden? 

Ja, der Markt erlebt einen massiven Wandel bei den Kältemitteln, hauptsächlich getrieben durch die EU-F-Gase-Verordnung (F-Gase-V) und Fokus auf ein geringes GWP (Global Warming Potential). Propan (R290) wird in den kommenden Jahren im Wohngebäudesektor die dominierende Rolle einnehmen, da es eine umweltfreundliche und hocheffiziente Lösung bietet.

Welche Fortschritte gibt es bei der Geräuschreduzierung, insbesondere für den Einsatz in dicht besiedelten Wohngebieten?

Die Geräuschreduzierung ist aktuell eines der wichtigsten Entwicklungsfelder, um die Akzeptanz von Luft/Wasser-Wärmepumpen zu erhöhen. Neue Modelle verfügen über größere, schalloptimierte Ventilatoren. Diese laufen mit geringerer Drehzahl und besitzen spezielle Schaufelgeometrien, die den Geräuschpegel weiter senken. Die Schallkapselung erfolgt durch fortschrittliche Dämmung und die vollständige Kapselung des Verdichters sowie des Kältekreises. Häufig wird dies mit einem schalloptimierten Gerätegehäuse kombiniert. Im Nachtbetrieb bieten moderne Wärmepumpen spezielle Modi an, in denen die Leistung reduziert wird. Dank hoher Effizienz von Propan-Wärmepumpen können kleinere oder effizientere Komponenten eingesetzt werden. Dies trägt dann indirekt dazu bei, dass die Geräuschentwicklung sinkt.

Welche Trends sehen Sie bei der Digitalisierung und Steuerung von Wärmepumpen – zum Beispiel im Hinblick auf Smart-Home-Integration oder Fernwartung?

Dieser Bereich erlebt die wahrscheinlich größten qualitativen Sprünge. Die Digitalisierung transformiert die Wärmepumpe von einem einfachen Heizgerät in ein intelligentes Home Energy Management System (HEMS). Intelligente Steuerungen optimieren den Betrieb der Wärmepumpe, um möglichst viel selbst erzeugten PV-Strom zu verbrauchen. Auch die Fähigkeit der Wärmepumpe, auf Signale des Stromnetzes zu reagieren, wird entscheidend sein. Dies ermöglicht netzdienlichen Betrieb und kann zu günstigeren, variablen Stromtarifen führen. Nahezu alle neuen Anlagen sind internetfähig. Dies ermöglicht es Fachbetrieben, Fehlerdiagnosen und Systemoptimierungen aus der Ferne durchzuführen. Das wiederum senkt Wartungskosten und Reaktionszeit. 
Die Anbindung an Smart-Home-Systeme wie KNX, Apple Home-Kit oder Google Home und die Berücksichtigung von Wettervorhersagen für vorausschauendes Heizen sind Standard geworden. Als Fazit lässt sich festhalten: Die Zukunft der Wärmepumpe ist nicht nur effizient, sondern auch intelligent vernetzt.

Das Interview führte Jürgen Walk

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