Von Hans-Peter Hoeren
550 Millionen Euro müssten die Stadtwerke Konstanz allein für die erforderlichen Investitionen in die Wärmewende in den nächsten Jahren aufbringen. Da er das aus eigener Kraft nicht stemmen kann, setzt der Kommualversorger vom Bodensee auf externe Projektpartner und Investoren. Mit der Iqony Energies aus Saarbrücken können die Stadtwerke nun den ersten Wärmeverbund umsetzen. Die Weichen hierfür hat der Konstanzer Gemeinderat vor wenigen Tagen gestellt, bis Ende des Jahres soll eine Projektgesellschaft mit dem Namen "Wärmeversorgung Bodensee-Therme GmbH" gegründet werden, an der beide Partner künftig je 50 Prozent halten werden.
Die Investitionssumme für dieses Projekt liegt bei rund 20 Millionen Euro, es geht um eine Jahresmenge von 14 rund Gigawattstunden Wärme. Die gemeinsame Gesellschaft soll rund um die Bodensee -Therme einen Wärmeverbund aufbauen, im Fokus stehen dabei vor allem drei Ankerkunden. Der Wärmeverbund wird zum allergrößten Teil mit Umweltwärme aus dem Bodensee regenerativ versorgt (Seethermie). Die Temperatur der Wärme aus dem Gewässer wird dabei anschließend durch Großwärmepumpen erhöht.
Engmaschige Bewertungsmatrix
"Wir haben diesen Prozess sehr sorgfältig vorbereitet und durchgeführt", sagt Gordon Appel, der gemeinsam mit Norbert Reuter, die Geschäftsführung der Stadtwerke Konstanz bildet. Vorausgegangen war ein Markterkundungsverfahren. Sein Ziel sei es gewesen, einen Partner auf Augenhöhe zu finden, der einerseits als Investor fungiert, aber auch das entsprechende technische Know-how mitbringt.
Bei dem Markterkundungsverfahren wurden zunächst mögliche Kooperationspartner identifiziert und eine Auswahl für den bevorzugten Kooperationspartner anhand einer engmaschigen Bewertungsmatrix getroffen. Dabei wurden verschiedenste Gesichtspunkte, wie beispielsweise Finanzen und Beteiligungsstrukturen einbezogen. "Der Aufsichtsrat der Stadtwerke sowie der Gemeinderat waren dabei stets eng eingebunden und trafen die Letztentscheidung", so Appel weiter.
Markterkundungsverfahren für weiteren Wärmeverbund läuft bereits
Der Kommunalversorger aus Baden-Württemberg will in den nächsten Jahren in mehreren Gebieten der Stadt parallel Wärmeverbünde errichten. Nachdem der Einstieg der Thüga als Gesellschafter bei einer möglichen Energietochter der Stadtwerke Konstanz aufgrund eines zu geringen Rückhalts in der Kommunalpolitik vor rund zwei Jahren verworfen wurde, hat man die Beteiligungsstrategie für die Wärmewende neu justiert.
Für die einzelnen Projekte sollen Kooperationspartner ins Boot geholt werden, um die Last organisatorisch wie finanziell auf mehreren Schultern zu verteilen, heißt es in der Pressemitteilung. Der Aufbau des Wärmeverbundes rund um die Bodensee-Therme Konstanz ist das erste Projekt, bei dem eine solche Projektgesellschaft ausgegründet werden soll.
Das zweite Markterkundungsverfahren für das Neubaugebiet "Hafner" in Konstanz – dort entsteht ein komplett neuer Stadtteil – hat laut Appel bereits begonnen und soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Ziel der Stadtwerke Konstanz ist es in den Kooperationen mit den Projektpartnern rund um die großen Wärmewendeprojekte sukzessive ein entsprechendes Know-how rund um die Projektierung, Realisierung und den Betrieb von Wärmenetzen im Unternehmen aufzubauen.



