Cornelius Herb ist Geschäftsführer des Projektentwicklers Regpower.

Cornelius Herb ist Geschäftsführer des Projektentwicklers Regpower.

Bild: @ Regpower

Viele Biogasanlagen fallen in den nächsten Jahren aus der EEG-Förderung. Ein Biogas-Cluster ist da oft die einzige Möglichkeit, sie weiterzubetreiben. Clusterung bedeutet hier: Eine bestimmte Anzahl bestehender Biogasanlagen schließt sich zusammen und transportiert das Biogas über eine Rohbiogassammelleitung zu einer zentralen Aufbereitungsanlage. Das dort erzeugte Biomethan wird ins Erdgasnetz eingespeist. Der Regensburger Projektentwickler Regpower berät bei der Clusterung und agiert auch als Clustermanager. Geschäftsführer Cornelius Herb über die Kennzahlen, die zu beachten sind.

Herr Herb, Sie prüfen gerade, ob die Infrastruktur der niederbayerischen Landkreise Altötting, Mühldorf am Inn und Rotal-Inn für die Clusterung geeignet ist. Was kam heraus?

Wir haben testweise insgesamt acht Cluster gebildet. Nur einer hatte die Voraussetzungen, aus sich heraus rentabel zu werden. Mit einer Förderung über das Programm "Biometh Bayern" oder die neue Bundes-Richtlinie zur "Förderung von Investitionen in emissionsmindernde Maßnahmen bei der Vergärung von Wirtschaftsdüngern" ließen sich drei bis fünf Cluster bilden.

Wann genau steht die Clusterung auf solidem Fundament? Worauf achten Sie da?

Eine untergeordnete Rolle spielt die Nähe zum Erdgasnetz. Es ist nur selten so weit von jeder Biogasanlage im Cluster entfernt, dass es sich nicht lohnen würde, eine Leitung dorthin zu legen. Viel wichtiger ist die Energiedichte in der Region oder anders ausgedrückt: das Investitionsvolumen im Verhältnis zur Energie.

Ein Cluster sollte pro Stunde vorzugsweise mehr als 1000 Normkubikmeter reines Biomethan ins Erdgasnetz einspeisen. Ab diesem Wert stellt sich eine ordentliche Kostendegression ein. Die ganze Infrastruktur bedeutet ja einen gewissen finanziellen Grundaufwand. Alles – der Verdichter, die unterschiedlichen Filter – wird nur einmal gebraucht. Je größer die Einspeisemengen, desto stärker die Kostensenkungseffekte. Ideal ist der Bereich zwischen 1500 und 2000 Nm³/h*. Aber Vorsicht: Über 2000 Nm³/h wird es wieder schlechter. Da stößt die Standardtechnik an ihre Grenzen.

Ein Cluster sollte pro Stunde vorzugsweise mehr als 1000 Normkubikmeter reines Biomethan ins Erdgasnetz einspeisen.

Was sind weitere wichtige Kennzahlen?

Ich schaue mir immer den Substratmix in der Region an. Viel Wirtschaftsdünger – Gülle, Jauche, Mist – begünstigt die Clusterbildung. Haben die Biogasanlagen im Schnitt einen Anteil von mehr als 20 Prozent Wirtschaftsdünger, sieht es gut aus. Denn Biomethan ist preislich nicht Biomethan. Anders als bei der Biogas-Verstromung, wo es unabhängig vom eingesetzten Substrat feste Tarife gibt, bewegen wir uns beim Erdgasnetz am freien Markt.

Der Preis hängt vom Substrat ab. Auf Wirtschaftsdünger-Biogas basierendes Biomethan bekommt, weil Gülle und Co. den kleinsten CO2-Fußabdruck haben, die höchste Treibhausgasminderungsquote. Entsprechend ist der Preis, derzeit 13 Cent pro Kilowattstunde (KWh), viel höher als der für Biomethan, das auf Nawaro-Biogas basiert. Da gibt es aktuell 7,5 Cent/KWh.

Was ist der größte Kostentreiber?

Der Bau der Rohbiogassammelleitung. Der Meter Trasse kostet um die 165 Euro. Da sind wir bei einem 10-Kilometer-Transportnetz bei 1,65 Millionen Euro. Wichtig an dieser Stelle: Die Leitungen können ruhig länger sein. Sagen wir: 70 Kilometer. Ein solches Leitungsnetz ist genauso wirtschaftlich – sofern viel Biogas durchfließt. Das ist der entscheidende Punkt.

Wir haben eine Kennzahl dafür ausgerechnet: Es sollten mehr als 350 Kubikmeter Gas pro Meter Leitungstrasse sein. Solche Kennzahlen sind aber nicht als Muss-Kriterien zu verstehen, viele Wege führen zum Ziel. Kommt eine Region auf einen Wirtschaftsdüngeranteil von 50 Prozent, ist es kein Problem, wenn es nur 300 Kubikmeter Gas pro Meter Leitungstrasse sind. Die Region eignet sich dennoch für einen Cluster.

Kommen wir zum Ablauf: Wie gehen die beteiligten Akteure am besten vor?

Vor der Finanzierung sollte es eine Interessentenabfrage geben. Ich empfehle, Betriebe mit hohem und konstantem Wärmebedarf anzusprechen. Dann braucht es noch die Potentzialanalyse. Je mehr Biogasanlagen mitmachen, desto besser. Es können aber nur die geeigneten dabei sein, die mit hoher Gasleistung und viel Wirtschaftsdünger. Kleine Anlagen mit weiten Wegen passen in der Regel nicht. Ausnahme: Sie liegen in der Nähe der geplanten Trasse. Dann sollten sie doch Teil des Clusters sein.

Und das Finanzielle?

Die Beteiligten sollten eine gemeinsame Gesellschaft gründen und diese finanziell so ausstatten, dass die Planungskosten bis zur Baureife abgedeckt sind. Von Anfang an braucht es eine bankentaugliche Wirtschaftlichkeitsrechnung. Bei der Kalkulation des erwarteten Biomethanpreises ist auf eine neutrale Beratung zu achten. Anlagenhersteller neigen dazu, übertrieben positive Biomethankalkulationen aufzustellen.

Welche Fehler sind sonst noch zu vermeiden?

Bloß keine übereilte Gasnetzanfrage stellen! Der Netzanschlussvertrag sollte erst unterschrieben werden, wenn geklärt ist, welche Anlage wie viel Biogas liefern kann. Wichtig ist auch, dass sich Cluster-Gesellschaft und Gasnetzbetreiber gut abstimmen, besonders beim Genehmigungsverfahren. Beide müssen ihr jeweiliges Gewerk parallel in die Genehmigung bringen. Es nützt nichts, wenn der eine die Genehmigung schon hat und der andere trödelt und noch ein Jahr dafür braucht. Absprachen sparen enorm viel Zeit und damit Zwischenfinanzierungskosten.

In den letzten Jahren fielen die Biomethanpreise konstant und sind derzeit komplett im Keller.

Die Biogasbranche verfolgt gebannt die politischen Entwicklungen: Eckpunktepapier mit Biogastreppe, das kommende Gebäudemodernisierungsgesetz. Erwarten Sie eine baldige Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Clusterbildung?

Auf jeden Fall. In den letzten Jahren fielen die Biomethanpreise konstant und sind derzeit komplett im Keller. Nehmen wir Biomethan aus Wirtschaftsdünger-Biogas: Während Pandemie und Energiekrise gab es verrückte Preisspitzen von 50 Cent. Dann ging es auf 15 bis 20 Cent runter, jetzt sind wir bei 13 Cent. Das Gebäudemodernisierungsgesetz sorgt für eine erhöhte Nachfrage. Steigt diese, steigt auch der Preis. Wer einen Cluster aufbaut, sollte mit einer erwartbar positiven Preisentwicklung in den nächsten Jahren planen.

In welcher Rolle sehen Sie die Energieversorger?

In einer zentralen. Stadtwerke haben viel Erfahrung mit Gasnetzen und wären aus meiner Sicht auch gut beraten, Cluster in den Blick zu nehmen – schließlich würden diese den Weiterbetrieb ihrer Gasnetze absichern. Zwar scheint das Interesse der Branche, in Rohgassammelnetze zu investieren, derzeit noch nicht allzu groß, aber das kann sich schnell ändern. Für mich sind Stadtwerke der natürliche Partner bei Planung, Errichtung und Betrieb von Clustern.

*Erläuterung: Nm³/h steht für den Gasdurchfluss pro Stunde unter Standardbedingungen – Temperatur: 0 °C, Druck: 1013 hPa. Der Normwert macht Anlagen vergleichbar. Etwas anderes ist der tatsächliche Gasdurchfluss m³/h.

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