Von Frank Urbansky
Bis spätestens 2028 müssen alle Kommunen in Deutschland entsprechende Pläne vorlegen, um die Grundlage für eine klimaneutrale Wärmeversorgung zu schaffen. Doch der Weg dorthin ist teuer. Nicht nur kleinere Städte und Gemeinden sehen sich mit enormen Investitionsbedarfen konfrontiert – und stellen sich die Frage: Wer soll das eigentlich bezahlen?
Die Umstellung auf klimafreundliche Wärmeversorgung ist teuer. Der Deutsche Städtetag beziffert den Investitionsbedarf für den Umbau der Wärmenetze auf rund 100 Milliarden Euro. Die Stadt Leipzig allein plant mit drei Milliarden Euro für die Dekarbonisierung ihres Fernwärmesystems. Gleichzeitig hat der Bund (jedenfalls noch die Ampel) bisher nur 2 bis 3 Milliarden Euro an Unterstützung zugesagt, für das gesamte Bundesgebiet, also ein Tropfen auf den heißen Stein.
Der Druck steigt
Was will die neue Regierung hier anders machen? Nicht viel: Sie will die Bundesförderung effizienter Wärmenetze (BEW) gesetzlich absichern und ausbauen, einschließlich einer Aufstockung der Mittel. Die Fernwärme- und Wärmelieferverordnung soll modernisiert, Verbraucherinteressen stärker berücksichtigt und die Preisaufsicht gestärkt werden. Das ist also nichts neues. Als zentrales Element der Wärmewende wird weiterhin die kommunale Wärmeplanung gesehen, die auf Umsetzbarkeit und Planungssicherheit ausgerichtet ist. Auch das ist bekannt. Immerhin: Darüber hinaus ist ein Investitionsfonds geplant, der öffentliche Bürgschaften mit privatem Kapital kombiniert, um Wärmenetze und Infrastrukturprojekte besser finanzieren zu können.
Viele Kommunen sehen sich dennoch außerstande, die Wärmewende aus eigener Kraft zu stemmen. Besonders für kleinere Städte ohne eigene Stadtwerke fehlt es oft an Kapazitäten, Know-how und Mitteln. Gerade im ländlichen Raum sei die Wärmeversorgung bislang sehr heterogen organisiert, vielerorts fehle es an geeigneter Infrastruktur, so Markus Kachel, Rechtsanwalt und Partner der auf Energie- und Infrastrukturrecht spezialisierten Kanzlei BBH.
Der Druck steigt. Denn auch der Betrieb bestehender Netze muss künftig klimaneutral erfolgen – was wiederum Investitionen in erneuerbare Wärmeerzeuger, wie Solarthermie, Großwärmepumpen oder Abwärmequellen, erfordert.
Ziele kaum erreichbar
Laut einer Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) halten gut zwei Drittel (67 %) der kommunalen Energieversorger das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 unter den aktuellen Rahmenbedingungen für unrealistisch. Die (gut bekannten) Gründe: hohe Kosten, unklare Förderwege, übermäßige Bürokratie.
Besonders hoch ist demnach der Investitionsbedarf bei Stromnetzen (66 %) und Fernwärme (50 %). 90 Prozent der Stadtwerke sehen unter den aktuellen Rahmenbedingungen keine bezahlbaren Energiepreise, 54 Prozent Zuschüsse zu den Netzentgelten. Auch die Energiekosten für Haushalte bleiben ein Problem – insbesondere Fernwärme gilt in Deutschland als teuer. 2024 stiegen die Preise um weitere 27 Prozent, auf 15,10 Cent pro Kilowattstunde.
Die Versorger fordern deshalb eine stärkere Unterstützung durch Bund und Länder. Besonders oft genannt werden eine Senkung der Stromsteuer, Zuschüsse zu den Netzentgelten und neue Finanzierungsmodelle wie ein Energiewendefonds.
Unsichere Finanzierung
Tatsächlich gibt es auf Bundesebene einige Programme, die Kommunen bei der Wärmewende unterstützen sollen – etwa die eingangs genannte Förderung im Rahmen der BEW oder des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWKG). Auch Länder können Mittel bereitstellen. Doch der Zugang zu den Förderungen ist oft bürokratisch, langsam und nicht für alle Kommunen gleichermaßen verfügbar. In Rheinland-Pfalz wurden von 170 Kommunen 114 Anträge auf Förderung gestellt – nur 47 wurden bisher bewilligt.
Und auch die wohl kommenden Kostensteigerungen für die Kunden könnten nicht die Investitionskosten für den Umbau der Wärmenetze ausgleichen. Der VKU warnt, dass fast die Hälfte der Stadtwerke keine bezahlbare Wärmeversorgung mehr gewährleisten kann. Zusätzlich erschwert der Fachkräftemangel die Umsetzung: Bis 2030 fehlen allein im SHK-Handwerk 50.000 Arbeitskräfte.
Alternative Finanzierung: Bürger, Unternehmen, Partnerschaften
Angesichts begrenzter öffentlicher Mittel setzen viele Kommunen auf neue Wege der Finanzierung. Ein Modell mit wachsender Bedeutung ist die Bürgerbeteiligung: Über Energiegenossenschaften oder Crowdfunding investieren Bürger direkt in lokale Projekte, wie etwa Wärmenetze oder Wärmeerzeuger. Das bringt nicht nur Geld, sondern auch Akzeptanz – die Menschen identifizieren sich stärker mit "ihrer" Wärmewende.
Auch öffentliche-private Partnerschaften (PPP) bieten Potenzial. Hier bringen Unternehmen Kapital und Know-how ein, Kommunen bleiben Eigentümer der Infrastruktur. Die Rendite für Investoren kommt aus langfristigen Energieverkäufen – ein Modell, das in anderen Ländern bereits erprobt wurde.
Zusätzlich lohnt sich ein Blick auf die Optimierung bestehender Netze. Intelligente Energiemanagementsysteme, Lastverschiebung oder digitale Steuerung können helfen, Netze effizienter zu betreiben – und so Investitionen gezielter und kostensparender umzusetzen. Contracting-Modelle, bei denen private Dienstleister Investitionen vorfinanzieren und sich aus den späteren Einsparungen refinanzieren, bieten hier ebenfalls eine Option.
Im nächsten Teil der Serie zeigen wir, wer bei der Erstellung des KWP im Lead ist und wer Daten liefern muss.
Hier geht es zu den bisherigen Teilen der exklusiven Serie:



