Ersatzbrennstoffe (EBS) werden aus dem Abfall von Unternehmen und Privathaushalten gewonnen. In Sachsen und Brandenburg wurden sie bisher in den großen Kohlekraftwerken wie Jänschwalde oder Schwarze Pumpe verbrannt. Doch mit dem Kohleausstieg fällt diese Möglichkeit in absehbarer Zeit weg. Allein aus Chemnitz werden pro Jahr rund 40.000 Tonnen EBS nach Jänschwalde transportiert. Um diese Sekundärrohstoffe künftig weiterhin zu verwerten, erwägt der Regionalversorger Eins Energie (Eins) laut einem Bericht des "MDR" nun den Bau einer Müllverbrennungsanlage am jetzigen Heizkraftwerk. Diese könnte Ende 2029 in Betrieb gehen.
Im Rahmen eines Gesamtkonzepts für die Fernwärme und die Stromerzeugung sei auch ein EBS-Kraftwerk "eine Handlungsoption" über die man nachdenke, bestätigt Eins-Chef Roland Warner gegenüber dem Fernsehsender. Eine konkrete Planung gebe es derzeit aber noch nicht. Erste Überlegungen sehen eine Zusammenarbeit mit dem Abfallwirtschaftsverband vor. Auch die dort anfallenden EBS werden aktuell im Kohlekraftwerk Jänschwalde verwertet. Statt den Müll über Hunderte von Kilometern woanders hinzutransportieren, könne man diesen "vielleicht gleich vor Ort verwenden", argumentiert Warner.
Kooperation mit Nachbar-Landkreisen
Die mögliche Anlage soll für 120.000 Tonnen EBS im Jahr ausgelegt sein – das übersteigt den tatsächlichen Bedarf der sächsischen Stadt deutlich. Warner geht davon aus, dass auch andere Landkreise aus dem Zweckverband, wie der Erzgebirgskreis, der Landkreis Zwickau oder der Landkreis Mittelsachsen Interesse an einer entsprechenden Kooperation haben. Auch eine Einbeziehung des Vogtlandes sei denkbar. Würde man die in all diesen Landkreisen anfallenden EBS bündeln, käme man auf über 130.000 Tonnen pro Jahr.
Der Abfallwirtschaftsverband beurteilt die Idee eines möglichen EBS-Kraftwerks der Eins grundsätzlich positiv. Angesichts der wegfallenden Verwertungskapazitäten in den Kohlekraftwerken wäre dies "eine ökologische und kostengünstige Option für die Abfallwirtschaft". Auch in Chemnitz läuft der Kohleausstieg auf Hochtouren. Bis Ende 2022 will die Eins den ersten Braunkohleblock ihres Heizkraftwerks stillegen und durch zwei Gasmotorenkraftwerke und ein Holzhackschnitzelkraftwerk zur Strom- und Fernwärmeerzeugung ersetzen. Der zweite Block soll voraussichtlich Ende 2029 abgeschaltet werden. Bereits vor zwei Jahren hatte der Regionalversorger den Bau einer Müllverbrennungsanlage an einem anderen Standort in Chemnitz geprüft, der Vorstoß scheiterte aber an Bürgerprotesten und einem negativen Votum des Stadtrates.
Müllkraftwerk der Leag in Jänschwalde soll bis 2024 stehen
Wegen der sich abzeichnenden Verwertungsengässe bei den Ersatzbrennstoffen plant auch die Leag eine neue Verbrennungsanlage und zwar im Industriegebiet Jänschwalde. Diese soll bis 2024 errichtet werden. Konkret sollen in Jänschwalde dann jährlich 480.000 Tonnen EBS und 40.000 Tonnen Klärschlamm verwertet werden. (hoe)



