Mit der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) verschärfen sich 2030 die Anforderungen an die Recyclingfähigkeit

Mit der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) verschärfen sich 2030 die Anforderungen an die Recyclingfähigkeit

Bild: © _robbie_ /stock.adobe.com

Die deutschen dualen Systeme haben im Jahr 2024 rund 5,5 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle einer Verwertung zugeführt. Das entspricht gut 90 Prozent der bei den Systemen beteiligten Verpackungen.

Diese Zahlen präsentierten die Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) und das Umweltbundesamt (UBA) Ende Januar auf ihrer gemeinsamen Jahrespressekonferenz. Die aktuellen Recyclingquoten für das Berichtsjahr 2024 räumen mit verbreiteten Mythen auf und zeigen gleichzeitig, wo weiterer Handlungsbedarf besteht.

Erfreulich entwickelte sich das Recycling von Kunststoffverpackungen. Mit einer werkstofflichen Verwertungsquote von 70,8 Prozent übertreffen die dualen Systeme die gesetzliche Vorgabe von 63 Prozent deutlich.

Bettina Rechenberg, Fachbereichsleiterin Kreislaufwirtschaft beim UBA, betont: "Diese Entwicklung freut uns besonders. Das sind fast 30 Prozentpunkte mehr als 2018. Erstmals wurden mehr als 70 Prozent der Kunststoffverpackungen dem werkstofflichen Recycling zugeführt."

Diese Zahlen widerlegen einen verbreiteten Irrtum: Viele Bürger:innen glauben, dass Verpackungsabfälle aus den Gelben Tonnen und Gelben Säcken größtenteils verbrannt werden. Tatsächlich geht jedoch mehr als die Hälfte des Inhalts ins Recycling. "Den Irrglauben, es würde sowieso alles verbrannt, können wir damit eindrucksvoll widerlegen", so Rechenberg.

Moderne Sortieranlagen als Herzstück der Kreislaufwirtschaft

Der Erfolg des Verpackungsrecyclings basiert maßgeblich auf hochmodernen Sortieranlagen, die in der Lage sind, unterschiedliche Materialien systematisch zu trennen und für das spätere Recycling aufzubereiten.

Auch bei Metallen zeigen die Recyclingquoten gute Ergebnisse: Aluminiumverpackungen erreichten 117,4 Prozent, Eisenmetallverpackungen 107,8 Prozent. Werte von über 100 Prozent kommen zustande, wenn die dualen Systeme mehr Verpackungen einer Verwertung zugeführt haben, als bei ihnen beteiligt waren. Papier, Pappe und Karton erreichten mit 91,8 Prozent ebenfalls die gesetzliche Vorgabe von 90 Prozent.

Während viele Materialfraktionen ihre Zielvorgaben erfüllen oder übererfüllen, gibt es bei Glasverpackungen, Getränkekartons und sonstigen Verbundverpackungen weiterhin Nachholbedarf. Glasverpackungen erreichten 82,9 Prozent (Vorgabe: 90 Prozent), Getränkekartonverpackungen 69,5 Prozent (Vorgabe: 80 Prozent) und sonstige Verbundverpackungen 61,5 Prozent (Vorgabe: 70 Prozent).

Beim Glasrecycling bleibt die getrennte Sammlung nach Farben entscheidend für den Recyclingerfolg. Behälterglas kann bei sortenreiner Erfassung mehrfach im Kreislauf geführt werden. "Glasrecycling bringt erhebliche Energieeinsparungen gegenüber der Neuproduktion", erklärt Rechenberg.

Fehlwürfe belasten das System

Voraussetzung dafür sei die richtige Mülltrennung. Noch immer gehe zu viel Altglas im Restmüll verloren. Das UBA hält vor allem mehr Containerstellplätze und gemeinsame Anstrengungen von Verbraucher:innen, dualen Systemen, Kommunen und Handel für nötig, um die Sammelmengen und die Recyclingquote weiter zu steigern.

Eine zentrale Herausforderung für kommunale Entsorger bleibt die Qualität der gesammelten Verpackungsabfälle. Noch immer gehören rund 30 Prozent der Abfälle in Gelben Tonnen und Gelben Säcken dort nicht hinein. Diese sogenannten Fehlwürfe müssen aufwendig aussortiert werden und können die Sortierung und Verwertung korrekt entsorgter Verpackungen beeinträchtigen.

Die gesetzliche Zielquote für das Recycling des Inhalts der gelben Tonne bezieht sich auf die gesamte Sammelmenge – inklusive Fehlwürfe und nicht recyclingfähiger Verpackungen. Die Gesamtrecyclingquote für Leichtverpackungen lag 2024 bei rund 53 Prozent und damit über der gesetzlichen Vorgabe von 50 Prozent.

Mit der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) verschärfen sich die Anforderungen an die Recyclingfähigkeit. Ab 2030 dürfen nur noch Verpackungen in Verkehr gebracht werden, die zu mindestens 70 Prozent stofflich verwertbar oder wiederverwendbar sind.

Gunda Rachut, Vorstand der ZSVR, sagt dazu: "So leistungsfähig Sortier- und Recyclinganlagen auch sind – sie können nicht ausgleichen, was beim Verpackungsdesign versäumt wird. Gefordert sind die Hersteller. Entscheidend ist die konsequente Umsetzung recyclinggerechten Designs."

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