Die Berliner Stadtreinigung (BSR) schlägt Alarm: Auf Recyclinghöfen und bei der Straßenreinigung kommt es zunehmend zu Gewaltübergriffen gegen Mitarbeitende. BSR-Chefin Stephanie Otto berichtet von besorgniserregenden Entwicklungen insbesondere in den Jahren 2024 und 2025.
Beschäftigte wurden sexuell beleidigt und herabwürdigend behandelt, teilweise wurde ihnen aufgelauert, sodass sie unter Polizeischutz nach Hause gebracht werden mussten. In anderen Fällen wurden Mitarbeitende mit Flaschen beworfen oder mit Fahrzeugen angefahren. "Alles Dinge, die über jegliches Maß hinausgehen", sagte Otto dem RBB.
Das Phänomen beschränkt sich nicht nur auf die Recyclinghöfe. Auch bei der Straßenreinigung gibt es mehrere Hotspots, zu denen Mitarbeitende nicht mehr alleine geschickt werden. Die BSR reagiert mit konkreten Schutzmaßnahmen: Beschäftigte werden an kritischen Stellen mindestens zu zweit eingesetzt, zudem wird geprüft, ob in manchen Fällen auch Sicherheitsstreifen zur Begleitung notwendig sind. Die Recyclinghöfe werden bereits seit längerem außerhalb der Betriebszeiten von Bauwatch-Anlagen überwacht.
Weitere Bereiche in Berlin betroffen
Eine Erklärung für dieses Phänomen, das auch bei Einsätzen der Feuerwehr und von Krankenwagen zu beobachten ist, hat Otto nicht. Das Problem ist offenbar kein Einzelfall der BSR: Nach Ansicht von Daniela Ortmann, Vorsitzende des Hauptpersonalrats beim Land Berlin, sind viele Bereiche des öffentlichen Dienstes betroffen.
"Wir haben beim Hauptpersonalrat in den letzten Jahren eine zunehmende Anzahl von Gewaltvorfällen festgestellt, aber auch das Problem, dass die nicht wirklich aufgegriffen werden und die Beschäftigten nicht begleitet werden", sagte sie dem RBB. Es sei von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.
Vor diesem Hintergrund hat die BSR die Initiative ergriffen und arbeitet mit anderen kommunalen Unternehmen in Berlin daran, das Thema genauer zu ergründen und Muster zu identifizieren. In Kürze ist ein Gespräch mehrerer Unternehmen mit dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner geplant, um zu besprechen, wie mit dem Thema in der Stadtgesellschaft insgesamt umgegangen werden kann.
Stadtgesellschaft sucht nach Lösungen
Ziel ist es, gemeinsame Haltungen und Lösungen zu entwickeln, die Vorfälle systematisch zu analysieren und das Thema stärker ins politische Bewusstsein zu bringen. Otto betonte jedoch, dass sie den Eindruck habe, die BSR werde "im Grundsatz von den Berlinern geschätzt".
Der Kontext verschärft die Situation: Berlin muss jährlich 10 Millionen Euro für die Beseitigung illegaler Müllentsorgung aufwenden. Seit Mitte November 2025 gilt deshalb ein neuer Bußgeld-Katalog mit deutlich erhöhten Strafen: Das Wegwerfen einer Zigarettenkippe kostet 250 Euro, nicht beseitigter Hundekot 100 Euro und illegal entsorgte Möbel oder Kühlschränke ab 4.000 Euro.



