Das Interesse von Frauen für MINT-Berufe ist je nach Fachrichtung sehr unterschiedlich.

Das Interesse von Frauen für MINT-Berufe ist je nach Fachrichtung sehr unterschiedlich.

Bild: © auremar/AdobeStock

Wie wichtig eine technische Ausbildung in Managementpositionen ist, diese Erfahrung hat Christine Mesek gemacht. Die Verbandsvorsteherin des Abwasser-Zweckverbandes (AZV) Südholstein berichtete zum Auftakt des zweiten digitalen Treffen des neuen Netzwerks „Frauen in der Kommunalwirtschaft – powered by ZfK“ über ihre Karriere.

Aufgrund ihres Abschlusses als Diplom-Ingenieurin konnte Mesek Männern, die Frauen eher mit betriebswirtschaftlichem als technischem Know-how in Verbindung brachten, durch entsprechendes Auftreten zeigen, dass sie fundierte Kenntnisse in beiden Bereichen hat. Obwohl sie auf ihren Karrierestationen – zum Beispiel als Bauleiterin beim französischen Bauunternehmen Vinci SA oder als Geschäftsführerin bei der Stadtentwässerung Braunschweig – ohnehin viel mit Zahlen zu tun hatte, absolvierte sie parallel zum Job noch ein Studium zur Betriebswirtin und sieht sich mit dieser doppelten Qualifikation für die Herausforderungen ihrer Aufgaben gut gerüstet.

Zu wenig Praxis in der Schule

Schon in der Schulzeit waren Mathematik und Naturwissenschaften ihre bevorzugten Fächer. Wenn allerdings das Interesse daran – anders als bei Mesek – nicht aus eigenem Antrieb vorhanden ist oder vom Elternhaus gefördert wird, dann ist die Schule nicht unbedingt der Ort, an dem die Begeisterung dafür geweckt wird. Denn die Vermittlung des Stoffs in den MINT-Fächern sei meist zu theoretisch und zu wenig praxisorientiert, kritisiert die AZV-Chefin. Ein weiteres Problem: Auch in Social Media gibt es kaum Vorbilder. „Es gibt einfach keine Influencerin, die Baggerfahrerin ist“, stellt Mesek die Problematik griffig dar.

Die Runde der Teilnehmerinnen der Online-Veranstaltung des Frauennetzwerks machte viele praktikable Vorschläge, wie man das Interesse an MINT-Berufen wecken kann. Der Zugang zu den Eltern ist dabei ein wichtiger Punkt. Beispielsweise könnte man sie über die Schulen ins Unternehmen einladen, damit sie sich vor Ort über die Ausbildungsmöglichkeiten informieren. Denn „wenn ein Elternteil eine junge Frau ermutigt, sich auch mal unkonventionelle Berufe anzuschauen, über die im Bekanntenkreis nicht so oft gesprochen werden, dann ist das sehr hilfreich“, sagte eine Teilnehmerin. Man könnte auch junge Auszubildende als Karrierebotschafter zum Elternabend in die Schulen schicken, empfahl eine andere Teilnehmerin.

MINT-Report zeigt differenziertes Bild

Sonja Seelbach, Betriebsleiterin der Stadtwerke Bad Kamberg, wählt den Weg, selbst zweimal pro Jahr in die Schulen zu gehen, um beispielsweise eher unbekanntere Berufe wie die Fachkraft für Wasserversorgungstechnik vorzustellen und besonders Mädchen dazu zu bewegen, sich zunächst bei einem Praktikum ein Bild von den Tätigkeiten zu machen.

Für weitere Informationen und detailliertere Zahlen verwies Mesek auf den „MINT Herbst Report 2021“ des Instituts der deutschen Wirtschaft. Die Untersuchung zeigt, dass der Frauen-Anteil in  diesen Berufen in den vergangenen zehn Jahren zwar ständig leicht zunimmt, aber mit insgesamt 15,5 Prozent immer noch recht gering ist.

Neuer Termin im neuen Jahr

Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Berufsbildern. Bei Biologen und Chemikern liegt der Anteil der Arbeitnehmerinnen mittlerweile bei 45 Prozent, bei Ingenieurberufen in der Energie- und Elektrotechnik sind es nicht einmal zehn Prozent. „MINT ist eben nicht gleich MINT“, stellte Mesek fest.

Das nächste digitale Treffen des Kommunalen Frauennetzwerks findet am 11. Januar 2023 von 17.00 bis 18.15 Uhr statt. Die Top-Speakerin und das Thema werden zeitnah bekannt gegeben. Gastgeberinnen sind wieder Kommunikations-, Positionierungs- und Netzwerkexpertin Christiane Wolff und Miriam Kruszczynski, eine der Mitgründerinnen des Netzwerks. Anmelden können Sie sich hier. (hp)

Hier geht es zum Bericht über das 1. Online-Treffen des Kommunalen Frauennetzwerks. Darin ging es um die Frage, wie weibliche Mitarbeiter sichtbarer werden können.

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