Kerstin Oster von den Berliner Wasserbetrieben hat bei der jüngsten Veranstaltung des ZfK-Frauennetzwerks über Transformation gesprochen. Ein Satz, auf den die Vorständin für Personal, Soziales und Digitalisierung vermutlich direkt antworten würde, dass allein das Sprechen nicht reicht. Denn Transformation zu leben, Veränderung zu planen und umzusetzen, zeichnet ihren Weg aus.
Seit 2015 ist Oster bei den Berliner Wasserbetrieben, ein Schritt, der sie damals weg aus der Privatwirtschaft und rein in die Welt der Kommunalen brachte. "Die Expertise, die ich aus meiner bisherigen Laufbahn mitgebracht habe, auf den Public Sektor übertragen zu können, war ein ganz wesentlicher Punkt."
Sie habe sich sehr bewusst für die Wasserbetriebe entschieden. "Dieses Landesunternehmen weiter nach vorne zu bringen, hat mich total herausgefordert. Dieser großen Mannschaft, mit ganz bestimmten Erfahrungen und Rahmenbedingungen, die es in privaten Unternehmen gar nicht gibt, das begeistert mich bis heute."
Haltung für nachhaltige Personalpolitik
Für Oster steht fest: Der Ausgangspunkt für Veränderung ist nicht in erste Linie die Technik, sondern vor allem Haltung. Wandel gelinge nur, wenn Unternehmen ein Umfeld schaffen, in dem ökologische Verantwortung, wirtschaftliche Stabilität und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt werden. Eine nachhaltige Personalpolitik könne genau das leisten. Sie übersetzt Werte in konkretes Handeln und eröffnen Raum für Entwicklung.
Wie diese Ansprüche in der konkreten Praxis aussehen, zeigt die gelernte Hotelfachfrau anhand des Projektes, das sie und ihr Team im vergangenen Jahr auf die Beine gestellt haben: einen umfassenden Entgeltgleichheits-Check (EG-Check). Dabei haben die Berliner Wasserbetriebe acht Entgeltbestandteile auf Diskriminierungspotenziale gegenüber Frauen überprüft:
- Grundentgelt
- Stufensprünge
- Leistungs- und entgeltorientierte Entgeltsystem
- Erschwerniszuschläge
- Überstundenpauschalen
- Wechselschichtzulagen
- Arbeitsmarkt
- Fachkräfte- und Projektzulage
Das Ergebnis: "Wir hatten keine unmittelbare Diskriminierung." Diese wäre gegeben gewesen, wenn eines der Geschlechter, also Männer oder Frauen, in den tariflichen oder betrieblichen Regelungen explizit benachteiligt würde. "Das war nicht der Fall."
Risikoreicher Schritt
Dabei sei nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Umfang des Checks zu beachten, erklärt Oster. "In dieser Dimension hat es eine Überprüfung vorher noch nicht gegeben und wir sind, nach der Telekom, auch das einzige Unternehmen, das den Entgeltgleichheits-Check zweimal gemacht hat."
Eine Entscheidung die nicht ganz risikofrei war. "Natürlich haben wir überlegt, ob wir das machen sollten. Ob wir unser Entgeltsystem prüfen lassen. Hätte es dort Benachteiligungen gegeben, hätte das dazu führen können, dass es wieder gekippt wird."
Aber genau darum ging es, erklärt die Personalvorständin. "Normalerweise will man das ja gar nicht so offenlegen, wir haben genau das Gegenteil gemacht und das ist ein Signal, eine wirklich eine Haltungsfrage. So einen EG-Check zu machen und in einem nach wie vor männerdominierten Unternehmen offiziell die Frage zu stellen, ob Frauen vielleicht benachteiligt werden, das ist Haltung."
Die nächste digitale Session des Frauennetzwerks mit Carina Bartmann, Co-Founderin und Leiterin des Mütternetzwerks conmadres,zu dem Thema "Starke Mütter, starke Unternehmen: Impulse für eine neue Vereinbarkeitskultur" findet am 3. September 2025 von 8:30 bis 10:00 Uhr statt. Mehr Informationen finden Sie hier.
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