Welche Eigenschaften der "ideale" Chief Finance Officer (CFO) heute braucht, stand im Mittelpunkt der letzten Sitzung des bundesweiten CFO Clubs in Berlin. Manfred Ackermann, Geschäftsführer der Emscher Lippe Energie (ELE), vertrat die Energiebranche beim Netzwerktreffen von Finanzchefs aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Er ging der Frage nach, wie sich aktuelle Veränderungen auf die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Stakeholdern auswirken.

Motor für Wachtum und Innovation
Aus Sicht des Aufsichtsrats skizzierte Ackermann die Anforderungen an das veränderte CFO-Profil. Er betonte, dass diese zunehmend strategisch gefordert sind und als wichtige Sparringspartner von CEO und Aufsichtsrat agieren. Wichtig sei dabei der regelmäßige Austausch auf Augenhöhe.
Ackermann unterstrich: "Strategische Finanzführung durch vernetzte Daten wird immer wichtiger – nur so kann die Finanzfunktion Motor für Wachstum, Innovation und Resilienz sein. Nachhaltigkeit, Digitalisierung und künstliche Intelligenz sind drei prägende Trends für die Finanzfunktion in kommunalen Energieunternehmen. Insbesondere KI schafft neue Möglichkeiten für genauere Vorhersagen und Szenarioplanungen."
CFOs mit klarem Plan
Das bestätigte Ines Thoren, Unternehmensberaterin und Managing Partnerin der QRC Group: "Die Energiewende ist nicht nur eine technologische Revolution – sie ist auch eine finanzielle Herausforderung, die den richtigen CFO benötigt, um sie erfolgreich zu meistern."
In einer Zeit, in der die Welt auf nachhaltige Energiequellen umsteigt und riesige Investitionen in grüne Technologien fließen, "ist der CFO derjenige, der den finanziellen Kurs bestimmt und die Transformation mitgestaltet", führte sie weiter aus. Die Personal- und Unternehmensberatung für Führungskräfte von Thoren ist unter anderem auf die Beratung von Regionalversorgern spezialisiert.
Strategische Finanzführung durch vernetzte Daten wird immer wichtiger – nur so kann die Finanzfunktion Motor für Wachstum, Innovation und Resilienz sein.
"Der Finanzchef steuert das Risikomanagement für eine Welt im Wandel und muss dabei Chancen und Risiken im Blick haben. Er oder sie muss in der Lage sein, diese Risiken zu navigieren und gleichzeitig die Ressourcen so zu lenken, dass das Unternehmen langfristig von der Transformation profitiert", so Thoren weiter.
Hinzu komme, dass der CFO Stakeholder, Investoren und Partner nicht nur von der finanziellen Strategie überzeugen, sondern sie auch für die Möglichkeiten einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Energiezukunft begeistern müsse. "Hier braucht es einen klaren Plan und Strahlkraft, um Menschen zu begeistern", sagte Thoren.
Frauen als CFO unterrepräsentiert
Die jüngste Studie der Managementberatung Horváth von 2025 ergab, dass 77 Prozent der neu eingestellten CFOs Männer sind – ein klares Zeichen, dass Frauen in dieser Schlüsselrolle weiterhin unterrepräsentiert sind. "Trotz vieler Fortschritte in der Gleichstellung bleibt die CFO-Position nach wie vor männlich dominiert. Hier gibt es eindeutig noch Handlungsbedarf", sagt Jörg Wirtgen, Geschäftsführer der FW Management Consulting.
Dabei gebe es im Finanzbereich genügend Frauen, die das Potenzial zur Finanzvorständin mitbringen. "Man muss manchmal nur etwas genauer hinschauen", rät Wirtgen. An qualifizierte Frauen appelliert er, sich nicht ausschließlich auf Vorstandspositionen im HR-Bereich zu konzentrieren.
Im Durchschnitt sind die – männlichen und weiblichen – Neuzugänge als CFO knapp über 50 Jahre alt. 92 Prozent verfügen über Abschlüsse wie Master, Diplom, Staatsexamen oder MBA. Neun Prozent haben promoviert. Fachlich kommen fast alle aus den Wirtschaftswissenschaften. 70 Prozent der neuen CFOs wurden extern rekrutiert und jede dritte Neubesetzung kommt aus einer branchenfremden Umgebung.
Veränderter Auswahlprozess
Die zusätzlichen neuen Anforderungen bringen auch mit sich, dass sich das Profil des CFO im Auswahlprozess bei Neueinstellungen verändert hat. Thoren machte keinen Hehl daraus, dass die Suche nach geeigneten Kandidaten schwieriger geworden sei.
Kandidatinnen und Kandidaten, die Erfahrung im operativen Geschäft und strategisches Denken mitbringen, fehle es noch häufig an anderen Kompetenzen, zum Beispiel im Bereich moderner Technologien und KI.
Welche Eigenschaften braucht der ideale CFO?
Nach Ansicht der Unternehmensberaterin sind diese Eigenschaften bei der Besetzung von CFO-Positionen besonders gefragt:
- Anpassungsfähigkeit und Mut: In einer Zeit, in der sich alles verändert, brauche es Persönlichkeiten mit Flexibilität und Mut, um neue Wege zu gehen.
- Empathie und Kommunikationsstärke: Ein CFO müsse nicht nur Zahlenexperte sein, sondern auch ein Bindeglied zwischen verschiedenen Abteilungen, Partnern und Stakeholdern. Hier sei die Fähigkeit, überzeugend zu kommunizieren, entscheidend.
- Weg vom "Hüter der Zahlen" zu einem strategischen, technologieaffinen Unternehmensmanager mit Fokus auf Innovation, Nachhaltigkeit und Wertschöpfung (Bewertung von Investitionsvorhaben, Digitalisierung der Kernprozessen, Professionalisierung der Datenbasis, Verbesserung der Prognosegenauigkeit).
- Fähigkeit und Bereitschaft, klassische Kontrollmechanismen zugunsten agiler, datengetriebener Steuerungsmodelle zu modernisieren.
Der Beitrag ist zuvor in der Februar-Ausgabe der ZFK erschienen. Zum Abo geht es hier.



