Als Corporate Influencer kann man Mitarbeiter gewinnen, die gerne Einblicke in ihren Arbeitsalltag geben. Ihr authentischer Auftritt schafft Vertrauen und wirkt nahbarer als klassische Unternehmenskommunikation. Für ein erfolgreiches Programm braucht es diverse Teilnehmer, interne Akzeptanz, kontinuierliche Betreuung – und einen langen Atem.
Was versteht man unter einem Corporate Influencer?
Corporate Influencer sind Mitarbeiter eines Unternehmens, die mit Unterstützung ihres Arbeitgebers freiwillig ihre Personenmarke aufbauen, Fachwissen teilen und persönliche Einblicke in ihren Arbeitsalltag geben. Durch ihre (vorwiegend digitale) Präsenz zum Beispiel auf der Plattform Linkedin, erhöhen sie die Sichtbarkeit ihres Arbeitgebers, stärken die Markenbotschaft und ziehen potenzielle Kunden und Bewerber an.
Wie unterscheidet sich der Corporate Influencer von seinem klassischen Pendant?
Im Gegensatz zu klassischen Influencern stehen Corporate Influencer in direktem Zusammenhang mit ihrem Arbeitgeber, sind aber nicht als Pressesprecher 2.0 zu sehen. Sie sprechen über ihren Arbeitgeber nicht für ihn.
Wie hat sich das Konzept in den letzten Jahren entwickelt?
Unternehmen erkennen zunehmend den Mehrwert von Mitarbeitern auf Social Media und setzen auf individuelle Stimmen statt uniforme Unternehmenspostings.
Im Corporate Influencing geht es eben nicht darum, einen weiteren Hochglanz-Unternehmensaccount auf Social Media zu bespielen, sondern darum, die Mitarbeiter darin zu bestärken, ihnen Leitplanken und auch Unterstützung mit an die Hand zu geben, um laut für ihre Herzensthemen, ihre Expertise, aber eben auch ihren Arbeitgeber und die geteilten Werte zu werben.
Warum funktioniert der Ansatz so gut, vielleicht sogar besser als traditionelle Marketingmaßnahmen?
Wir sind heute kontinuierlich Werbung ausgesetzt – insbesondere bei Social Media. Doch Nutzer verlieren zunehmend das Vertrauen in klassische Werbebotschaften. Der Anspruch an die Inhalte auf den sozialen Netzwerken wird demnach immer größer: Persönlich soll er sein, aktuell, gut aufbereitet, qualitativ wertvoll, nahbar, informativ, lustig, ehrlich und authentisch.
Insbesondere Aspekte wie Nahbarkeit, Authentizität und Vertrauen lassen sich zum Teil nur schwer mit dem Firmen-Logo als Absender kommunizieren. Gleichzeitig sind das die Punkte, die Menschen mitunter am wichtigsten sind.
Welche Eigenschaften machen einen guten Corporate Influencer aus?
Wir raten immer dazu, einen offenen Bewerbungsprozess für das Programm zu gestalten. Das bedeutet, jeder Mitarbeiter sollte die Möglichkeit haben, am Programm teilzunehmen. Nur so wird eine möglichst diverse Gruppe sichergestellt und für Akzeptanz für das Programm im Unternehmen gesorgt. Beides ist essenziell für den Erfolg.
Welche weiteren Erfahrungen sollte man mitbringen?
Es ist gar nicht wichtig, ob jemand schon vorher nach außen präsent war. Relevant sind auch Kriterien wie zum Beispiel, ob die Person generell intrinsisch daran interessiert, ihr Wissen zu teilen. Trägt sie zu einer diversen Gruppe bei? Kann der Kandidat die Zeit aufbringen, die gestellten Anforderungen des Programms (zum Beispiel Trainings oder Post-Anzahl) zu erbringen?
Ohne Persönlichkeit geht es auch nicht. Denn die Nutzer wollen sich mit etwas identifizieren. Aber wichtig: Persönlich ist nicht gleich privat! Nur, weil ich persönliche Erlebnisse und meine eigene Meinung teile, heißt das nicht, dass ich als Mitarbeiter Fotos aus meinem Familienurlaub zeigen muss.
Was sind wichtige Aspekte, die ein Unternehmen vor dem Start eines Corporate Influencers berücksichtigen sollte?
Es gibt verschiedene Beweggründe für die Initiierung eines solchen Programmes – oft ist es aber die Gewinnung von Mitarbeitern. Dank Corporate Influencern können potenzielle Bewerber einen echten und nahbaren Blick durchs Schlüsselloch in ein Unternehmen erlangen. Das ist besonders für öffentliche Unternehmen sehr spannend, da die Berufsfelder oft sehr komplex sind – hier reichen die Corporate Influencer vom Feuerwehrmann über die Standesbeamtin bis hin zur IT.
Gibt es auch Gefahren, die man im Blick haben sollte?
Ein häufig genanntes Risiko ist, dass Mitarbeiter vertrauliche Informationen preisgeben oder unerwünschte Inhalte veröffentlichen. Doch auch ohne ein Corporate-Influencer-Programm können sie auf Plattformen wie Linkedin über ihre Arbeit sprechen. Der Vorteil des Programms: Schulungen, Guidelines und Rechtsberatung reduzieren das Risiko wesentlich.
Wie wirbt man im Unternehmen für das Konzept?
Die größte Herausforderung liegt in der Tat intern: Führungskräfte müssen den Nutzen und Zeitaufwand verstehen, Kollegen den Social-Media-Einsatz akzeptieren. PR und Marketing können nicht jeden Beitrag prüfen und Betriebsräte sowie Rechtsabteilungen wollen oft eingebunden werden. Ohne interne Überzeugungsarbeit scheitert das Programm, bevor es startet.
Welche Tipps würden Sie Unternehmen geben, die in das Thema einsteigen möchten?
Erstens ausreichend Vorarbeit: Alle Stakeholder intern abholen, Vertrauen schaffen, die Unterstützung der obersten Führungsriege gewinnen. Zweitens klare Ziele setzen: Was soll erreicht werden? Und darauf dann eine passende Strategie aufbauen. Drittens dranbleiben! Mit ein oder zwei Trainings ist es nicht getan. Im besten Fall ist ein Corporate-Influencer-Programm keine Eintagsfliege, sondern ein langfristiges Projekt. Dafür brauchen die Mitarbeiter aber stetig Motivation, sie brauchen Ansprechpartner, Incentivierungen und fortlaufende Trainings.
Das Interview führte Midjana Mujkanovic
Dieser Beitrag ist Teil 3 einer dreiteiligen Serie.
Corporate Influencer erzielen enorme Reichweiten (Teil 1)
Interne und externe Influencer schärfen die Arbeitgebermarke (Teil 2)



