Von Hans-Peter Hoeren
Bei der Energieversorgung Dahlenburg-Bleckede AG im niedersächsischen Landkreis Lüneburg ist Ende Juni eine Ära zu Ende gegangen: Vorstandsvorsitzender Rolf Bannehr (66) ist nach 32 Jahren an der Spitze des regionalen Versorgers in den Ruhestand verabschiedet worden.
Für ihn hat ab dem 1. Juli Andreas Altmann (46) die Geschäftsführung übernommen. Altmann ist seit April dieses Jahres im Unternehmen, der gelernte Diplomkaufmann war zuvor unter anderem in Führungspositionen bei Juwi, bei VNG-Balance, zuletzt war er bei den Städtischen Werken Borna beschäftigt.
"Gewaltiger Kulturwandel"
Unter der langjährigen Ägide von Rolf Bannehr ist das Versorgungunternehmen kräftig gewachsen von 25 auf mittlerweile 80 Mitarbeitende. Wesentlich dazu beigetragen hat 2010 die Fusion der Elektrizitätswerk Dahlenburg AG mit der Kraftwerk Bleckede Ludolf Stamer GmbH zur Energieversorgung Dahlenburg-Bleckede AG.
Der Diplomingenieur im Bereich Elektrotechnik hatte 1993 die Geschäftsführung des Elektrizitätswerks Dahlenburg übernommen, 1998 wurde er zum geschäftsführenden Vorstand berufen. Die einsetzende Liberalisierung des Energiemarktes sei eine "gewaltiger Kulturwandel" gewesen, erinnert sich Bannehr. Die Chancen durch die Einführung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes nutzte er zur Erschließung innovativer, ertragreicher Geschäftsfelder.
Technische Betriebsführung für externe Windparkbetreiber
"Ein bedeutender Schritt war im Jahr 2002 die Investition in den Windpark Dahlenburg – ein mutiger Schritt mit einem Investitionsvolumen von rund 40 Millionen Euro", erzählt Bannehr. Diese Entscheidung habe sich wirtschaftlich als äußerst erfolgreich erwiesen und dem Unternehmen neue Perspektiven eröffnet. Seit 2002 habe man auch die Abteilung Technische Betriebsführung aufgebaut. Hiermit wurden zunächst nur die eigenen Projektentwicklungen betreut. "Mittlerweile bieten wir auch hier fremden Windparkgesellschaften erfolgreich die technische Betriebsführung an."
"Wir haben frühzeitig erkannt, dass Diversifikation wichtig ist. Deshalb haben wir Windkraftbeteiligungen in vier Bundesländern – Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt – gezeichnet." Ein weiteres großes Projekt war die Errichtung eines Bioenergieparks in Dahlenburg, gemeinsam mit der heimischen Landwirtschaft.. Mit allen regenerativen Beteiligungen kann die EVDB in ihrem Versorgungsgebiet seit 2002 mehr erneuerbaren Strom in der Jahresbilanz erzeugen, als es an seine Kunden liefern kann. "Darüber hinaus haben wir vor circa 10 Jahrenden Vertrieb von Erdgas aufgenommen und bis zum heutigen Tag mit wachsendem Erfolg ausgebaut", so Bannehr.
Erfolge im Konzessionswettbewerb, Wohnungsiwrtschaft als eigenes Geschäftsfeld
Auch im Konzessionswettbewerb konnte das Unternehmen zwei Gemeinden im Landkreis Uelzen hinzugewinnen, aktuell versorgt die EVDB dreizehn Gemeinden. Das Versorgungsgebiet umfasst circa 400 Quadratkilometer mitrund 24.000 Einwohner in fast 100 Ortschaften.
Auch in der Wohnungswirtschaft hat sich der Versorger etabliert. 2016 wurde die hundertprozentige Tochter EVDB Wohnungsgesellschaft mbH gegründet. Seitdem wurden insgesamt neun Mehrfamilienhäuser und zwei Doppelhaushälften errichtet – "eine stabile Ergänzung unserer Geschäftsfelder".
"Aus einem kleinen regionalen Versorger ist ein modernes, breit aufgestelltes Unternehmen geworden, das auch in schwierigen Marktphasen stets solide gewirtschaftet hat. Besonders am Herzen lag mir immer die Nähe zum Kunden – wir sind kein anonymer Konzern, sondern Teil der Region. Ich bin stolz auf die Entwicklung der gesamten EDVB AG", resümiert Bannehr. Das Unternehmen sei zukunftssicher aufgestellt. "Es ist ein Abschied mit einem guten Gefühl."



