Links im Doppelbild: Chefredakteurin Mateja Mögel, daneben Chefredakteurin Anke Helle. Außerdem zu sehen: Sandra Wimmer (Rewag), Mitglied des Strategiekreises, sowie Laura Partikel, Organisatorin des ZFK-Frauennetzwerks, unterstützt von Tina Kuhnert. Unten im Anschnitt Moderatorin Christiane Wolff.

Links im Doppelbild: Chefredakteurin Mateja Mögel, daneben Chefredakteurin Anke Helle. Außerdem zu sehen: Sandra Wimmer (Rewag), Mitglied des Strategiekreises, sowie Laura Partikel, Organisatorin des ZFK-Frauennetzwerks, unterstützt von Tina Kuhnert. Unten im Anschnitt Moderatorin Christiane Wolff.

Bild: @ VKU

Wie funktioniert gemeinsame Führung ohne klare Zuständigkeitsgrenzen? Einblicke in ein Modell, das Tempo, Qualität und Teamkultur stärkt. Die Chefredakteurinnen des Frauenmagazins "Freundin“, Anke Helle und Mateja Mögel, führen die Redaktion seit sechseinhalb Jahren als Doppelspitze. 

Als Impulsgeberinnen waren sie im Webinar "Geteilte Führung – Warum zwei Chefinnen besser sind als eine“ des ZFK-Frauennetzwerks am 23. April 2026 zu Gast.

Gemeinsam angetreten in schwieriger Phase

Die Idee für die Doppelspitze sei von ihnen selbst gekommen. Irgendwann sei klar gewesen, dass beide im Bewerbungsverfahren für die Chefredaktion waren – und dann hätten sie zum Telefon gegriffen, um den Gedanken einer gemeinsamen Lösung weiterzuspinnen. Die Ausgangslage: große Herausforderungen im Verlag, neue Strukturen, die viele Kündigungen notwendig machten. Diese Situation wollten sie lieber gemeinsam bewältigen als allein. Dass der Verlag tatsächlich zustimmte, sei unerwartet gewesen. Seitdem stehen beide für ein modernes Frauenbild bei der "Freundin".

Der Start war entsprechend intensiv. Rund 30 Kündigungsgespräche gleich zu Beginn – eine schwierige Phase. Gerade in solchen Zeiten werde besonders deutlich, wie wichtig es sei, diese Umstände authentisch zu kommunizieren. Das präge das Vertrauen im Team nachhaltig.

Keine Kompetenzbereiche

Zwei Chefinnen, eine Position – und kein klassisches 50:50, sondern eher 100:100. Unterschiedliche Meinungen sehen beide als Vorteil. Reibung wird zum Prinzip. So könne man im Team vorleben, dass Entscheidungen gemeinsam getroffen werden – und dass es dazugehört, auch mal falsch zu liegen. Am Ende gehe es um die Sache, um die Qualität der Zeitschrift. Wer die letzte Entscheidung treffe, sei zweitrangig. Im Zentrum stünden gegenseitiger Respekt und möglichst wenig Ego.

Doch dauern Entscheidungen zu zweit nicht unnötig lange? Aus Sicht von Anke Helle und Mateja Mögel nicht – im Gegenteil. Der enge Austausch beschleunige die Meinungsfindung eher. Voraussetzung dafür sei jedoch ein klares Prinzip: Am Ende dürfe nicht doch eine allein entscheiden. Gleichberechtigung verstehen sie konsequent. Deshalb haben sie sich bewusst gegen eine Aufteilung nach Kompetenzbereichen entschieden – ein Modell, das in Doppelspitzen häufig gewählt wird. Sie wollten es anders machen. Beide sind in alle Themen eingebunden, klassische Übergaben, etwa in Urlaubsphasen, sind nicht notwendig.

Gegenseitiges Vertrauen und gleiche Bezahlung

Zu diesem Verständnis gehört für sie auch eine gleiche Bezahlung. So solle gar nicht erst der Eindruck entstehen, eine sei näher an der Geschäftsführung oder bestimmte – auch unangenehme – Aufgaben würden ungleich verteilt. Gleichzeitig erleichtere die Doppelspitze den Austausch mit der Geschäftsführung. Für notwendige Veränderungen einzutreten, falle gemeinsam oft leichter.

Voraussetzung für dieses Modell sei jedoch ein hohes Maß an Vertrauen – und die Offenheit, Dinge klar anzusprechen.

Dauerabgleich statt Jour fixe

Feste Abstimmungsrunden spielen im Alltag eine kleinere Rolle, als man vermuten könnte. Statt klassischer Jour fixes setzen sie auf kontinuierlichen Austausch über verschiedene Kanäle. Beide denken im Alltag für die andere mit, wissen, worauf es jeweils ankommt. Gleichzeitig sei es wichtig, sich immer wieder bewusst kurz abzugleichen – auch, um nach außen handlungsfähig zu bleiben. Als Doppelspitze könne man es sich nicht leisten, Entscheidungen aufzuschieben, weil noch Rücksprache nötig sei. Tempo bleibe entscheidend.

Struktur gibt es trotzdem: klare Systeme in der Organisation, etwa bei der E-Mail-Kommunikation. Wer hat geantwortet, wo besteht noch Handlungsbedarf – solche Fragen sind sauber geklärt.

Mehr Eigenverantwortung im Team

Das Führungsverständnis wirkt sich auch auf die Redaktion aus. Eigenverantwortung werde gezielt gestärkt, ebenso der Mut, eine andere Meinung zu vertreten. Grundlage dafür seien vor allem klare Kommunikation und faire Arbeitsbedingungen. So wurden etwa Vollzeitmodelle ermöglicht, die nicht an klassische Kernarbeitszeiten gebunden sind. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird bewusst mitgedacht – und das bedeutet, dass Kinder im Hintergrund sichtbar sind oder Termine kurzfristig verschoben werden müssen.

Verbindliche Deadlines setzen den Rahmen, alles Weitere liegt in der Verantwortung des Teams. Entscheidend sei, dass das Heft termingerecht erscheint.

Das Feedback der Redaktion an die Chefredakteurinnen fällt entsprechend aus: Es werde so viel gearbeitet wie selten zuvor, gleichzeitig habe die Arbeit aber auch noch nie so viel Spaß gemacht. Aus Sicht der Chefredakteurinnen zahlt diese Arbeitsweise am Ende auch auf die Qualität des Hefts ein.

Bild: @ Freundin


Anke Helle und Mateja Möge

Anke Helle und Mateja Mögel sind seit dem 1. September 2019 die gleichberechtigten Chefredakteurinnen des Frauenmagazins "Freundin" bei Hubert Burda Media.
Anke Helle absolvierte die Burda-Journalistenschule und war unter anderem stellvertretende Chefredakteurin bei "Neon" und "Nido". Sie leitete Entwicklungsprojekte für Burda Home und arbeitete in der Agentur Nansen Piccard. 
Mateja Mögel war Chefredakteurin bei Egmont Ehapa und führte später ein eigenes Redaktionsbüro. Bei Burda war sie als Textchefin und stellvertretende Chefredakteurin für verschiedene Food- und Lifestyle-Magazine tätig.



Neuer ZFK-Stammtisch in Bayern

Auch aus dem ZFK-Frauennetzwerk gibt es Neuigkeiten: Strategiekreismitglied Sandra Wimmer, kaufmännische Vorständin der Rewag, treibt die Zusammenarbeit weiter voran. Als überzeugte Netzwerkerin organisiert sie den ersten ZFK-Frauenstammtisch in Bayern. Am 21. Mai lädt sie nach Regensburg zu Austausch, Impuls und Vernetzung ein, rund 50 Plätze stehen zur Verfügung. Der Strategiekreis – bestehend aus acht Frauen und einem Mann – unterstützt das Netzwerk inhaltlich und strategisch mit Ideen, Kontakten und Themen.

Moderatorin Christiane Wolff griff den Ball auf und wollte von Wimmer wissen, wie sie in ihrer Rolle als Vorständin führt. Für Wimmer zeigt sich gute Führung gerade in schwierigen Zeiten. Entscheidend sei die Bereitschaft, sich mit Menschen auseinanderzusetzen – auch dann, wenn Kommunikation herausfordernd ist, etwa in Krisensituationen oder bei Konflikten im Team. Klarheit und Ehrlichkeit seien dabei zentral. Gerade dann komme es darauf an, Haltung zu zeigen, Verantwortung zu übernehmen und Probleme nicht zu verdrängen.

Perfektion sei für sie kein Maßstab. Es gehe vielmehr darum, als Führungskraft authentisch zu bleiben und sich auch als Frau bewusst einzubringen. Dass sie emotional reagiere, werde zwar gelegentlich thematisiert, gehöre für sie aber zu ihrem Führungsverständnis. Gerade diese Offenheit trage dazu bei, nicht nur in der Rolle, sondern auch als Mensch wahrgenommen zu werden.

Impulse im Frauennetzwerk

Das Netzwerk lebt von aktiver Beteiligung. Neben Präsenztreffen – etwa demnächst in Wuppertal – gibt es die digitalen Vernetzungsangebote sowie Arbeitsgemeinschaften zu Themen wie Nachhaltigkeit und Künstliche Intelligenz, betont Organisatorin Laura Partikel. Die nächste Bewerbungsrunde für die Auszeichnung "Kommunalheldin“ steht kurz bevor. Zudem ist die Gruppe inzwischen auf LinkedIn vertreten.

Ziel ist es, gemeinsam Formate zu entwickeln und Themen aufzugreifen, die die Mitgliederinnen bewegen. Entsprechend sind diese eingeladen, eigene Ideen einzubringen, um relevante Anliegen im Netzwerk sichtbar zu machen. Das Interesse wächst kontinuierlich: Rund 4.000 Frauen haben bislang an den Angeboten teilgenommen.

Helle und Mögel betonten, die aktive Beteiligung an diesem Tag im ZFK-Frauennetzwerk habe sie beeindruckt. Unterstützung habe es in ihren Karrieren zwar immer wieder durch einzelne Personen gegeben – ein strukturiertes Netzwerk, in dem Frauen sich gegenseitig Türen öffnen, hätten sie sich jedoch schon früher als angehende Journalistinnen gewünscht. Umso wichtiger sei ihnen heute ein kontinuierlicher Austausch, auch im Rahmen ihres neuen Podcasts bei der "Freundin".

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