Der überraschend als EnBW-Vorstandschef entlassene Andreas Schell bekommt eine Abfindung von rund 6,42 Mio. Euro. Das gab Lutz Feldmann, Aufsichtsratsvorsitzender des Karlsruher Energiekonzerns, bei der Hauptversammlung des Unternehmens bekannt.
Er schilderte, dass Aufsichtsrat und Schell nicht zu einer einheitlichen Sicht gekommen seien, wie sich der hinter Eon zweitgrößte Stromversorger in Deutschland strategisch ausrichten und vor allem auf die Entwicklungen am Energiemarkt infolge des Kriegs in der Ukraine reagieren solle.
Eon-Chef verdiente 6,4 Mio. Euro
Schell hatte den Chefposten im November 2022 angetreten – mit einer Vertragslaufzeit von eigentlich drei Jahren. Zum Ablauf 8. März 2024 endete die Amtszeit. Im Vergütungsbericht ist Schells Gesamtvergütung für das Jahr 2023 mit gut 2,74 Millionen Euro angegeben.
Zum Vergleich: RWE-Chef Markus Krebber kam im selben Jahr auf eine Gesamtvergütung von 6,4 Mio. Euro. Auch Eon-Vorstandschef Leonhard Birnbaum konnte sich über 6,4 Mio. Euro freuen.
EWE-Vorstand insgesamt bei 5,4 Mio. Euro
Deutlich weniger dürfte EWE-Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler im vergangenen Jahr eingestrichen haben.
Die Oldenburger geben lediglich die Bezüge des gesamten Vorstands bekannt. Diese beliefen sich auf 5,4 Mio. Euro. Der EWE-Vorstand hat fünf Mitglieder.
Stadtwerkechefs verdienen deutlich weniger
Auch Stadtwerkechefs dürften deutlich weniger Geld verdienen. Laut einer Studie der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen gaben lediglich zwei Prozent der befragten Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder öffentlicher Unternehmen an, eine Vergütung von mehr als 500.000 Euro zu erhalten. (Die ZfK berichtete.)
Konkretere Zahlen liegen zum größten Stadtwerk Deutschlands in München vor. Die Geschäftsführungsmitglieder dort erhielten für das Jahr 2022 insgesamt knapp 1,7 Mio. Euro inklusive Prämien. Das Gremium besteht aus vier Mitgliedern, darunter dem Vorsitzenden Florian Bieberbach.
Neuer EnBW-Chef äußert sich zu Konzernprognose
Der EnBW-Aufsichtsratsvorsitzende Feldmann verteidigte den Auswahlprozess, der zu Schells Wahl geführt habe. Der Aufsichtsrat habe den Manager aus mehreren Kandidaten ausgesucht.
Schells Nachfolger Georg Stamatelopoulos, der im Vorstand für das Ressort "Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur" verantwortlich war, äußerte sich nicht zu seinem Gehalt. Vielmehr bekräftigte er die Konzernprognose für das laufende Jahr.
Tempo bei Kraftwerksstrategie
Beim bereinigten Ebitda erwartet EnBW 4,6 bis 5,2 Milliarden Euro. Das wäre zwar ein Rückgang im Vergleich zum erfolgreichen Jahr 2023, als der Wert bei 6,4 Milliarden Euro lag – ein Plus von 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Ergebnis läge aber weiter über jenem von 2022. "Darin drückt sich die nachhaltige wirtschaftliche Stärke des Unternehmens aus", sagte er.
Von der Politik forderte er für die Energiewende "einen stabilen Rahmen, klare Investitionsbedingungen und Aussichten auf dauerhafte Refinanzierung unserer Investitionsmittel". Als Beispiel nannte er den Bau neuer Kraftwerke. Erste Ausschreibungen müssten noch in diesem Jahr kommen.
Finanzierung des Wasserstoffkernnetzes
Ähnlich sehe es bei der Wasserstoffinfrastruktur und dem Markthochlauf aus. "Wir brauchen ein enges und konstruktives Zusammenwirken von Politik und Wirtschaft in Fragen der Finanzierung des Wasserstoffkernnetzes. Andernfalls wird die Energiewende unnötig lange brauchen, um zu einem wirklichen Erfolg zu werden." (aba/dpa)



