Leonhard Birnbaum wird Vorstandsvorsitzender von Eon. Das hat der Aufsichtsrat des Energiekonzerns beschlossen, wie Eon mitteilte. Birnbaum übernimmt demnach zum 1. April 2021 von Johannes Teyssen. Teyssen trat 1989 in den Konzern ein, ist seit 2004 Mitglied des Konzernvorstands und führt Eon seit mehr als zehn Jahren.
Teyssens Vertrag als Vorstandsvorsitzender lief noch bis Ende 2021. Birnbaum (53) galt schon seit längerem als designierter Nachfolger des 61-Jährigen. Er ist seit 2013 Mitglied des Eon-Vorstands und hat zuletzt die Integration der früheren RWE-Tochter Innogy in den Eon-Konzern geleitet.
Teyssen räumt Fehler ein
Die Innogy-Übernahme war der Schlusspunkt unter einen weitreichenden Konzernumbau, den Teyssen nach seinem Amtsantritt 2010 gestartet hatte. Eon hatte auf die Liberalisierung der Strommärkte und die Energiewende lange Zeit keine Antwort gefunden. Wegen des wachsenden Anteils von Energie aus Wind und Sonne warf das klassische Stromgeschäft immer weniger Geld ab, viele Kraftwerke produzierten nur noch Verluste. "Wir waren lange eher die Skeptiker, die die Zukunft der erneuerbaren Energien in Zweifel gezogen haben", räumte Teyssen später ein.
Ende 2014 kündigte Teyssen die Abspaltung der Energieerzeugung mit Gas, Kohle und Wasserkraft sowie des Energiehandels vom Mutterkonzern an. Unter dem Namen Uniper kam das einstige Herzstück von Eon an die Börse. Inzwischen wird Uniper vom finnischen Fortum-Konzern kontrolliert. Sobald das letzte Eon-Kernkraftwerk abgeschaltet ist, wird Eon selbst keinen Strom mehr produzieren.
Deal mit RWE
Nach dem Deal mit dem alten Rivalen RWE konzentriert sich Eon auf die Energienetze und den Energieverkauf an Endkunden. RWE hat die erneuerbaren Energien von Eon und Innogy übernommen und ist mit 15 Prozent an Eon beteiligt.
In der Mitteilung betont der Aufsichtsratsvorsitzende Karl-Ludwig Kley, dass es für Eon in den kommenden Jahren darauf ankomme, auf dem Fundament des erfolgreich abgeschlossenen Konzernumbaus aufzubauen. Das Unternehmen solle als Treiber der europäischen Energiewende im digitalen Zeitalter für die Kunden, die Gesellschaft und die Investoren weiterentwickelt werden.
Birnbaum gilt als Brückenbauer
Birnbaum habe die Digitalisierung des Netz-Geschäftes entscheidend geprägt und die Integration von Innogy in die neue Eon überzeugend geführt, so Kley weiter. Er sei auch der Richtige für die neue Aufgabe, da er als Brückenbauer gelte.
Vorstand wird weiblicher
Ebenfalls mit Wirkung zum 1. April 2021 rückt Victoria Ossadnik in den Eon-Vorstand auf. Sie ist aktuell Vorsitzende der Geschäftsführung der Eon Energie Deutschland GmbH. Ossadnik, die seit April 2018 dem Eon-Konzern angehört, war zuvor sieben Jahre bei der Microsoft Corporation tätig und leitete hier zuletzt die weltweite Enterprise Service Data- und Artificial Intelligence-Organisation des Konzerns. Sie wird künftig inhaltlich für die Digitalisierung des Konzerns verantwortlich sein. Ossadnik wird dann die einzige Frau im Vorstand von Eon sein.
Aufsichtsratschef Kley stellt in der Mitteilung heraus, dass Ossadnik in ihrer bisherigen Rolle als Verantwortliche für das deutsche Vertriebsgeschäft auch unter Beweis gestellt habe, dass sie eine große Organisation durch grundlegende, technologiegetriebene Veränderungen führen könne.
Vorstandsressort für Digitalisierung
„Mit einem eigenen Ressort für Digitalisierung auf Vorstandsebene setzen wir inhaltlich ein Ausrufezeichen und unterstreichen damit die aus unserer Sicht elementare Bedeutung von digitaler Technologie und Innovation bei der weiteren Transformation der gesamten Energiewirtschaft und des Eon-Konzerns“, führt Kley weiter aus.
Will Teyssen Aufsichtsratschef werden?
Laut Informationen des „Handelsblatts“ vom November zieht Johannes Teyssen sich nicht endgültig aus dem aktiven Berufsleben zurück. Der Manager wolle gerne nach einer zweijährigen Pflichtpause 2023 Aufsichtsratschef bei Eon werden, so die Zeitung.
Kley würdigt Teyssen in der Mitteilung bereits jetzt als einen Mann, der Eon mehr als dreißig Jahre lang geprägt und mit Mut, Weitsicht und Entschlossenheit durch eine für den Energiesektor historische Phase mit tiefgreifenden Umwälzungen geführt habe. „Die heutige Positionierung von Eon als einer der Wegbereiter der Energiewende in Europa und verlässlicher Gesprächspartner von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ist untrennbar mit seinem Namen und seiner Person verbunden.“ (amo/mit dpa)



