Zwischen Hörsaal und Ufer entstehen an der Zeppelin-Universität Netzwerke fürs Leben.

Zwischen Hörsaal und Ufer entstehen an der Zeppelin-Universität Netzwerke fürs Leben.

Bild:@ Zeppelin-Universität

Der Masterstudiengang "Public Management mit Schwerpunkt Kommunalwirtschaft" ist vor rund einem Jahr gestartet, um eine Lücke zu schließen: Ein universitärer Studiengang mit Fokus auf kommunale Unternehmen fehlte bislang.

Ein Jahr später ziehen drei Studierende des ersten Jahrgangs – Marlon Geretshauser (Enercity), Niklas Labib (BEN Berlin Energie und Netzholding) und Vinzenz Schneider (Stadtwerke Bonn) – gemeinsam mit Ulf Papenfuß, dem verantwortlichen Professor der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen, eine erste Bilanz. 

Die fällt im Gespräch mit der ZFK einheitlich aus: Es ist vor allem die Kombination, die überzeugt. Unterschiedliche berufliche Hintergründe, intensive Praxisphasen und der direkte Austausch mit kommunalen Führungskräften schaffen einen Mehrwert, der über ein klassisches Studium hinausgeht. Gleichzeitig fordern der hohe wissenschaftliche Anspruch sowie Themen wie Verwaltungslogiken spürbar heraus.

Topmanagement ganz nahbar

Zum Studienstart kam VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing persönlich nach Friedrichshafen. "Beeindruckend viele Führungskräfte sind direkt in die Lehre eingebunden", heben die drei Studenten hervor. Ein Beispiel sei Jens Meier, CEO der Stadtwerke Lübeck, der die Studierenden gerade eine Woche lang in das Unternehmen eingeladen und Einblicke in die fundierte Gestaltung des Arbeitsalltags gegeben hat.

Man fängt auch an, Führungsstile und Strategien selbstbewusster kritisch zu hinterfragen und zu vergleichen.

Der Austausch mit kommunalen Geschäftsführer:innen und Bereichsleiter:innen gehört für alle drei Studenten zu den prägendsten Elementen des Studiengangs. "Das Besondere ist die Nähe. Man sitzt mit dem Topmanagement in kleinen Gruppen zusammen, kann direkt Fragen stellen und kommt ins Gespräch", sagt Labib, der bei BEN bereits selbst ein Team führt.

Gerade weil die Gesprächspartner teils große Mitarbeitendenzahlen verantworten, wirken diese Begegnungen besonders persönlich – auch als Ergänzung zur Theorie, und Labib ergänzt: "Man diskutiert dort, was im Alltag tatsächlich funktioniert."

"Es wird deutlich, dass es nicht nur einen festen Karriereweg gibt", ergänzt Schneider. Für Geretshauser stärkt der Austausch vor allem das eigene Selbstverständnis: Führung werde greifbar – und der Gedanke, selbst Verantwortung zu übernehmen, konkreter. "Man fängt auch an, Führungsstile und Strategien selbstbewusster kritisch zu hinterfragen und zu vergleichen."

Bild: Enercity

Marlon Geretshauser

absolvierte seinen Master in Elektrotechnik mit Schwerpunkt Mikroelektronik an der Leibniz-Universität Hannover. Danach stieg er bei Enercity Netz in ein Trainee-Programm ein. Ab Sommer 2026 ist er bei Enercity im Konzessions- und Kommunalmanagement tätig.

Verwaltung verstehen

Im Studium sei ihnen noch stärker bewusst geworden, wie stark Politik und Verwaltung den Arbeitsalltag kommunaler Unternehmen prägen. Geretshauser betont, dass gerade Verwaltungsthemen außerhalb seines unmittelbaren Arbeitsumfelds im Bereich Unternehmensstrategie seinen Blick erweitert hätten.

Labib ergänzt, er könne heute besser nachvollziehen, "wie Verwaltung tatsächlich funktioniert" – etwa bei Haushaltsprozessen, Entscheidungswegen oder Abstimmungen mit anderen kommunalen Unternehmen. Viele Abläufe im Berufsalltag könne er dadurch besser einordnen.

Man arbeitet nicht nur für sich selbst, sondern für etwas Größeres.

Hausarbeiten und Projekte orientieren sich häufig an konkreten Fragestellungen aus der Praxis. Schneider beschäftigte sich dabei wissenschaftlich mit Beteiligungsstrukturen und der Frage, welchen Einfluss Politik und Verwaltung einer Stadt oder Region auf kommunale Unternehmen haben können.

Labib wiederum analysierte beispielsweise die komplexe Steuerung durch mehrere Akteure im Energiesektor. Geretshauser plant im Rahmen seiner Masterarbeit ein Projekt mit internationalem Praxisbezug und möchte sich dafür unter anderem mit Stadtwerken in Skandinavien beschäftigen.

Darin sehen alle drei eine besondere Stärke des Studiengangs: wissenschaftliche Methoden wie "evidenzbasiertes Arbeiten" mit konkreten Herausforderungen aus der Praxis zu verbinden.

Bild: @ Chris Gonz/BEN

Niklas Labib

ist Leiter des Geschäftsführungsbüros und Organisation bei der BEN Berlin Energie und Netzholding. Nach einem dualen Bachelorstudium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Dienstleistungsmanagement war er unter anderem Leiter des Geschäftsführungsbüros und Unternehmenssprecher der SWN Stadtwerke Neumünster.

Kommunaler Spirit

Für die drei Studenten spielt der sogenannte "Kommunal-Spirit" im Studium eine wichtige Rolle – also das Bewusstsein, dass kommunale Unternehmen nicht nur wirtschaftlich arbeiten, sondern auch Verantwortung für Gesellschaft, Infrastruktur und Region tragen.

Geretshauser beschreibt, dass gerade die vielen Praxisbeispiele und Diskussionen im Studium dieses Verantwortungsgefühl noch einmal verstärkt hätten: "Man arbeitet nicht nur für sich selbst, sondern für etwas Größeres."

Besonders eindrücklich wurde das für Schneider während einer Exkursionswoche bei der Stadtreinigung Hamburg. Beeindruckt habe ihn dort vor allem das Secondhand-Kaufhaus "Stilbruch", eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadtreinigung. 

"Die Mitarbeitenden arbeiten dort mit großer Leidenschaft", sagt er. Ziel ist es, Gegenstände vor dem Sperrmüll zu bewahren, aufzubereiten und ihnen ein zweites Leben zu geben. Dort habe Schneider gespürt, "welches Verantwortungsverständnis dahintersteht".

Foto: Martin Magunia fuer SWB Bonn; Rechte frei für interne Verwendung durch SWB; alle Rechte vorbehalten; Der Fotograf übernimmt keine Haftung für die Verletzung von Rechten Dritter, abgebildeter Personen oder Objekte. Der Erwerb von Nutzungsrechten z. B. für abgebildete Werke der bildenden oder angewandten Kunst sowie die Einholung von Veröffentlichungsgenehmigungen bei Behörden, Museen, Institutionen, Firmen etc. obliegt dem Kunden. Der Kunde trägt die Verantwortung für die Veröffentlichung, Betextung sowie die sich aus der konkreten Veröffentlichung ergebenden Sinnzusammenhänge.Bild: @ Martin Magunia/SWB

Vinzenz Schneider

absolvierte bei den Stadtwerken Bonn eine Ausbildung zum Industriekaufmann sowie berufsbegleitend ein Bachelorstudium in Business Administration. Berufserfahrung sammelte er unter anderem in der Konzernstrategie und im Geschäftskundenvertrieb.

Talente erkannt

Ulf Papenfuß zieht als verantwortlicher Professor ein positives Fazit. "Wer sagt das?" sei für viele Studierende inzwischen nicht mehr die entscheidende Frage, sagt Papenfuß, sondern vielmehr: "Was ist die Evidenz?" Nach seinen Eindrücken habe sich dadurch eine neue Denkweise entwickelt: Die Studierenden seien reflektierter geworden, könnten Praxisprobleme differenzierter analysieren und daraus präzisere Handlungsvorschläge ableiten.

Gleichzeitig beobachte er, dass viele bereits Verantwortung in ihren Unternehmen übernehmen. "Die Studierenden tragen die Themen in die Organisation und unterstützen ihre Führungskräfte beim Voranbringen von Themen", beschreibt Papenfuß die Rückmeldungen aus der Praxis. Auch die Netzwerke des Studiengangs seien für viele prägend und stärkten den engen Austausch mit Praxispartnern und Führungskräften – auch in der Zukunft.

Ulf Papenfuß ist Professor für Public Management an der Zeppelin-Universität.Bild: @ Zeppelin-Universität

Ulf Papenfuß

ist Professor für Public Management an der Zeppelin-Universität und hat den Studiengang konzipiert.

Insgesamt sieht Papenfuß im ersten Jahrgang bereits deutlich Führungspotenzial und "die kommunalen Führungskräfte von morgen" – sichtbar an dem "Ehrgeiz, die Zukunft zu verbessern, jetzt zu handeln und konkret auch Zukunft gestalten zu wollen".

Neue Bewerbungsphase

Das Studium findet im Blockwochen-Format an wechselnden Standorten statt und ist berufsbegleitend angelegt. Bewerbungen für die nächste Kohorte sind weiterhin möglich, betont Papenfuß. Informationen zum Studiengang und zur Anmeldung finden Interessierte hier auf der Website der Zeppelin-Universität.

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