Robert Denda setzt in seiner Rolle als CEO und CTO bei Westenergie auf Dialog und klare Agenda.

Robert Denda setzt in seiner Rolle als CEO und CTO bei Westenergie auf Dialog und klare Agenda.

Bild: © Westenergie

Seit dem 1. Januar 2026 steht Robert Ronald Denda an der Spitze der Westenergie – und zwar in einer neuen, strategisch gestalteten Doppelrolle als Chief Executive Officer (CEO) und Chief Technology Officer (CTO) zugleich.

Dieser Schulterschluss von Technik und Unternehmensführung ist ein bewusstes Signal an die Branche: Jetzt zählt die Umsetzung der Energiewende. "Die Agenda ist klar, jetzt geht es ums Machen", sagt der 52-Jährige im Interview mit der ZFK.

Internationale Stationen

Denda, geboren in Koblenz und promovierter Wirtschaftsinformatiker, bringt mehr als 25 Jahre internationale Energieerfahrung mit. Seine Karriere führte ihn unter anderem in leitende Funktionen bei der italienischen Enel-Gruppe, einem der größten Energieversorger weltweit – zuletzt als CEO einer Smart-Grid-Tochter und zuvor als Leiter für Netztechnologie und Innovation.

"Genau diese Transformationsprozesse prägen heute nicht nur Deutschland, sondern sind inzwischen globale Themen", so Denda mit Blick auf seine prägenden Stationen, bevor er an die Spitze der Eon-Tochter wechselte.

"Diese Erfahrungen bringe ich jetzt sehr bewusst bei Westenergie ein." In Italien war der Koblenzer unter anderem für den Einbau von Millionen intelligenter Stromzähler als Leiter der Netztechnologien mitverantwortlich. Italien gilt neben Spanien und Skandinavien als führend beim Einsatz von Smart Metern. Diese Erfahrung will er nun bei Westenergie einbringen und den weiteren Rollout vorantreiben.

Schluss mit "Zick-Zack-Kurs"

Und diese Erfahrungen sind bei Westenergie in der Tat gefragt: Das Unternehmen, das rund 14,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner mit Strom, Gas und Wasser versorgt, steht mitten in einem tiefgreifenden Wandel. Netzstabilität, Digitalisierung und die Integration erneuerbarer Energien sind längst keine Nischenthemen mehr, sondern zentraler Bestandteil des Tagesgeschäfts und der strategischen Ausrichtung.

Nach dem "Zick-Zack-Kurs" der vergangenen Jahre herrscht bei den meisten Punkten Einigkeit darüber, wie die Energiewende nun umzusetzen ist, so Denda. Westenergie hat in den vergangenen Jahren massiv investiert, um die Netze auszubauen, zu verstärken und zu digitalisieren. Seit der Gründung im Oktober 2020 hat das Unternehmen rund 3,4 Milliarden Euro in das regulierte Strom- und Gasnetz investiert – davon über 1 Milliarde Euro allein im Jahr 2024.

Parallel dazu ist auch das jährliche Gesamtinvestitionsvolumen stark gestiegen: von 775 Millionen Euro im Jahr 2020 auf über 1,3 Milliarden Euro im Jahr 2024. "Dass wir unser jährliches Investitionsvolumen seit 2020 fast verdoppelt haben, ist kein Zufall – es ist Ausdruck unseres klaren Anspruchs, beim Umbau des Energiesystems voranzugehen", sagt er.

Wir arbeiten technisch am Limit des Machbaren.

Robert Denda, Westenergie

Gleichzeitig sei die Nachfrage so hoch, dass nicht alles sofort umgesetzt werden könne – "wir arbeiten technisch am Limit des Machbaren, viele Prozesse brauchen Zeit". Für ihn ist entscheidend, dass sowohl das bisher Erreichte anerkannt wird als auch die konsequente Umsetzung der notwendigen Schritte für die Energiewende weiter vorangetrieben wird.

Die Doppelrolle: Herausforderung und Chance

Die Verbindung von CEO- und CTO-Funktion ist bei Westenergie neu – ein Modell, das Denda aktiv mitgestaltet. Diese Rolle habe es bei Westenergie zuvor nicht gegeben. "Dahinter steckt die strategische Ausrichtung, sich modern aufzustellen und technisches Verständnis mit Managementkompetenz zu verbinden", erklärt er. In seiner Wahrnehmung spielt die technologische Transformation eine ebenso große Rolle wie klassische Führungsaufgaben. Beides zusammen zu denken und umzusetzen – darin sieht er seine zentrale Herausforderung und zugleich seine Chance.

Denda sieht sich nicht als typischer Top-down-Manager, sondern setzt auf einen kooperativen Führungsstil und Dialog: "Diese Transformation kann niemand alleine lösen. Sie gelingt nur im Zusammenspiel von Mitarbeitenden, Kunden, Kommunen, Politik und Partnern."

Der neue CEO Robert Denda sieht sein Unternehmen vor große Aufgaben.Bild: © Westenergie AG

Fokus: Sicherheit, Digitalisierung, Kommunikation

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem Einbezug der Mitarbeitenden und der Kultur bei Westenergie. Sein erster Eindruck: "Es gibt eine offene, pragmatische Kultur, die Kolleginnen und Kollegen unterstützen sich gegenseitig und gehen Probleme lösungsorientiert an. Das ist eine sehr gute Basis." Sein unmittelbares Ziel ist es, die Teams intensiv kennenzulernen und die bestehenden Potenziale weiter zu entfalten.

Für seine Agenda bei Westenergie definiert Denda konkrete Schwerpunkte. Dabei bekommt Arbeitssicherheit höchste Priorität. Das entsprechende Eon-Programm "Vision Zero" hat das Ziel, keine Arbeitsunfälle mehr zu haben – weder bei eigenen Mitarbeitenden noch bei Partnern. Die Digitalisierung sieht er außerdem als Schlüsselfaktor für Effizienz und technische Exzellenz. Digitale Lösungen sollen nicht nur Abläufe verbessern, sondern auch die Sicherheit erhöhen und Netzprozesse intelligenter steuern.

Kommunikation vor Ort ist ihm persönlich sehr wichtig. Einmal mehr betont er, dass die Energiewende nicht am Schreibtisch stattfindet: "Energiewende findet … vor Ort statt." Damit knüpft Denda an das an, was Westenergie selbst als Leitbild bezeichnet: regionale Verankerung und Versorgungssicherheit als Grundlage für künftige Erfolge.

Die Rolle als Signal an die Branche

"Westenergie steht für Versorgungssicherheit, technologische und regionale Stärke sowie nachhaltige Partnerschaften", hatte er kürzlich öffentlich erklärt. Zu diesen Partnerschaften gehören bei Westenergie rund 1600 Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen. In diesen Kommunen ist Westenergie mit seiner Verteilnetztochter Westnetz für den Betrieb von Strom- und Gasnetzen zuständig.

Auch hier ist die Digitalisierung ein wesentlicher Bestandteil, etwa durch den Ausbau digitaler Ortsnetzstationen. Bis 2028 plant Westnetz, über 9500 davon ans Netz zu bringen. "Das ist Smart Grid – nicht auf dem Papier, sondern draußen auf der Straße, im Quartier."

Die gebündelte Rolle sei auch ein Signal an die Branche. Aus Sicht des Aufsichtsrats unterstreicht diese Entscheidung den Anspruch, sowohl Innovation als auch die Beschleunigung der Prozesse stärker zu verankern.

Dialog mit Bürgern und der Politik entscheidend

In einer Zeit, in der Akzeptanzfragen, Netzengpässe und technologische Herausforderungen die öffentliche Debatte bestimmen, sieht Denda Deutschland in einer vorteilhaften Position, denn: "Deutschland ist in vielen Bereichen Vorreiter. Entscheidend ist aber überall der Dialog mit allen Beteiligten."

Denda folgt bei Westenergie auf den Interimsgeschäftsführer Bernd Böddeling, der das Unternehmen von Mai 2025 bis Ende 2025 leitete. Davor stand die heutige Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche an der Spitze von Westenergie.

Diese Tatsache über seine prominente Vorgängerin bewertet Denda grundsätzlich positiv. Es sei immer gut, wenn jemand mit tiefgehenden Branchenkenntnissen Entscheidungen mit Blick auf die Herausforderungen der Energiebranche treffe und diese dann klug abwäge.

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