Schon jetzt dürfte der Stromanbieter Tibber bei dynamischen Tarifen in Deutschland ganz oben mitspielen, wenn nicht sogar die Nummer eins sein. Um noch schneller zu wachsen, richtet sich das einstige Start-up aus Skandinavien nun neu aus.
Das Unternehmen, das derzeit in vier europäischen Ländern tätig ist, will die Zusammenarbeit zwischen dem deutschen und niederländischen Markt vertiefen. Neue Integrationen bei E-Auto-Marken und Batterien sollen beispielsweise sofort und länderübergreifend für alle Kunden verfügbar sein, teilt der Stromanbieter mit.
Von Klarna zu Tibber
Zudem löst Wilko Klaassen den bisherigen Deutschlandchef Merlin Lauenburg ab. Klaassen arbeitete laut Linkedin-Profil bis November 2025 beim Zahlungsdienstleister Klarna und war dort zuletzt Geschäftsführer in Belgien. Im Januar stieß er zu Tibber. Künftig soll er dort den Titel Senior Vice President Growth Markets tragen.
"In Deutschland und den Niederlanden tritt intelligenter Stromverbrauch endlich aus der Nische", wird Tibber-Gründer Edgeir Aksnes in einer Pressemitteilung zitiert. "Dabei wird insbesondere die Entwicklung in Deutschland darüber entscheiden, wie schnell ganz Europa elektrifiziert werden kann."
Auf ZFK-Anfrage äußerte sich Tibber nicht zu aktuellen Kundenzahlen in Deutschland. Laut einer Pressemitteilung des Unternehmens hat sich die Zahl unter Lauenburgs Führung jedoch verzehnfacht. Zum Vergleich: Im Oktober 2022 sprach die damalige Tibber-Deutschland-Chefin Marion Nöldgen in einem Interview mit dem Portal "Electrified" noch von einem "mittelgroßen fünfstelligen Bereich".
Hemmschuh Smart-Meter-Rollout
Skalierung war ausdrücklich Lauenburgs Auftrag, als er im Frühjahr 2023 Nöldgens Nachfolge antrat. "Wir werden mit dem Smart-Meter-Rollout nicht bis 2025 warten", kündigte der Manager damals an. "Wir sprechen bereits mit Netz- und Messtellenbetreibern und bauen schon heute auf Wunsch von unseren Kund:innen Smart Meter ein."
Der schleppende Smart-Meter-Hochlauf in Deutschland trieb Lauenburg in seiner Zeit als Tibber-Deutschland-Chef um. "Viele unserer Kunden interessieren sich aktiv für dynamische Tarife, gerade wenn sie ein E-Auto oder eine PV-Anlage besitzen", sagte er im Herbst 2025 in einem ZFK-Interview. "Aber: In der Realität scheitert es oft an der technischen Voraussetzung. (...) Ohne Smart Meter lassen sich dynamische Tarife nicht nutzen – das bremst das ganze Modell aus."
Lauenburg will Unternehmen gründen
Stark schwankende Strompreise auf den Kurzfristmärkten erwiesen sich für Anbieter dynamischer Tarife in den vergangenen Monaten als Vor- und Nachteil. Während gerade an sonnigen Wochenendtagen zur Mittagszeit für Kunden Gratisstrom winkte, konnte die Stromnutzung in windschwachen Abendstunden ziemlich teuer werden. Auf dem Vergleichsportal Check 24 lag Tibber zuletzt bei 4 von 5 Sternen und einer Weiterempfehlungsrate von 73 Prozent. Bei Verivox reichte es zu 2,7 von 5 möglichen Sternen.
Auf ZFK-Nachfrage verneinte ein Unternehmenssprecher, dass wirtschaftliche Gründe für Lauenburgs Weggang und die Neuausrichtung des Tibber-Deutschlandgeschäfts verantwortlich gewesen seien. Lauenburg selbst schrieb auf Linkedin, dass es Zeit sei für sein nächstes Kapitel. "Ich gründe selbst", postete er. "Mehr dazu in den kommenden Wochen. Nur so viel: Der nächste große Hebel der Energiewende liegt für mich in einem industriellen Sektor, in dem das System gerade noch schwer in Bewegung kommt. Genau dort bauen wir aktuell etwas auf."



