Arbeitgeber- und Gewerkschaftsvertreter verhandelten bis in die frühen Morgenstunden. Dann stand die Einigung für Mitarbeitende der Tarifgemeinschaft Energie, kurz TG Energie.
Der neue Abschluss betrifft in erster Linie die Beschäftigten des größten deutschen Energieversorgers Eon, des Übertragungsnetzbetreibers Tennet sowie der Eon-Töchter Edis und EnviaM. Er gilt auch als Gradmesser für den Tarifvertrag Versorgungsbetriebe (TV-V), nach dem ein Großteil der Stadtwerke in Deutschland zahlt.
Die Gewerkschaft Verdi war am 15. Januar mit einer Forderung von sieben Prozent mehr Gehalt für eine Laufzeit von zwölf Monaten in die Verhandlungsrunde gestartet. Am Ende konnte man sich auf eine zweistufige Gehaltserhöhung in geringerem Umfang einigen.
Gehaltsfahrplan bis Mitte 2028 zementiert
Insgesamt wird der neu beschlossene Tarifvertrag 29 Monate laufen. In einer ersten Phase steigen die Gehälter um vier Prozent rückwirkend ab dem 1. Februar.
Die zweite Phase beginnt am 1. Oktober 2027. Dann sollen die Gehälter um weitere zwei Prozent steigen. Hinzu kommt eine Einmalzahlung im Mai 2026. Die Beschäftigten dürfen sich dann über 1000 Euro freuen. Auszubildenden und Dual Studierenden werden 500 Euro überwiesen. Am 30. Juni 2028 endet die Laufzeit. Dann stehen neue Verhandlungen an.
Stadtwerke blicken traditionell besonders genau auf den TG-Energie-Abschluss. Gerade bei Fachkräften ist der Konkurrenzdruck groß. Im vergangenen Jahr wurde der wichtigste Stadtwerke-Tarif TV-V neu verhandelt. Im Juni 2025 durften sich die Angestellten über einen Lohnanstieg um bis zu acht Prozent freuen. Im Juni werden die Gehälter nochmals um 1,25 Prozent steigen.
Weitere Übereinkünfte
Neben den Gehältern wurde auch eine Verlängerung der bereits geltenden Übernahmereglungen aufgenommen. Man hat sie ursprünglich bis 2029 vereinbart und nun bis 2031 verlängert.
Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter einigten sich zudem darauf, den hohen Stellenwert der betrieblichen Ausbildung im Tarifvertrag festzuhalten. Konkret will man an der hohen Ausbildungszahl festhalten, sagte Verdi-Chefverhandler Alexander Gröbner auf Nachfrage. Eine konkrete Zahl wurde jedoch nicht festgeschrieben. "Mit der Verlängerung der bestehenden Übernahmeregelungen für Auszubildende und Dual Studierende bis 2031 konnte außerdem die Sicherung des qualifizierten Nachwuchses erreicht werden", heißt es dazu von einem Eon-Sprecher.
"Das ist insbesondere angesichts der Veränderungen in der Netzregulierung der Bundesnetzagentur ein wichtiges Signal sowohl in die Branche als auch in die Belegschaft", sagte Gröbner.
Für Mitglieder der Gewerkschaft gibt es zukünftig außerdem einen Tag mehr Bildungsurlaub. Insgesamt haben Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter somit bis zu vier Tage frei in denen sie sich im Bereich des Arbeitsrechts weiterbilden können.
Harte Verhandlungen
Aus gewerkschaftlicher Sicht war es "keine einfache Tarifsituation", aber am Ende habe man "mit der Arbeitgeberseite gut zu einem Ergebnis gefunden". Das gesamtwirtschaftliche Umfeld habe einen starken Einfluss auf die Verhandlungen gehabt, sagte Gröbner.
Die Situation der Energiewirtschaft sei von Herausforderungen geprägt, etwa durch die Energiewende und hohe Investitionsbedarfe. "Aus unserer Perspektive sind die Beschäftigten die Treiber der Energiewende. Mit dem Tarifabschluss ist uns eine dafür adäquate Lohnerhöhung gelungen", sagte Gröbner. Der Tarif habe zwar eine lange Laufzeit, aber die Anhebungen seien signifikant erkennbar.
"Die Verhandlungspartner haben dabei ein Ergebnis erzielt, das unter den gegenwärtigen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen vernünftig ist und dem Unternehmen aufgrund einer Laufzeit von 29 Monaten Planungssicherheit und Stabilität bietet", ordnete ein Eon-Sprecher den Tarifabschluss auf Anfrage ein.



