Der stotternde Wirtschaftsmotor lässt Unternehmen bei der Einstellung von Fachkräften wieder vorsichtiger werden. Eine Umfrage der ZFK ergab, dass auch in der Kommunalwirtschaft eine Verschiebung weg vom Arbeitnehmermarkt stattfindet.
Eine deutliche Zunahme an Initiativbewergungen, vor allem im kaufmännischen Bereich, verbuchen etwa die Stadtwerke Jena. Als positiv führt Ines Eckert, Leiterin Unternehmenskommunikation der Stadtwerke Jena, auch die Zunahme der Quereinsteiger an, die sich als Busfahrer ausbilden lassen. Gleichwohl gebe es aber keine Besserung im technischen Bereich: Spezialisten in Sachen Energiewende sowie Stellen für Monteure, Elektroniker und Rohrleitungsbauer seien beispielsweise schwer zu besetzen.
Ähnlich ist der Tenor bei den Stadtwerken Bochum. "Wir können im Bereich der normalen Stellenausschreibungen den Trend bestätigen. Die Anzahl der Bewerbungen steigt aktuell durchgängig", sagt Christian Seger, Pressesprecher der Stadtwerke Bochum. So verbuchten die Stadtwerke Bochum im Jahr 2022 noch 188 Intiativbewerbungen; 2025 waren es bereits 510.
Für das laufende Jahr rechnet man sogar mit rund 650 Bekundungen. In besonders energiespezifischen Bereichen sei es trotzdem immer noch nicht leicht, Stellen zu füllen, stellt Seger klar. "Im Bereich der Ausbildungsstellen ist der Trend nicht so stark ausgeprägt. Hier liegen wir seit Jahren auf gleichbleibend hohem Niveau.
Aktuell verzeichnen wir eine steigende Anzahl an Bewerbungen – insbesondere auch auf Spezialistenstellen, die in der Vergangenheit deutlich schwerer zu besetzen waren.
Dino Höll, Geschäftsführer der Stadtwerke Dessau
Indes nehmen die Stadtwerke Dessau auch bei Spezialistenstellen eine deutliche Steigerung wahr. Geschäftsführer Dino Höll beschreibt den Status Quo als "positives Signal vom Arbeitsmarkt und ein Hinweis auf eine spürbare Dynamik in beide Richtungen".
Er erörtert: "Aktuell verzeichnen wir eine steigende Anzahl an Bewerbungen – insbesondere auch auf Spezialistenstellen, die in der Vergangenheit deutlich schwerer zu besetzen waren. Gleichzeitig beobachten wir, dass offene Positionen insgesamt schneller besetzt werden können."
Insgesamt sei die Zahl der Initiativbewerbungen in den letzten Monaten deutlich angestiegen, sagt er. "Sie entstehen häufig aus persönlichen Kontakten, etwa im Rahmen von Messen oder Netzwerkveranstaltungen. Dabei zeigt sich, dass die Qualität der Initiativbewerbungen durchaus mit der von Bewerbungen auf konkret ausgeschriebene Positionen vergleichbar ist. Insgesamt spricht vieles dafür, dass sich der Arbeitsmarkt derzeit neu austariert."
Höll sieht in der Entwicklung auch ein Signal, dass Stadtwerke in der öffentlichen Wahrnehmung als "sehr attraktive Arbeitgeber" wahrgenommen werden. "Wir stehen für sichere und langfristige Beschäftigungsperspektiven, bieten sinnstiftende Tätigkeiten in zentralen Zukunftsfeldern wie Energie, Mobilität und Infrastruktur und sind zugleich stark regional verankert. Diese Kombination gewinnt für viele Bewerberinnen und Bewerber wieder stärker an Bedeutung."
Arbeitsmarkt erfordert weiterhin differenzierte Betrachtung
Längst ist dies aber kein einheitliches Bild. "Wir verzeichnen insgesamt deutlich mehr Initiativbewerbungen als noch in den Jahren der Pandemie", resümiert Susanne Jagenburg, Leiterin Kommunikation und Marketing der Stadtwerke Essen. "Aktuell ist der Eingang an Initiativbewerbungen stabil mit leichter Tendenz nach oben, von einer sprunghaften Entwicklung können wir daher nicht reden."
Technische Bereiche, insbesondere das Bauingenieurwesen und die Sparte Tiefbau, sähen weiterhin einen deutlichen Mangel an Bewerbungen. Dem gegenüber stehe jedoch eine leichte Entlastung im kaufmännischen Bereich. "Dies lässt sich bis ins Bewerberverfahren weiterverfolgen, in dem auch wir eine leichte Verschiebung in Richtung Arbeitgebermarkt wahrnehmen", so Jagenburg.
Insbesondere in technischen, IT-nahen oder stark spezialisierten Funktionen ist die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte nach wie vor herausfordernd.
Oliver Müller, Personalleiter der Stadtwerke Bielefeld
Auch für die Stadtwerke Bielefeld zeichnet Personalleiter Oliver Müller ein differenziertes Bild. "Wir beobachten derzeit durchaus Veränderungen im Bewerbermarkt, diese lassen sich jedoch nicht pauschal auf alle Berufsgruppen übertragen", erklärt er. "In einzelnen Bereichen ist das Aufkommen an Bewerbungen – auch bei Initiativbewerbungen – zuletzt leicht gestiegen. Daraus ergibt sich aus unserer Sicht jedoch keine generelle Trendwende."
In einigen kaufmännischen und administrativen Tätigkeitsfeldern habe sich die Bewerberlage spürbar entspannt, wobei sich Umfang und Passgenauigkeit der Bewerbungen je nach Stelle und Rahmenbedingungen deutlich unterschieden, betont Müller. "Gleichzeitig bleibt der Arbeitsmarkt in anderen Bereichen weiterhin angespannt. Insbesondere in technischen, IT-nahen oder stark spezialisierten Funktionen ist die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte nach wie vor herausfordernd."
Die Qualität der Bewerbungen hat grundsätzlich zugenommen.
Kerstin Abraham, Vorständin und Arbeitsdirektoin der Stadtwerke Krefeld
Branchenspezifisches Know-how sei weiterhin gefragt und nicht in ausreichendem Maße verfügbar. "In einzelnen Teilbereichen beobachten wir zwar leichte Entspannungen, etwa im Bereich Erneuerbare Energien, insgesamt bleibt der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte jedoch bestehen", fügt Müller hinzu.
Zusammenfassend lasse sich festhalten, dass die aktuelle Situation sehr berufs- und qualifikationsabhängig ist: "Eine einheitliche Entwicklung über alle Bereiche hinweg sehen wir derzeit nicht, vielmehr erfordert der Arbeitsmarkt weiterhin eine differenzierte Betrachtung."
Qualität der Bewerbenden nimmt zu
Ähnliche Erfahrungen schildert auch Kerstin Abraham, Vorständin und Arbeitsdirektorin der Stadtwerke Krefeld. "Ja, wir können bestätigen, dass die Anzahl von Bewerbungen und auch die Qualität der Bewerbenden grundsätzlich zugenommen hat und wir unsere Stellen wieder schneller nachbesetzen können", sagt sie.
Weiterhin herausfordernd seie jedoch die Besetzung sogenannter MINT-Berufe - IT, Elektroniker, Mechatroniker, Anlagenmechaniker, Netzbetrieb sowie bei Fahrerinnen und Fahrern für Busse, Straßenbahnen und vielfältigen Logistikaufgaben im Geschäftsfeld Entsorgung.
Insgesamt spricht vieles dafür, dass sich der Arbeitsmarkt derzeit neu austariert.
Der Beitrag ist zuerst in der April-Printausgabe der ZFK erschienen. Zum Abo geht es hier.




