Elke Benning-Rohnke (unten) sprach beim ZFK-Frauennetzwerk zum Thema "Glanz und Stigma – Die Ambivalenz der Sichtbarkeit von Frauen".

Elke Benning-Rohnke (unten) sprach beim ZFK-Frauennetzwerk zum Thema "Glanz und Stigma – Die Ambivalenz der Sichtbarkeit von Frauen".

Bild: © Screenshot ZFK

Die Teilnehmerzahlen sprachen Bände: Mit 840 Anmeldungen für die Veranstaltung des ZFK-Frauennetzwerks am 24. Februar feierte man einen neuen Rekord – eine Bestätigung dafür, dass die Thematik des Seminars einen Nerv getroffen hat. Die Sichtbarkeit von Frauen in der Arbeitswelt stand im Fokus.

Mit Elke Benning-Rohnke war eine Referentin geladen, die es selbst bis in die höchsten Positionen von Aufsichtsratsgremien schaffte, Sichtbarkeit aber auch selbst erwirken musste. Sie fand klare Worte für oft unausgesprochene Stigmata und Hürden, denen Frauen auch heute noch gegenüberstehen. Ebenso zeigte sie klare Lösungsansätze auf, um diese zu überwinden.

Was wir heute haben, muss immer wieder neu verteidigt und neu erkämpft werden.

"Vor 20 Jahren war es Hochverrat, wenn Frauen sich in Netzwerken zusammenrotteten", setzte Benning-Rohnke deutlich den Ton für ein Thema, das in jüngster Zeit auch aufgrund eines raueren geopolitischen Klimas wieder an Fahrt gewinnt. Denn das Verständnis für Gleichberechtigung und dessen Empfindung als Asset für die eigene Organisation sei längst noch nicht überall verankert, erklärte Benning-Rohnke anhand einiger Beispiele.

"Es ist absolut nicht selbstverständlich, dass wir so sichtbar sind und eine so große Stimme haben dürfen", appellierte sie. "Was wir heute haben, muss immer wieder neu verteidigt und neu erkämpft werden."

Übermäßig oft herrsche in Deutschland noch eine starke Stereotypisierung von Geschlechterrollen, oft schon im Kindesalter anerzogen, die nicht nur gesellschaftliche Normen präge, sondern vor allem die Arbeitskultur durchdringe. Insbesondere Frauen in Führungspositionen würden oft als Irritation wahrgenommen.

"Das erste Stigma-Risiko, das wir haben, das sind die Leute, die uns bewerten: männliche Entscheider. Die ideale Frau in Deutschland ist fügsam, artig und hört zu", erörterte die studierte Psychologin das Prinzip. "Wenn eine sichtbare Frau kommt, dann durchbricht sie eine Erwartungsnorm, und das ist erst mal eine Irritation, denn Männer haben gerne einen Ähnlichkeitsbias."

Formal-hierarchische Unternehmenskulturen überwinden

Laut Benning-Rohnke ist dies auch ein Resultat von formal-hierarchischen Unternehmenskulturen, die gerade in Deutschland gängig seien. Loyalität und Gehorsamkeit seien oberstes Gebot; man müsse sich einordnen und in existierende Strukturen passen. Sichtbare Frauen seien in diesem Spannungsfeld "schlecht einschätzbar" und "schlecht kontrollierbar".

"Wenn wir auf Augenhöhe gehen und unsere Kompetenz zeigen, generieren wir ein Unbehagen", resümierte sie. Zurückzuführen sei dies auf die Angst, dass kompetente Frauen zur Statusbedrohung werden könnten, das hätten auch Studien untermauert. Ein drohender Verlust sozialer Kontrolle in männerdominierten Kulturen könne somit dazu führen, trotz starker Expertisen bei der Besetzung von Führungsrollen übergangen zu werden.

"Als Frauen stehen wir sowieso außen vor, aber indem wir jetzt auch noch einen anderen Führungsstil haben, bringen wir Elemente ein, die diese Kultur verändern", erläuterte die Referentin. "Auch das ist erst mal für viele eine Irritation. Wenn Frauen dann auch noch in einer Führungsposition sind und ein Standing haben, sind sie für viele ein unberechenbares Risiko."

Unternehmen, die gleichberechtigte Teilhabe einmal erlebt haben, geben dies auch nicht wieder auf.

Das sei oft der Fall, wenn Frauen aus dem Schatten ihrer Förderer träten, so Benning-Rohnke, denn es gebe in dieser Konstellation eine Reziprozitätserwartung. Werde diese nicht erfüllt, generiere das Feinde.

Gleichwohl hielt sie fest: "Unternehmen, die gleichberechtigte Teilhabe einmal erlebt haben, geben dies auch nicht wieder auf".

Prinzipiell riet sie, das eigene Arbeitsumfeld zu reflektieren und dessen Kultur einzustufen.

"Wenn wir das einzige freie Radikal in einer Organisation sind, dann können wir zwar super Expertinnen sein und vielleicht werden wir als bunter Vogel geduldet, aber wir werden auch nicht wirksam in der Organisation", so Benning-Rohnke. "Wirksamkeit in der Organisation bedeutet immer Akzeptanz und Anschlussfähigkeit."

Klare Positionen als Teil einer Organisation einnehmen

Dabei legte sie nahe, eine klare Position einzunehmen, verknüpft mit einem Wertegerüst – und zwar als Teil einer Organisation. Ebenso empfahl sie, Sichtbarkeit durch eine klare Anlehnung an Unternehmensziele zu erwirken, dabei aber auch Kollegen und Vorgesetzten Anerkennung zu zollen und nicht ausschließlich die eigene Person in den Vordergrund zu rücken.

Strategisch wichtig für Sichtbarkeit seien auch Netzwerke.

"Wer sichtbar ist, der wird wahrgenommen und der wird damit auch für Führungspositionen berücksichtigt", betonte sie. "Seht immer, dass ihr in Kongruenz seid mit dem, was das Unternehmen gerade als Strategie ausgegeben hat." 

Mehr Informationen zum Frauennetzwerk und zu den nächsten Online-Events finden Sie hier.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper