Eon setzt auf Vielfalt beim Digital Empowerment – von digitalen On-Demand-Trainings bis zum persönlichen Austausch.

Eon setzt auf Vielfalt beim Digital Empowerment – von digitalen On-Demand-Trainings bis zum persönlichen Austausch.

Bild: @ Eon

Bei der digitalen Transformation setzt Eon in der Weiterbildung seiner Beschäftigten auf ein durchgängiges Konzept. Das Ziel: bis 2030 ein vollständig digitales Energieunternehmen zu werden.Wie man die Mitarbeiter an künstliche Intelligenz und andere digitale Tools heranführt und Berührungsängste abbaut, schildert Jonas F. Paul, Head of Digital Empowerment bei Eon.

Jonas F. Paul ist bei Eon als Head of Digital Empowerment für Trainingsmaßnahmen zuständig.Bild: © Eon

Herr Paul, worauf fokussieren Sie sich aktuell bei der digitalen Qualifizierung der Mitarbeitenden – thematisch wie kompetenzbezogen?

Im Bereich Digital Empowerment konzentrieren wir uns auf drei strategische Kompetenzfelder: Data & AI, Personal Productivity und Automation. Alle haben ein gemeinsames Ziel: unsere Kolleginnen und Kollegen in die Lage zu versetzen, digitale Technologien sinnvoll, sicher und selbstbewusst im Arbeitsalltag einzusetzen.

Data & AI ist aktuell weiterhin stark vom Thema Prompting geprägt – also der Fähigkeit, generative KI effektiv zu nutzen. Aber es geht um mehr als reine Bedien-Kompetenz: Wir wollen Handlungsrelevanz schaffen. Deshalb arbeiten wir mit konkreten Use Cases, die zeigen, wie KI echte Mehrwerte im eigenen Arbeitskontext stiften kann.

Gleichzeitig regen wir zur Reflexion an: Ist der Weg, den ich bisher gegangen bin, heute vielleicht einfacher, schneller oder besser mit KI zu bewältigen? Wissen zu internalisieren, zu habitualisieren und schließlich zu ritualisieren – das ist die eigentliche Herausforderung.

Personal Productivity zielt dann eher in Richtung Selbstorganisation?

Genau, sie zielt auf den souveränen Umgang mit Hard- und Software ab – von der effizienten Nutzung des eigenen Laptops über den produktiven Umgang mit digitalen Werkzeugen bis hin zur wirksamen digitalen Zusammenarbeit im Team. Hier geht es gerade nicht nur um Funktionen, sondern um digitale Selbstorganisation und Kollaboration auf einem neuen Niveau.

Automation schließlich soll entlasten. Wir helfen dabei, repetitive Aufgaben zu identifizieren und zu automatisieren – damit sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf das konzentrieren können, was ihnen wirklich wichtig ist: Aufgaben, bei denen sie ihren einzigartigen menschlichen Mehrwert einbringen können.

Welche Formate nutzen Sie ganz konkret, um digitales Lernen im Unternehmen voranzutreiben?

Wir kombinieren asynchrone Formate wie On-Demand-Inhalte auf unserer Lernplattform mit synchronen Angeboten wie skalierbaren Live-Online-Trainings. So schaffen wir maximale Zugänglichkeit – unabhängig von Rolle, Standort oder Zeitfenster.

Gleichzeitig wissen wir: Wirklich nachhaltiges Lernen entsteht im Austausch. Deshalb bieten wir auch Train-the-Trainer-Formate und Vor-Ort-Schulungen an. Hier geht es um mehr als Wissensvermittlung – es geht um das Teilen von Erfahrungen, das gemeinsame Reflektieren, das Abbauen von Hemmschwellen und das Lernen voneinander.

Unser Anspruch ist es, Formate zu gestalten, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Haltung und Handlungskompetenz fördern, sodass Lernen zum echten Hebel für digitale Selbstwirksamkeit wird.

Wie haben Sie ermittelt, welche digitalen Skills für die Mitarbeitenden wirklich relevant sind?

Neben einer umfassenden Skill-Gap-Analyse als Basis setzen wir als zentrale Einheit vor allem auf den intensiven Austausch mit unseren lokalen Fachbereichen. Ich selbst bin regelmäßig unterwegs, um mit Beschäftigten vor Ort zu sprechen – vom Monteur bis hin zum Vorstand. Gerade weil Digital Empowerment eine interdisziplinäre Querschnittsaufgabe zwischen HR und IT ist, braucht es diese Nähe zur Praxis.

Unser Team sitzt genau in der Mitte: Wir übersetzen strategische Anforderungen in konkrete Lernbedarfe – und umgekehrt. So stellen wir sicher, dass unsere Angebote nicht nur "nice to have", sondern wirklich relevant, anschlussfähig und wirksam sind.

Und wo finden die Mitarbeitenden die passenden Lernangebote – gibt es eine zentrale Plattform?

Ja, mit "myGenius" haben wir eine zentrale Learning-Experience-Plattform geschaffen, die allen Kolleginnen und Kollegen bei Eon als erste Anlaufstelle für digitales Lernen dient. Hier finden sich sowohl selbst entwickelte Inhalte als auch Angebote externer Partner – gebündelt, kuratiert und leicht zugänglich.

Das Lernen hin zu mehr digitaler Kompetenz bezeichnen Sie an anderer Stelle als eine "Digital Learning Journey“. Wie gestaltet sich diese Reise konkret?

Unsere Inhalte folgen einem klaren Dreiklang: verstehen, anwenden, übertragen. Im ersten Schritt geht es darum, ein grundlegendes Verständnis aufzubauen – um Themen überhaupt einordnen zu können. Nehmen wir das Beispiel künstliche Intelligenz: Natürlich ist KI keine übermächtige Superintelligenz. Wir zeigen, dass es sich im Kern um jahrzehntealte Mathematik handelt, kombiniert mit moderner Rechenleistung. Dieses Fundament ist wichtig, um Berührungsängste abzubauen.

Im zweiten Schritt heben wir die Inhalte auf die persönliche Ebene: Wo hilft mir diese Technologie konkret im Alltag? Welche Anwendungsszenarien gibt es in meinem Arbeitsumfeld? Hier entsteht Neugierde – und wir schaffen Raum zum Ausprobieren.

Im dritten Schritt geht es darum, Potenziale zu erkennen und in den eigenen Arbeitskontext zu übertragen. Wo lassen sich Prozesse automatisieren? Welche Aufgaben könnten im Team effizienter gelöst werden? Und wer kann mich konzernweit dabei unterstützen? Didaktisch setzen wir stark auf Microlearnings, also Lernen in kleinen Einheiten, um maximale Flexibilität zu ermöglichen. Gleichzeitig fördern wir den Transfer durch praxisnahe Aufgaben im Austausch mit anderen. 

Wie sind die Rückmeldungen aus den Fachabteilungen?

Hier zeigt sich eine klare Tendenz: Immer mehr Kolleginnen und Kollegen setzen die neuen Technologien im Arbeitsalltag ein. Das zeigt sich nicht nur in Gesprächen, sondern auch in den stetig steigenden Nutzungsraten unserer Anwendungen – etwa bei Eons GenAI-Plattform oder auf unserer Lernplattform "myGenius".

Viele schätzen, dass sie nicht "belehrt", sondern befähigt werden – auf Augenhöhe und praxisnah. So fördern wir die Eigenverantwortung. Wir vertrauen darauf, dass jede und jeder Einzelne die eigene Weiterentwicklung aktiv mitgestaltet – Digital Empowerment schafft die passenden Rahmenbedingungen dafür.

Dabei überlassen wir es nicht dem Zufall: Für jeden Lerninhalt aus Digital Empowerment erheben wir systematisch Feedback – so wie es kommerzielle Lernprodukte ebenfalls tun. Das hilft uns, die Qualität unserer Angebote kontinuierlich weiterzuentwickeln und noch besser auf die Bedarfe unserer Lernenden einzugehen.

Eon hat bereits 2023 angekündigt, bis 2030 ein vollständig digitales Energieunternehmen werden zu wollen. Ist dieses Ziel realistisch oder zu ambitioniert?

Das Ziel ist ambitioniert – und genau deshalb richtig. Denn die Herausforderungen der Energiewende lassen sich nur mit einem klaren digitalen Anspruch bewältigen. Als einer der größten Betreiber von Energieinfrastruktur in Europa haben wir die Verantwortung – und die Chance – Digitalisierung nicht nur mitzudenken, sondern aktiv zu gestalten.

Gleichzeitig wissen wir: Digitalisierung ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Es geht nicht darum, irgendwann "fertig" zu sein, sondern darum, kontinuierlich besser zu werden – technologisch, organisatorisch und kulturell. Genau deshalb investieren wir gezielt in digitale Kompetenzen, moderne Technologien und eine lernende Organisation.

Ob das Ziel realistisch ist? Ja – wenn wir es gemeinsam angehen. Unser Motto "It’s on us" bringt es auf den Punkt: Die digitale Transformation gelingt nur, wenn alle mitziehen.

Das Interview führte Boris Schlizio

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper